Nach dem Abschluss an einer deutschen Auslandsschule in Belgien hat Ines 2015/16 ein Jahr in der Fundación Esperanza in Quito als Freiwillige die Arbeit dort unterstützt. Durch das „weltwärts-Jahr“ mit seinen vielfältigen Erlebnissen und Erfahrungen hat sie sich für das Studium „Soziale Arbeit mit gemeindepädagogisch-diakonischer Qualifikation“ an der Evangelischen Hochschule in Darmstadt entschieden. Nach ihrer Rückkehr möchte sie nicht nur die Kinder der Tageseinrichtung, sondern auch ihre deutsche Trägerorganisation weiter unterstützen, ohne die ein solches Auslandsjahr nicht möglich gewesen wäre. Deshalb wurde sie Mitglied in der Ecuador-Connection. Von November 2018 bis November 2024 war sie zweite Vorsitzende des Vereins. Seitdem ist sie die Kassenprüferin.
Am 17.10.2016 waren wir zu Gast beim EineWelt-Report auf Radio Lora in München (www.lora924.de).
Die ganze Sendung gibt es auch als Podcast zum Nachhören unter https://www.freie-radios.net/79589
Es sind noch keine zwei Wochen um, seitdem ich wieder in meiner alten, aber irgendwie auch neuen Heimat in Deutschland bin. Vorbei ist das „Stadtleben“ in Ecuador, welches manch einer bei 140.000 nicht einmal als solches bezeichnen würde; beginnen tut fürs erste noch einmal das „Landleben“ bei meinen Eltern, welches in unserem kleinen 1.000-Seelen Dorf dagegen definitiv ein solches ist.
Einiges ist neu, vieles ist anders, manches ist gleich. Irgendwie ist es eine ganz andere Welt, aber doch eine vertraute Situation. Es gibt keine Hunde mehr, die morgens bellen, keinen Gasmann, der musikalisch klingelnd durch die Straßen fährt und es fehlen die alltäglichen Sonnenstrahlen, die in der Früh durchs Fenster fallen. Stattdessen beginnt der Morgen mit ruhiger Landstille, bedecktem Himmel und Butterbrot mit reifem Käse.
Ich fühle mich irgendwie klein – mag es die vergleichsweise geringere Körpergröße der Ecuadorianer sein, vielleicht auch mein plötzlich erwachsener kleiner Bruder oder der Gedanke, etwas orientierungslos in diesem anscheinend „schneller laufenden“ Land zu sein. Vieles scheint in kürzerer Zeit zu passieren – das Einkaufen an der Supermarktkasse statt dem Handeln auf dem Markt und das Autofahren auf der Autobahn statt dem gemütlichen Busreisen durch die kurvigen Anden-Straßen. Doch auch die spontanen netten Gespräche und das Plaudern mit dem Obsthändler zwischendurch scheinen sich zu beschleunigen und auf einmal oftmals zeitlich begrenzt zu sein. Planen, Festlegen und den Überblick zu behalten, scheint unerlässlich und irgendwie holt mich die Ordnung, Sorgfalt und feste Konzeption der Momente ein und ich brauche eine Zeit für mich zum Reflektieren und Nachdenken...
Wenn ich die Zeit in Ecuador noch einmal Revue passieren lassen, kommen mir viele Arbeitsmomente, Reiseerlebnisse und Gedankenausflüge in den Kopf. Es ist kaum möglich, eine für mich befriedigende Antwort auf die Frage, wie es denn in Ecuador gewesen sei, zu geben. Hinter einem „Gut, es hat mir gefallen!“, einem „Schön, die Landschaft ist so einzigartig!“ oder einem „Die Arbeit war wirklich interessant und die Kultur ist eine ganz andere!“ steckt so viel mehr, was sich kaum aus dem Stehgreif abrufen lässt. Es ist deutlich mehr, als dass man es kurz komprimiert in wenigen Sätzen erfassen könnte. Es ist nicht einfach, zusammenzufassen was dieses Jahr einem an Erfahrungen, Wissen und an Gedanken gebracht hat. Vielmehr realisiert man in einzelnen Situationen oder Momenten, bei bestimmten Meinungen oder Verhaltensweisen, was einen in dieser langen Zeit geprägt hat und dass es nicht wenig ist, was einen verändert hat.
Wenn ich über die rote Ampel gehe, weil nachts weit und breit kein Auto zu sehen ist, dann merke ich, dass ich im Alltag in Ibarra gelernt habe, lieber auf den Verkehr zu achten und als auf Schilder und stets ignorierte Zebrastreifen zu schauen.
Wenn ich im Supermarkt durch die, eine unendliche Auswahl und Vielfalt bietenden Regale laufe, in denen alles dreifach in Plastik verpackt ist, dann fühle ich mich etwas überfordert, wie steril und vollendet das Essen scheint und vermisse den wunderbaren Markt mit dem frischen Obst, Gemüse und Getreideprodukten, der zum kreativen Kochen verleitet hat.
Wenn ich bei über dreißig Grad in der Stadt mit langer Hose und festen Schuhen umherlaufe, dann merke ich, dass ich zu den wenigen jungen Frauen gehöre, die keine Hotpants tragen – weil ich mir so doch sehr nackt vorkäme und in Ibarra nicht ein einziges Mal eine solche anhatte.
Wenn ich eine Uni-Freundin für ein Wochenende in Bonn besuchen will, dann wird mir bewusst, dass ich schon Wochen vorher ein Sparticket der Bahn buchen sollte oder mir den Fernbus reservieren muss, um nicht wenige Tage vorher auf unbezahlbare Preise stoßen zu müssen und mir fehlt das spontane, einfache und preiswerte Busreisen in Ecuador.
Und wenn ich dann schlussendlich in der Bahn nach Bonn mit meinem Monate vorher reservierten Sparticket sitze, die automatischen Schiebetüren der neuen Westfahlen-Bahn-Wagons sich lautlos schwebend vor mir öffnen, ich statt verschlossenen Bustoiletten auf zehnstündigen Fahrten und lauter Salsa-Musik auf ruhiges Schweigen mit Smartphone-Anblicken treffe, dann fühle ich mich wie in einer anderen Welt – irgendwie, wie in einem dieser Zukunftsszenarien – fortschrittlich, aber anonym, leise aber stumm, unbeschwert aber zu durchdacht.
Manchmal ist es mir „zu viel High Tech“, wenn ich mal ein Pärchen im Café jeweils auf ihren Telefonen tippen sehe und ich die automatische Starbucks-Toilettentür mit automatischer Schließung aufgrund zu funktioneller Technik erst nach einiger Zeit und viel Geduld wieder geöffnet bekomme – doch dann weiß ich es auch zu schätzen, wie einfach sich der Rollstuhl meiner Oma dank unzähliger Fahrstühle und barrierefreier Straßen und Geschäfte durch die Stadt rollen lässt und ich denke an die nicht immer einfachen Wege und Busfahrten mit Marcelino, meinem, im Rollstuhl sitzenden Kind aus der Fundación.
Wenn ich in der Tageszeitung unseres politisch schwarzen Dorfes in harten Worten von der AfD und deren Kritik an Merkels Flüchtlingskurs lese, dann denke ich an die unzähligen kolumbianischen Straßenverkäufer und daran, dass nicht Deutschland allein „offene Grenzen“ hat. So erkennt Ecuador in seiner Verfassung Geflüchteten das Recht, in einem fremden Land Schutz zu suchen, das Recht auf Mobilität und die rechtliche Gleichstellung mit den Ecuadorianern an.
Wenn ich dann an die Kritik an der „Gleichsetzung“ von Asylanten in Deutschland denke und die von vielen Seiten kritisierten angeblich „hohen“ Sozialsätze, die laut vielen Betroffenen die Sozialleistungen an die Deutschen wohl übersteigen würden, wobei sie wahrhaftig eigentlich darunter liegen, dann kommt mir ein Gedanke. Es erscheint mir, als müsste das allseits bekannte entwicklungspolitische Verhältnis zwischen „Geber- und Nehmerland“ zwischen vielen EU-Industrieländer und Ecuadors im Rahmen der Flüchtlingspolitik einmal gewendet werden. Wer ist in diesem Fall das Land, von dem sich etwas abschauen lässt? Die Rolle dieses südamerikanischen Landes als politisches Vorbild in in diesem Politikbereich will jedoch nicht jeder erkennen und die Akzeptanz fällt nicht leicht...
Es ist nicht möglich und noch viel weniger gewollt, ein „Besser“ oder „Schlechter“, ein „Fortschrittlicher“ oder „Rückständiger“ zwischen Ländern und Kulturen abzuwägen – vielmehr ist mir bewusst geworden, welche Vielfältigkeit in den verschiedenen Kulturen, Sprachen, Landschaften und Denkweisen der Menschen auf der ganzen Welt besteht und welche Bedeutung Respekt, Toleranz und Offenheit in den Gedanken haben sollten, denn jeder kann von jedem etwas lernen.
Meine Fundación
Nun arbeite ich bereits seit mehr als neun Monaten in der Fundación Campamento Cristiano Esperanza hier in Quito. Im Folgenden möchte ich nicht nur auf meine täglichen Aufgaben und Herausforderungen eingehen, sondern auch allgemein die Fundación vorstellen.
Ich fange einmal vorne an: Im Jahr 1983 hatten einige Missionare eines christlichen Radiosenders die Idee, ein Feriencamp für Personen mit Behinderung zu veranstalten. Dort sollten sie Spaß haben und das Evangelium kennenlernen. Mit einer Gruppe von 17 Kindern im Alter von 6 bis 16 Jahren fand dann das erste „Campamento“ statt.
Das Programm dieses Feriencamps beinhaltete Schwimmen, Handarbeiten, Sport, biblische Geschichten, Singen und Gruppeninteraktionen im großen und im kleinen Kreis. Die Aktionen wurden besonders auf jedes Kind abgestimmt, damit sich jedes einzelne so gut wie möglich beteiligen konnte.
Nach einer langen Entwicklung von den Sommercamps über eine Schule mit regulären Kindern und Kindern mit Behinderung, ist die Fundación Campamento Cristiano Esperanza nun eine Einrichtung/ Schule für Kinder mit Behinderung.
Momentan kommen von Montag bis Freitag täglich 42 Kinder und Jugendliche in die Fundación. Diese werden in verschiedene Gruppen aufgeteilt: Prevocacional, Paralisis Crerebral 1 und 2, Cognitiva, Refuerzo Escolar integración und Aprendizaje Especial. Die Kinder sind damit nach ihren Fähigkeiten und ihrem Alter aufgeteilt. Normalerweise hat jedes Kind seinen festen Platz in der Fundación, aber natürlich wechseln manche Kinder die Gruppen, weil sie sich verbessert haben und dann in einer anderen Gruppe besser weitergefördert werden können.
Zu den Tätigkeiten in der Fundación gehören zum Beispiel: Physiotherapie, Sprachtherapie, Pferdetherapie, Beschäftigungstherapie, Familientherapie, Stimulation durch Musik und Tanzen sowie einige andere Sachen. Aber auch für die medizinische Versorgung, psychologische Hilfe und die Verpflegung mit Essen wird von Seiten der Fundación aus gesorgt.
Das Waisenheim „Casa Hogar“ liegt ungefähr eine gute Viertelstunde von der Fundación entfernt. Dort werden 17 der 42 Kinder und Jugendlichen untergebracht, die keine Familie mehr haben, oder dieser entzogen wurden. Es ist ein recht großes Gelände mit einem schönen und freiräumigen Haus, in welchem die Kinder wohnen.
Um die ganze Arbeit, die in der Fundación jeden Tag anfällt, zu schaffen, helfen immer ein paar Volontäre aus unterschiedlichen Ländern mit. Meine Organisation, die Ecuador Connection, bietet jedes Jahr vier Plätze für jeweils ein Jahr an. In meiner Zeit waren jedoch auch beispielsweise drei Volontäre von „VASE“ da, um zu helfen. Doch auch einige ecuadorianische Schüler oder Studenten kommen wenigstens für eine ganze Weile zum Anpacken. Es ist meist ein stetiger Wechsel. Aber es ist gut, dass so viele Jugendliche und junge Erwachsene kommen, um zu helfen. Denn ohne sie wäre der Tagesablauf deutlich schwerer.
Nun zu meinen täglichen Aufgaben. Ich bin nun wieder in der Gruppe, in der ich auch die ersten drei Monate verbracht habe: Paralisis Cerebral 1. Zu dieser Gruppe gehören neben den zwei Tías Silvia und Miriam auch zehn Kinder und junge Erwachsene. Aus dieser Gruppe sind fast alle Kinder im Casa Hogar untergebracht.
In dieser Gruppe können nur drei junge Erwachsene laufen und davon eine nur mit Hilfe. Die anderen sitzen im Rollstuhl und sind teilweise schon aktiv dabei, Laufversuche und –übungen zu machen. Manche allerdings sind auch noch weit davon entfernt. Unsere Aufgabe ist es also den Kindern morgens nach dem Ankommen erstmal die Windeln zu wechseln, bevor die jeweils passende und notwenige Therapie auf dem Plan steht. Die meisten Kinder sind Spastiker, das bedeutet es muss viel an der Entspannung gearbeitet werden.
An dieser Stelle möchte ich kurz erwähnen, dass die Therapien normalerweise ziemlich anstrengend sind und es viel Zeit braucht, bis man mit allen Kindern die Therapie gemacht hat. Aber es lohnt sich! Ich habe in meiner jetzigen Gruppe bei mehreren Kindern eine starke Verbesserung innerhalb des letzten halben Jahres festgestellt. Das muss natürlich nicht immer so sein, aber es motiviert mich umso mehr, weiterzumachen und sich von vielleicht manchmal nur sehr langsamen Fortschritten entmutigen zu lassen.
Nachdem wir Tías und Volontäre zu Mittag gegessen haben, sind die Kinder dran. Viele schaffen es komplett alleine zu essen, manche brauchen ein bisschen Hilfe und einige werden komplett gefüttert. Anschließend geht es wieder in die jeweilige Klasse und nach dem Zähne putzen und Windel wechseln ist etwas Entspannung angesagt – zumindest für die Kinder: Massagen, Bücher vorlesen, ein bisschen laufen gehen oder gemeinsam im Park spielen. Und wenn dann nachmittags noch die kleine Zwischenmahlzeit eingenommen wurde, werden alle Kinder fertiggemacht und es geht nach Hause.
Nach so einem Tag sind wir dann meistens ziemlich müde, denn mit Kindern ist jeder Tag anders und steckt voller neuer Herausforderungen. Aber genau das liebe ich an meiner Arbeit!





Projektbericht Casas de Pollos
Fundación Cristo de la Calle Ibarra
Irene Skatow und Lisa Brunkhorst
Eigentlich sollte es schon Ende Juni damit losgehen, Baupläne zu entwerfen, Holz einzukaufen, Nägel, Säge und Hammer bereitzulegen und mit dem Bauen zu starten. Die Hühnerställe sollten eine Woche später stehen und ihre Bewohner in den pünktlich zum neuen Monatsbeginn Einzug halten. Doch wie das eine oder andere Mal etwas dazwischen kommen kann, Situationen sich ändern und Ideen entstehen oder sich als unsinnig herausstellen, wurde auch unser Bau- und Zeitplan mit der Zeit eher etwas mehr als weniger auf den Kopf gestellt. Denn zum einen hatten wir das Glück, dass zur geplanten Bauzeit gerade einige Bäume im Freizeitpark Yuyucocha gefällt wurden und wir so einiges an hochwertigen Holz zur Verfügung hatten und dieses nun nicht mehr von unserem Budget gekauft werden musste. Gesagt, getan, stand nach dieser kleinen Ressourcenänderung jedoch noch zusätzlich das Zurechtschneiden der riesigen Baumstämme in brauchbare Bretter und Platten an. Dabei waren wir dann glücklicherweise mit der Hilfe zweier Arbeiter des Freizeitparks gesegnet, die in der Beherrschung der Motorsäge und der Holzverarbeitung doch schon etwas erfahrener waren als wir.
Eigentlich hatten wir geplant aufgrund des größeren finanziellen Budgets nun insgesamt sechs kleinere Häuser zu konstruieren und diese auf die drei Casas Familias aufzuteilen. Doch da unsere ganz individuell angefertigten Holzstücke und Bretter, die aus den riesigen Stämmen entstanden, doch größer sein konnten, als gedacht, haben wir erneut ein wenig umgeplant und schließlich nur drei Hühnerställe angedacht, die dafür aber viel größer sind und mehr Hühner beherbergen können. Somit sollte jedes der Casas Familias sein Casa de Pollos mit jeweils fünfzehn Hennen bekommen.
Angefangen mit einem losen Brettergerüst, das nur ein einfaches Dach aus Platten haben sollte, sind uns mit dem Bauprozess immer mehr kleine Schwierigkeiten und neue Ideen gekommen, um es den Hühnern wohnlicher und artgerechter zu machen. Es kamen verstärkte Dachbretter als Windisolation dazu, es wurden auf zwei Etagen Sitzstangen befestigt, eine praktische Tür eingebaut und wir haben sogar eine Hühnerleiter angebracht, damit sich jedes Hühnchen am Ende pudelwohl fühlen kann. So waren wir am Ende selbst von unseren Hühnerställen überrascht, als wir uns an unsere ersten, auf Schmierpapier gekritzelten Baupläne zurückerinnerten. Denn auch wenn wir vielleicht schon einmal als Kinder eine kleine Hütte im Wald aus Brettern selbstgebaut hatten, und den Hühnerstall aus den Sommertagen bei Oma noch vor den Augen haben, so ist es doch noch einmal etwas ganz anderes, ein solches Projekt von Anfang bis Ende zu planen, finanziell zu verwalten und durchzuführen.
Mit der Zeit hat sich dabei gezeigt, dass unsere Idee der Beteiligung der Kinder am Bauen leider schwierig umsetzbar war, da die Konstruktion eine gewisse Erfahrung voraussetzte. Doch da es bei dieser Passivität nicht bleiben sollte und wir den Kindern trotzdem das Gefühl geben wollten, dass es IHRE Casas de Pollos sind und darin IHRE Hühner wohnen, um die sie sich kümmern sollen, haben wir uns eine Alternative überlegt. So sind wir kurzerhand erneut in die Ferreteria, haben Pinsel und bunte Farben gekauft und eine kleine Streich- und Malaktion gestartet. Dabei hat es gerade den Kleineren nicht an Motivation gemangelt, endlich auch etwas machen zu dürfen und so waren am Ende des Tages nicht nur die Dächer bunt, sondern auch der Maschendraht hatte farbige Kleckse und die Hände, Gesichter und Kleider der Kinder waren nicht verschont.
Zum Schluss folgte dann der Einzug der Hühner, die ganz sehnsüchtig flatternd ihr neues Quartier bezogen. Vor allem stand aber auch eine kleine Aufklärungsrunde an, in der wir die Kinder über die Pflege und Versorgung der Hühner infomiert haben und Motivation wecken wollten, sich auch gut um ihre neuen Haustiere zu kümmern.
Und so entstanden dank der finanziellen Unterstützung der Ecuador-Connection für die Casas Familias der Fundación Cristo de la Calle im kleinen Ibarra im schönen Ecuador drei Casas de Pollos :)

Während ich mir die Berichte „ehemaliger Freiwilliger“ durchlese, wird mir bewusst, dass ich in ein bisschen mehr als 2 Monaten selbst zu den „Ehemaligen“ gehören werde. Die Aussicht auf diese nur kurze verbleibende Zeit, löst bei mir gemischte Gefühle aus. Einerseits freue ich mich sehr meine Familie und Freunde in Deutschland wiederzusehen, anderseits muss ich dabei auch meine „Familie“ und Freunde hier zurücklassen. Ich werde die Dankbarkeit vermissen, mit der unsere Arbeit jeden Tag geschätzt wird, egal ob von den Tias und Tios oder von unseren Chefinnen. Ich werde es vermissen, die Kinder in der Früh zu begrüßen. Sogar Marthas Geschrei und ihre morgendlichen Wutanfälle werden mir abgehen ;) Und natürlich werde ich es vermissen mich mit meinen Mitfreiwilligen, Ines und Laura, zu jeder Tages- und Uhrzeit austauschen zu können

Doch jetzt ist es eigentlich an der Zeit zu reflektieren. Was habe ich in meiner bisherigen Zeit gelernt? Was will ich in den letzten Monaten noch unbedingt machen?
Ich habe mich einigen Herausforderungen gestellt, wunderschöne Momente erlebt, hatte natürlich aber auch Tage, an denen ich niedergeschlagen war. Doch ich denke, dass uns genau diese Momente prägen. Diese Momente in denen es einfach nicht so klappt wie ich es mir vorgestellt habe. Ich sehe der Zukunft irgendwie gelassener entgegen, denn ich weiß, dass ich nach diesem Jahr selbstständig meinen Weg gehen kann.

Unser Zwischenseminar das Ende Februar stattgefunden hat, befasste sich natürlich auch mit diesen Fragen bzw. hat mich persönlich erst dazu angeregt über diese Fragen nachzudenken.
Dennoch fällt es mir schwer meine Erfahrungen in Worte zu fassen, zumal ich ja noch ein bisschen Zeit vor mir habe und weiterhin „mittendrin im Geschehen bin.“ Ich denke mal, dass es einfacher ist darüber in Deutschland zu reflektieren, wenn ich ein bisschen Abstand zu meinem Leben „hier“ habe.
Auf jeden Fall genieße ich jetzt noch meine letzten Monate, drücke meine Kinder so oft wie es geht und beschäftige mich eher mit der Frage, welche Orte ich noch besuchen und welche Erfahrungen ich noch unbedingt machen möchte:

In den ersten Monaten war ich nach der Arbeit meistens so erschöpft, dass nicht mehr viel Energie für Hobbys etc. übrigblieb. Doch nach einem halben Jahr habe ich gemerkt, dass ich wieder neue Herausforderungen bzw. Beschäftigungen brauche. Dabei kam es mir ganz gelegen, als wir auf der Straße abgesprochen wurden, ob wir Lust hätten Volleyball zu spielen. So trainieren Laura und ich einmal die Woche mit unserem Volleyballteam und haben zusätzlich samstags ein Spiel. Außerdem habe ich es mir das Ziel gesetzt, mir ein bisschen Ukulele beizubringen. Ich bin jetzt also gut beschäftigt und lenke mich von der Tatsache ab, dass meine Zeit hier bald zu Ende ist.
Doch trotzdem bleibt eine Frage immer in meinem Hinterkopf: „ Was wird nach dem Jahr?“
Wie werde ich Deutschland wahrnehmen wenn ich zurückkomme? Fällt es mir leicht mich wieder einzuleben oder gibt es erstmal dieses „große Loch“ von dem so viele erzählen?
Ich weiß es nicht.
Doch eine Antwort auf diese Fragen, werde ich schnell genug finden...


Maria hat im Jahrgang 2014/15 ihren Freiwilligendienst mit der Ecuador Connection e.V. in der Fundación Campamento Cristiano Esperanza in Quito absolviert. Inspiriert von ihrer dortigen Tätigkeit, begann sie zum Wintersemester 2015 ihr Studium der Rehabilitationspädagogik in Berlin. Seit Februar 2016 engagiert sich Maria im Verein und unterstützte diesen zunächst bei den Aus- und Vorbereitungsseminaren für die Freiwilligen. Seit ihrem Beitritt zum Verein im Jahr 2017 hat sie Aufgaben übernommen. Derzeit ist sie für die Kommunikation mit der:m Mentor:in vor Ort zuständig. Somit besteht ihre Aufgabe darin, Ansprechpartnerin und Unterstützung für die Freiwilligen in etwaigen Situationen zu sein. Von November 2018 bis November 2024 war Maria erste Vorsitzende des Vereins.
Ecuador-Connection- zweiter Erfahrungsbericht
Seit dem letzten Bericht ist viel Zeit vergangen und es ist auch einiges passiert.
Damals habe ich meinen November und Dezember damit verbracht in Weihnachtsstimmung zukommen, indem ich Plätzchen gebacken, mit Freunden Schlittschuh laufen bin und die Wohnung weihnachtlich geschmückt habe, doch dieses Jahr war man in keiner Weihnachtsstimmung, auch wenn viele Familien ihre Häuser mit Lichterketten und Weihnachtsdeko versehen haben. Die sommerliche Wärme gab einem nicht das Gefühl, dass das Fest schon vor der Tür steht. Für die Kinder jedoch waren die Wochen davor wie Weihnachten. Zu den Novenas, die hier als kleine religiöse Feste ungefähr neun Tage vor Weihnachten zelebriert werden, gab es verschiedene Besucher, die in einer größeren Organisation tätig sind oder Schüler, die sich fleißig engagieren und den Kindern eine Freude bereiten. So wurde jeweils immer in einer großen Gruppe gespielt, vorgesungen oder auch mal vorgetanzt, erzählt, gegessen und beschenkt. Es ist bei den Novenas üblich aus der Bibel vorzulesen und sich dazu zu äußern, doch um es den Kindern spielerisch zu vermitteln, hatte jeweils eins von den drei Häusern die Aufgabe ein Theaterstück zu inszinieren. So wurden die Kinder zu Hirten, Maria und Josef verkleidet und übten fleißig ihre Texte. Dazu wurde noch kräftig gesungen und getanzt. Anschließend gab es etwas zu essen und zu trinken und die kleinen Fundas de Navidad wurden verteilt, die randvoll mit Keksen in Tierformen und anderen Süßigkeiten waren. So kam es, dass die Kinder nach neun Novenas neun Tüten, wenn nicht sogar mehr, hatten und sich der Berg von Keksen ansammelte. Umso mehr dachte, dass mein kleines selbstgebasteltes Geschenk aus einer Minions bemalten Klopapierrolle und den üblichen Süßigkeiten, den Kindern kaum Freude bereiten würde, doch es kam ganz anders. Sie waren außer sich vor Freude und haben dann noch mit den Minions gespielt. Meine Kinder sind verrückt nach Minions. ;)
Und schon standen die Feiertage bevor und ich habe mir beschlossen freizunehmen, um ein wenig zu verreisen und die Kultur näher kennenzulernen. Weinachten habe ich bei meinen Nachbarn verbracht und gemerkt, dass wir gar nicht so anders feiern. Man geht zur Kirche, begibt sich zum Festmahl, betet, dankt und schätzt das, was man hat: die Familie.
Die Tage dazwischen habe ich mit Freunden den Strand erkundet und das Strandleben genossen. Bis es an Silvester wieder nach Ibarra ging, um hier in das Año Nuevo zu starten. Es ist Brauch, dass man eine Puppe, die sog. „Monigotes“ (Hampelmänner), die in alte Kleidung gehüllt und gefüllt mit Papier oder Sägemehl sind, kurz vor Mitter in Brand setzt und somit sich von allem Schlechten des vergangenen Jahres verabschiedet. Und auf den Straßen sah man viele als Prostituierte verkleideten Männer, die Autos auf den Straßen zum Anhalten gebracht haben, um vor ihnen zu tanzen und etwas Trinkgeld zu bekommen. Das gibt es alles hier in Ecuador. Sehr amüsant. :)
Neues Jahr, neues Haus. Fast 6 Monate habe ich in dem Haus „Yuyu 2“ gearbeitet, mit dem anfänglichen Vorhaben, alle drei Monate zu rotieren. Doch die Kinder sind mir so schnell und stark ans Herz gewachsen, sodass ich gar nicht mehr wechseln wollte. Doch langsam wurde es Zeit zu wechseln, denn zwei Freiwillige in dem einem Haus sind einer zu viel und dementsprechend einer zu wenig in dem anderen Haus. So wurde die französische Freiwillige aus „Yuyu 1“ verabschiedet und ich willkommen geheißen. Zu den neuen Kindern und zu den neuen Educadoras, kamen neue Aufgaben. So arbeite ich meistens von 7-15 Uhr, was ich persönlich besser finde, als die lange Pause dazwischen. Zu meinen Aufgaben gehört nun, dass ich das an Toxoplasmosis Oculis und Epilepsie erkrankte Mädchen zur Schule begleite und öfters bei Therapien mithelfe. Die Kinder sind so süß und liebesbedürftig, und zeigen ihre Zuneigung ganz offen und ohne Zweifel.
Ansonsten helfe ich im Haushalt, räume auf, koche oder kümmere mich um das Baby Maria de los Angelos. Seit kurzem, nachdem ein Kind adoptiert wurde, sind zwei neue Kinder dazugekommen, die sich erst mal an die Umstellung gewöhnen und das Zusammenleben kennenlernen müssen.
So ergeht es mir auch. Ich fühle mich zwar wohl, doch ich denke, dass ich noch ein wenig Zeit brauche, um die Kinder und auch die Educadoras besser kennenzulernen. Ich bin gespannt, was noch alles auf mich zukommt.
Ich verabschiede mich hiermit.
Bis demnächst.
„Behinderte haben das angeborene Recht auf Achtung ihrer Menschenwürde. Behinderte haben ungeachtet der Ursache, Art und Schwere ihrer Benachteiligung und Behinderungen die gleichen Grundrechte wie ihre gleichaltrigen Mitbürger, d.h. zunächst und vor allem das Recht auf ein möglichst normales und erfülltes, menschenwürdiges Leben.“
(Aus der Erklärung der Vereinten Nationen über die Rechte der Behinderten (1975))
Mein Name ist Alex, ich bin 9 Jahre alt, bin ein fröhlicher Junge. Seit dreieinhalb Jahren werde ich von morgens 8:00 Uhr bis nachmittags um 16:30 Uhr in der Fundación Esperanza betreut.
Ich kann nicht laufen, geschweige denn, mich ohne Hilfe fortbewegen. Ich sitze seit meiner Geburt im Rollstuhl. Möchte ich irgendwohin, kann ich dies nicht einfach tun, ich bin immer auf andere Personen angewiesen und mein Leben hängt von Entscheidungen anderer Leute ab.
Einfach mal raus auf den Spielplatz gehen, geht nicht. Es spielt für mich keine Rolle, dass ich nicht alleine rutschen oder schaukeln kann. Mir macht es Spaß an der frischen Luft zu sein und das mit Kindern in meinem Alter zu genießen. Dabei spielt es keine Rolle, ob meine Spielkameraden im Rollstuhl sitzen, wie ich, oder nicht.
Ich kann nicht alleine essen. Wenn ich Hunger habe, kann ich mir nicht einfach ein Brot machen. Ich werde mir niemals das kochen können, worauf ich Lust habe. Immer gibt es diesen Brei, der sogar manchmal ganz gut schmeckt. Das einzige, was nervt, sind immer die gleichen Worte, die mir und auch den anderen Kindern vorgebrabbelt werden: „qué rico!“ (wie lecker/ köstlich). Vielleicht hätte ich auch mal gerne meine Ruhe beim Essen? Nur leider kann ich das nicht äußern.
Und falls mir das Essen mal nicht schmeckt, wird es trotzdem rein geschaufelt, denn wenn ich mich wehre und den Kopf bewege oder weine, heißt es, dass ich essen muss, damit ich groß und stark werde.
Regelmäßig läuft mir die Spucke am Mund herunter über meinen Hals in meine Kleidung. Dieses Gefühl ist unerträglich, da es kitzelt und juckt und du einfach nichts dagegen unternehmen kannst. Ich muss warten bis es jemand bemerkt und mich dann mit meinem sowieso schon dreckigen Lätzchen sauber macht.
Ich würde es ja gerne verhindern, aber oft ist es für mich viel zu anstrengend meinen Kopf hochzuhalten, weshalb mir keine andere Möglichkeit bleibt, als ihn schlapp runter hängen zu lassen.
Das ist gelogen. Keiner hat auch nur die geringste Ahnung, dass ich schon stark bin. Groß bin ich nicht unbedingt, aber ich bin stärker als manche anderen Erwachsenen, die ich bisher kennen lernen durfte.
Ich kann nicht alleine aufs Klo gehen. Ich trage Windeln. Manchmal sind die Windeln zu klein oder drücken. Niemand weiß das, aber ich habe auch aufgegeben zu versuchen dies mitzuteilen. Versteht ja sowieso niemand.
Wenn ich mich volluriniert habe und ich schon seit einer Stunde mit nasser Hose in meinem Rollstuhl sitze, mache ich meistens mal auf mich aufmerksam, indem ich Laute von mir gebe. Meistens hilft das auch tatsächlich und dann bin ich frisch gewickelt wieder glücklich und kann mich auf andere Dinge konzentrieren.
Wenn ich etwas nicht möchte, dann kann ich das niemandem mitteilen. Keiner versteht, was ich sagen möchte, denn ich kann nicht sprechen, wie ihr wahrscheinlich schon gemerkt habt. Ich gebe Laute von mir, um auf mich aufmerksam zu machen. Sie denken, er jammert wieder aus irgendeinem banalen Grund, aber das stimmt nicht.
Wenn mir zu kalt oder zu heiß ist, kann ich niemanden bitten, dass er mir noch einen Pullover an- beziehungsweise auszieht. Stattdessen muss ich warten bis jemand spürt, dass mein Körper glüht oder eiskalt ist.
Wenn ich Schmerzen habe, kann ich nicht einfach um Medikamente bitten.
Aufgrund meiner Behinderung habe ich öfter Verdauungsprobleme. Manchmal schmerzt mein Bauch und das stundenlang, bis es endlich wieder aufhört. Meine Verdauung ist nicht die beste und genau aus dem Grund brauche ich öfter mal eine Massage. Die bekomme ich tatsächlich immer mal wieder, und das ist eines der schönsten Gefühle, wenn die Schmerzen weg sind.
Das gleiche gilt für meinen Rücken. Oft komme ich mir vor wie ein alter Mann. Da ich an Skoliose (Seitabweichung der Wirbelsäule) leide, verursacht das lange Sitzen im Rollstuhl und auch die zu geringe Bewegung regelmäßig Schmerzen. Zum Glück wissen das die Menschen, die mir nahe stehen und helfen mir mit regelmäßiger Therapie und Massagen.
Um ehrlich zu sein, habe ich wirklich Glück. Natürlich ist nicht alles perfekt aber was ist schon perfekt. Ich bin glücklich, dass ich leben darf und meine Mutter ist die Beste der Welt, denn sie kümmert sich mit so viel Liebe und Zuneigung um mich. Ich darf immer mit, wenn wir Ausflüge machen und genauso Dinge erleben, wie die Menschen, die mir wichtig sind. Es gibt genügend Kinder, die bei Verwandten geparkt werden und nie wirklich etwas von der Welt sehen, da „sie ja krank werden könnten, weil ihr Immunsystem zu schwach ist“. Zum Glück werde ich immer schön dick eingepackt, sodass ich nie friere.
Das war ein kleiner Einblick, wie kleine alltägliche Situationen eines Behinderten wahrgenommen werden könnten. Ich hoffe es hat nicht schockiert, denn das war nicht die Intention.
Die Ecuador Connection e.V. ist ein kleiner Verein, der ohne großen Verwaltungsaufwand arbeitet. Deswegen können wir ihnen versichern, dass ihre Spenden sinnvoll und satzungsgemäß verwendet werden.
Für eine Spendenüberweisung nutzen sie bitte folgende Kontodaten:
Die Ecuador Connection e.V.
IBAN: DE37 7015 0000 0000 0085 24
BIC: SSKMDEMM
Vereinfachter Spendennachweis für Einzelspenden bis zu 300 €
Der Bareinzahlungsbeleg oder die Buchungsbestätigung ihres Kreditinstitutes genügen gem. § 50 Abs. 2 Nr. 2 b) EStDV bei Spenden bis 300 € als Nachweis ihrer Spende, wenn diese gemeinsam mit unserem "Beleg gemäß § 50 Abs. 2 Nr. 2 b) EStDV" dem Finanzamt vorgelegt werden.
Regelmäßige Spenden
Wenn sie uns regelmäßig unterstützen möchten, können sie dies mit einem SEPA-Lastschriftverfahren tun. Füllen sie das unten verfügbare Formular aus, drucken sie es aus und senden sie es unterschrieben an unsere Vereinsadresse.