Die Natur Ecuadors ist unglaublich abwechslungsreich. Das ist wohl eine der erste Dinge, auf die man stößt, wenn man sich mit diesem Land befasst. In einem vergleichsweise kleinen Land gibt es die unterschiedlichsten Landstriche, man muss nur kurze Zeit mit dem Auto oder Bus unterwegs sein, um sich landschaftlich in einer komplett anderen Welt zu befinden. Ich habe in meiner Zeit hier schon mit Fahrzeiten zwischen weniger als zwei und zehn Stunden super hohe Berge, Nebelwald, Regenwald und Strand gesehen. Und je nachdem, wo ich hingefahren bin, haben sich diese Zonen immer voneinander unterschieden. Außerdem gibt es diese „Zwischenbereiche“, beispielsweise Berge, bewachsen mit Pflanzen des Regenwaldes.
Doch nicht nur die Natur, auch die Menschen sind hier unglaublich unterschiedlich. Wenn man hier durch die Stadt läuft oder im Bus sitzt und das Treiben auf den Straßen beobachtet, sieht man, dass es nicht „den Durchschnittsecuadorianer“, sondern alle möglichen verscheidenen Stereotypen der Ecuadorianer. Wenn man beispielsweise über den Markt läuft, sieht man Frauen in indigener Kleidung auf dem Boden sitzen und Bohnen verkaufen. Teilweise liegen neben ihnen Kinder, mit Jacken oder Decken zugedeckt, auf dem Boden und schlafen. An ihnen läuft ein mit Jeans und Tshirt bekleideter Mann vorbei und verkauft laut seine Waren anpreisend Fernbedienungen, Limonen, Mixer, Süßigkeiten oder Eis, oder was man sonst eben so zu Leben braucht (oder auch nicht). Während die Kinder der Marktfrauen auf dem Boden schlafen, beenden die Schulen ihren Unterricht und überall sieht man Mütter, deren Alter teilweise bei scheinbar unter 18 Jahren beginnt, allerdings gibt es auch ältere Frauen, die ihre Kinder von der Schule abholen (die Jüngeren überwiegen allerdings unglücklicherweise-oft werden auch wir gefragt, wo denn unsere Kinder sind), gemeinsam mit ihren, je nach Schule,in allen möglichen Farben und Variationen uniformierten Kindern durch die Stadt laufen. Schick gekleidete Menschen steigen neben ihnen aus dem Bus aus und ganz selten kommt es auch mal vor, dass ein Mann, der anscheinend irgendeine Form von Drogen genommen hat, auf dem Boden liegt und schläft. Und dann gibt es noch solche, die, wie meine Spanischlehrerin hier, ebenfalls indigene Wurzeln hat, teilweise auch entsprechende Kleidung trägt, meistens allerdings in Jogginghose gemeinsam mit ihrem Mann (halb Japaner, halb Italiener) Stunden in ihrer eigenen Sprachschule gibt und eine Tochter hat, die mit ihren zwei Jahren bereits fünf Sprachen spricht, während der Großteil der Ecuadorianer nicht über das Spanisch hinauskommt. An der Küste gibt es natürlich, je nach Ort, die Surfer und im Regenwald indigene Gemeinden, deren Zuhause nur über Flüsse mit Booten erreichbar ist und deren Schamanen manchmal seine Lehren den Touristen vorführt, die sich diese Gemeinden angucken. Je nach Ort gibt es also auch noch die ganz eigenen Personengruppen hier in Ecuador.
Und obwohl es so unglaublich viele verschiedene Menschen hier gibt, merkt man trotzdem eine Art von Rassismus, wenn man als blondes und hellhäutiges Mädchen durch die Straßen läuft. Zuerst einmal fällt auf, dass der Großteil der Menschen denkt, wir kommen aus den USA, wenn wir hier unterwegs sind. Da steigt man in ein Taxi, grüßt mit „Hola, buenas noches“ und wird mit einem mal mehr, mal weniger gut gelaunten „Hello“ begrüßt. Oder man überquert eine Straße und eine Gruppe Jungs ruft einem hinterher „Hello, how are you“, oft gehört das zu den einzigen Dingen, die sie auf Englisch sagen können. Wir wurden auch schon gefragt, ob es uns hier oder in Nordamerika besser gefällt und wie denn das Wetter da gerade ist. Auf unsere Antwort, dass wir noch nie in den Vereinigten Staaten waren, wurde sehr überrascht reagiert: „Aber wo kommt ihr denn dann her?“
Wenn ich dann sage, dass ich aus Deutschland komme, reagiert fast jeder erstmal überrascht: „wooow so weit weg!“ Was ich denn hier mache, ob ich verheiratet bin oder wenigstens einen Freund hier oder in Deutschland habe, sind dann die nächsten Fragen. Viele interessieren sich dann auch wirklich dafür, was ich hier so treibe, wie ich auf Ecuador gekommen bin und und und. Daraus ergeben sich oft relativ lange Gespräche, gerade mit Taxifahrern oder Tienda-Besitzern. Doch es gibt auch oft diejenigen, die Deutschland mit Hitler und dem Nationalsozialisten verbinden. Der Sohn unserer Vermieterin beispielsweise. Mit ihm könnte man wirklich stundenlang diskutieren, ob in Deutschland noch der Nationalsozialismus vorherrscht oder nicht. Wenn man ihm dann zum gefühlten 100sten Mal erklärt, dass sich die Lage in Deutschland in den letzten 50 Jahren verändert hat, antwortet er, dass er aber ganz genau weiß: Alle Menschen in Deutschland sind Nazis und Deutschland ist ja das rassistischste Land der Welt. Wir alle hassen alle Ausländer und hätten am liebsten Hitler als Regierung zurück. Und kein Argument der Welt kann diesen Mann von seiner Meinung über uns Deutsche abbringen.
Glücklicherweise sind nicht alle so extrem und lassen sich auch gerne vom Gegenteil überzeugen. Und es gibt auch Menschen, bei denen ist das gar nicht nötig. Vor zwei Wochen waren Leonie und ich bei einem veganen Festival in Quito und dort war an einer der Stände ein Mann, der uns einen etwa zehnminütigen Vortrag darüber gehalten hat, wie viel Unrecht uns doch mit diesen Ansichten getan wird und dass man das Verhalten eines Diktators nicht so viele Jahre später noch auf sein Volk widerspiegeln kann. Eigentlich seien wir ja die Leidtragenden unter Hitlers Herrschaft gewesen und seien es immer noch.
Zum Glück ist diese ganze Hitler-Geschichte hier aber nicht überwiegend, in Argentinien 2015 habe ich da schon ganz andere Erfahrungen gemacht, und nachdem man den Menschen erstmal klar gemacht hat, dass man aus Europa und nicht den USA kommt und somit kein typischer „Gringo“ ist, interessieren sich die meisten auch für das, was man hier macht und wie man das Land findet und so weiter.
Und eins sage ich immer wieder: Ecuador ist toll! So abwechslungsreich Land und Leute sind, so interessant sind sie und immer wieder gibt es etwas neues zu entdecken. Und Ibarra ist als Stadt zum Leben und Arbeiten super geeignet. Auch, wenn es zwischendurch immer mal wieder Dinge gibt, die einen vielleicht merven, oder bei denen man zumindest ein Stirnrunzeln nicht unterdrücken kann: Me gusta mucho!
Meine persönliche Songempfehlung während des Lesens meines Berichts:
La Bicileta von Carlos Vives und Shakira
Ecuador. Für mich momentan das Land der Musik, des Tanzes, der Lebensfreude.
Jeden morgen steige ich in den selben Bus ein.
Die Gesichter der Ticketverkäufer scheinen mir alle schon bekannt zu sein. Meine Mitfreiwilligen scheinen die Hektik, die uns umgibt mit Kopfhörern in den Ohren völlig auszublenden, mir zaubert sie ein Lächeln aufs Gesicht.
Die unbekannten Töne, die aus den riesigen Lautsprechern dröhnen, erreichen meine Ohren, wie die bunten Farben der Obsttiendas meine Augen erreichen. Mein Blick schweift, vorbei an den unzähligen Läden, der Fliesenleger steht wie immer vor seinem Laden und wartet auf die erste Kundschaft.
Die Arbeiter tummeln sich um den Kaffeestand an der nächsten Ecke, um den Empanadastand an der übernächsten Ecke hat sich schon eine Traube schwarzhaariger Menschen gebildet. Auch unzählige Streuner wurden von dem Essensduft angezogen.
Ein großer Mix aus Hektik, die mit Kaffee heruntergespült und schnell vergessen wird, wenn der Nachbar oder Arbeitskollege gerade zur selben Zeit seinen frühmorgendlichen Cafecito trinkt.
Die Großstadt erwacht farbenfroh, auf schläfrigen Füßen die gezwungen sind zum Bus zu rennen.
In diesem winzigkleinen Moment vergesse ich Raum und Zeit. Alle und alles um mich herum scheinen zu tanzen und sich im fröhlichen Takt der Musik zu bewegen.
Alles wirkt plötzlich sehr harmonisch, als wäre alles genau am richtigen Ort zur richtigen Zeit.
Der alte Mann mit langem schwarzen Pferdeschwanz und Lederhut, der zwei Reihen vor mir seine Zeitung liest; die alte Dame in bunter Kleidung, die noch genüsslich ihr pancito isst; und das junge Mädchen, das ihr kleines Kind im Tuch auf dem Rücken trägt, um in ihren Händen die Mandarinen halten zu können, die sie im Bus verkauft; Der junge Mann in Adidas Trainingsjacke läuft durch die Autoreihen und verkauft Kokosnusswasser, als die Bustüre geöffnet wird und Santi mit seiner Gitarre in den Bus springt und den Soundtrack für meinen Morgen liefert.
Und da ist sie wieder: Realität, Arbeit, Morgenmüdigkeit.
Für einen kurzen Moment, zwischen Bus und Arbeit, erblicke ich den Boden der Tatsachen, der durch ein einziges Lächeln wieder unter meinen Füßen weggezogen wird. Das Lächeln eines kleinen Jungen, der mir hiermit zu erkennen gibt, dass es ihm gut geht, dass er glücklich ist, der sich bedankt. Es folgen tausende Umarmungen, die mir ein Gefühl von zu Hause geben.
Und schon bin ich wieder umgeben von Musik und Tanz. Ein Lied für jede Situation: Zähneputzen, Mittagessen, Händewaschen, Spazierengehen, Malen, Kleben, Entspannen, Energie rauslassen, Ankommen, nach Hause gehen. Der Tag begleitet von Reggaeton, Bachata, Salsa und Merengue.
Wo immer ich hinkomme, begegnet mir Musik.
Wo immer ich hinkomme, da finde ich Lebensfreude und eine Gelassenheit, von der ich schon immer zu wissen schien, dass sie mir in meinem Leben noch gefehlt hat.
Die Menschen, die mich umgeben haben Träume, manche von ihnen scheinen ihre bereits zu leben. Ich befinde mich mitten unter ihnen und weiß nicht, was mein nächster Traum bringen soll. Ich bin glücklich in diesem einen Moment, doch die Ungewissheit verweilt in meinem Hinterkopf, wie ein kleiner Chihuahua der hin und wieder bellt und mich daran erinnert, dass mein Leben nicht für immer aus diesen perfekten Momenten besteht. Ich weiß, wenn mein nächster Traum sich an einem anderen Ort abspielen soll, muss dieser lang ersehnte Traum, den ich gerade lebe, irgendwann zu Ende gehen.
Die Zukunft wartet auf mich, doch meine Unbeschwertheit, von einem Tag zum nächsten zu leben, hält mich davon ab mir diese Zukunft auszumalen.
Ich spüre die Veränderung in mir selbst, lasse mich treiben, formen, von den Menschen die mich umgeben. Mir wird jeden Tag ein Spiegel vor das Gesicht gehalten und von mir erwartet, dass ich weiß, was ich darin sehe, doch das Spiegelbild scheint vor meinen Augen zu verschwimmen. Die Leute fragen mich all diese Sachen, doch die Antwort darauf fällt mir schwer, denn sie ändert sich von Tag zu Tag, von einer Sekunde zur nächsten.
Ich entscheide mich zu antworten, wie ich noch vor drei Monaten geantwortet hätte, auch wenn ich weiß, dass was ich sage wahrscheinlich schon bald nicht mehr der Wirklichkeit entspricht.
Ich werde inspiriert, mir werden neue Ideen in den Kopf gesetzt, neue Ansichten, neue Werte. Das alles hinterlässt Spuren, hilft mir herauszufinden wer ich bin und wer ich sein will.
Der Mix aus bunten Farben, die ich auf meiner Farbpalette erst noch mischen muss, die neuen Töne, die in meinen Ohren schon nach kurzer Zeit klingen wie ein klitzekleines Stück Heimat, die Menschen, die zu Familie werden und meine Gedanken:
Alles vermischt sich zu einem großen Gefühl des Glücks und der Dankbarkeit.
Quito, 25. November 2017
Du steigst in dieses Flugzeug. Und in den Moment wo dieses den Boden mit seinen 3 Rädern verlässt überwiegt die Neugierde vor Neuem, deine Sorge vor dem Unbekannten. So war es zumindest bei mir. Und dieser Prozess wiederholt/-e sich stets aufs neue, sobald eine neue, mit fremden Gegebenheiten verbundene Situation in Aussicht stand. Beispielsweise der erste Besuch bei der Arbeitsstelle, der “Fundacion”, entdecken fremder Orte im Lande, oder neue alltägliche Aufgaben die dir nun ein gesamtes Jahr bevorstehen zu bewältigen. Wie als die erste überfällige Rechnung uns bevor stand. Panik! Doch all dies ist und war stets in der Gruppe und mit Hilfe in das Wissen Eingeweihter möglich.
Eines meiner persönlich größten Aufgaben, die es für mich zu bewältigen gab und nach wie vor gibt, war die srachliche Barriere. Nachdem ich jetzt mittlerweile 3 Monaten in diesem Land, das nicht facettenreicher sein könnte verbracht habe, hat sich für mich einiges geändert. Ich kam hier mit einen Basiswissen der Landessprache Spanisch in diese Nation, welches sich mittlerweile rasend schnell zum Positiven entwickelt halt. Der Lernprozess ist ein anderer als man ihn bis jetzt aus der Schule gewohnt ist. Kontinuierlicher. Wo man hingeht erfordert es dauernd den Gebrauch deines Wortschatzes. Unabhängig wie groß er bis zum derzeitigen Zeitpunkt sein mag. Du möchtest Feilschen auf dem Textil- und Warenmarkt in Otavallo , schon lernst du Zahlen und Handelsbegriffe. Du benötigst die wichtigsten Haushaltsgegenstände, auf der Suche erfährst du die spanischen Namen der Möbelstücke und alltäglichen Utensilien. Du hast Hunger und begibst dich auf den Weg zu einer Tienda (Kleinmarkt), schon erlernst du eine Vielfalt an Frucht-, Gemüse- und allgemeine Lebensmittelnamen. Es ist also ein stetiger Prozess des Lernens und nicht nur, wenn du es bewusst anstrebst. Nicht wie mit einem Lernheft am Tisch. Ebenso ist es aber nicht nur ein kontinuierlicher Prozess des Erlernens und Neuerfahrens der Sprache, nötigen alltäglichen Gegebenheiten und Situation. Darüber hinaus nämlich auch ein Umlernen deiner eingefahren Gewohnheiten die du in Deutschland zu pflegen tatest. Es muss nicht einmal eine bestimmte immer wieder erneut auftretende Situation sein, wie das du jeden Sonntag zum Tanzen gingst. Sondern ganz alltägliche Dinge wie, dass du normalerweise für dein Frühstück in Deutschland am liebsten schnell einen Saft aus der Flasche getrunken hast. Und am besten gleich den Rest der Lebensmittel im gleichen Discounter gekauft hast. Dies ist hier nicht möglich. Säfte pressen die Leute hier selber und wenn, erhält man sie für einen unerschwinglichen Preis im Supermarkt, meist versetzt mit Sachen die man nicht bei einem Kauf des besagten Produktes anstrebt. Und das System eines Discounters existiert nicht in der Form in Ecuador. Man findet heraus, nicht verarbeitete Lebensmittel(Obst/Gemüse) in Tiendas oder auf Märkten kaufen. Anderes im Supermarkt. So ergeht es einem mit vielen alltäglichen Konstellationen.
Genau aber diese stetige Umstellung deiner sonst so vertrauten tagtäglichen Lebenskonstruktes lässt dich empfänglich für die Wunder des Alltages werden. Du schaust zweimal auf für dich nicht als normal empfundenen Sachen . Warum verkaufen diese Menschen am Straßenrand Mandarinen? Warum Verhalten diese Menschen sich dem entsprechend oder hegen diese Meinung? Wie fühlt sich nur das Kind, mit der Art wie ich es füttere? Die meisten Situationen erscheinen im Regelfall komplett neu, und so schaut man nicht nur zweimal hin, sondern denkt ebenfalls doppelt nach. Man hinterfragt sie, zieht Differenzen und Schlüsse .
In der nicht allzu langen Zeit lernt man dadurch sein Vorteile zuhause(Deutschland) und mit sich selbst als Person(Stichwort: Klassengesellschaft o. körperliche Einschränkungen) kennen, bestimmte Gegebenheiten in späterer Zeit nicht mehr so auszuüben und Pläne zur Verbesserung Persönlichen und damit im Endeffekt für die Gemeinschaft zu machen.
Die „Fundacion Esperanza“ in der wir als Quito-Gruppe zu viert arbeiten, erhält nicht nur Unterstützung unsererseits. Sondern auch von anderen Akademischen Einrichtungen(Universitäten), unterschiedlichen Organisation und Freiwilligen. Vor ein paar Wochen kam immer wieder Unterstützung von Seite eines Studenten, der im Moment dabei war Ergotherapie zu studieren. Er las ein Buch. Die übersetzte Betitelung des besagten Buches kam folgenden nahe: Mobilitäts- und Therapiemöglichkeiten mit geringen Finanzstatus. Es enthielt Bilder improvisierter Hilfsmittel für eine Bandbreite an zu therapierenden Einschränkungen. Es ist anscheinend keine Pflichtlektüre ,sie wurde ihm aber dringenst empfohlen. Weil in diesem Land in vielen Einrichtungen schlicht und ergreifend die Ressourcen fehlen, um die Kinder nach westlicher Vorstellung zu therapieren. Und so versucht man sich mehr mit in den Prozess einzubinden der hier von statten geht. Rücken Profilaxen sind stets in Medizinischen Einrichtungen für Mitarbeiter erwünscht . Ebenso ist es natürlich für viele Kinder schwierig Bewegungen nicht nur aus psychischen Aspekten auszuführen sondern ebenso darüber hinaus aus physischer Sichtweise. Ich weiß nun durch die noch präsentere Klarheit darüber das man ein entscheidener Faktor sein kann, dass man, wenn man etwas Produktives in ein Prozess einbauen kann, es machen sollte. Nun mache man Yoga mit ein paar hier Arbeitenden und einem Mädchen das für das gehen therapiert werden muss.
In dieser hier schon so kurzen Zeit hat man so viel zu machen und entdecken dass man gar nicht dazu kommt sich richtig einzuleben. Dies passiert mit dem Erleben dieses Landes. Und Ecuador ist ein vielfältiges Land . Es bietet für jeden in einem Aspekt, Moment oder Sache ein großes Stück Heimat. Dennoch bleibt all dies was man hier erfahren mag, anders als all deine Vorstellung und Interessanter als das es gesund sein könnte, für deine Kontakte in deinem Handy und Umfeld. Es ist eine „Entwicklungshilfe“ (so fern man das so nennen kann) auf beiden Seiten.
Grüße aus Quito, Ecuador, Sören S.
Ein Morgen wie so viele andere hier. Es ist irgendwas zwischen 6:30 und 7:00 Uhr. Endlich sieht man, wie sich am Ende der langen Straße „Eugenio Espejo“ einer der blauen Busse mit der Aufschrift „Pilanqui – 10 de Agosto – 19 de Enero“ nähert. Die 2 bis 6 Kinder, die mich umgeben beginnen ganz aufgeregt zu hüpfen, mich am Ärmel zu ziehen und „El bus, el bus!“ zu schreien. Sobald dieses schon sehnlichst erwartete Verkehrsmittel nur noch 30 Meter von uns entfernt ist, beginnen wir alle einen unserer Arm seitlich auszustrecken, um dem Busfahrer (wahrscheinlich in diesem Fall nicht unbedingt notwendigerweise nochmals) zu verdeutlichen, dass er doch bitte bei uns halten und uns mitnehmen soll. Ist das geglückt, möchte Josefina wie jeden Morgen, dass ich ihr das Geld für den Bus gebe, das ich zuvor im Haus von der Educadora bekommen habe, sodass sie für uns beide bezahlen kann. Ihr kleiner Bruder José darf mit seinen 5 Jahren noch umsonst fahren. Ich gebe ihr das Geld und sie gibt es dem Busfahrer in die Hand. 45ct. 30ct für mich („una adulta“) und 15ct für sie („y una niña“). Wohin wir fahren ist dabei egal. Diese Preise gelten in ganz Ibarra und für alle Strecken innerhalb der Stadt.
Nun kann unsere Fahrt beginnen. Ich setze mich auf einen der noch freien Hartplastiksitze und entweder sitzt ein Kind auf meinem Schoß, neben, hinter oder vor mir. Bevorzugter Sitzplatz der Kinder ist aber definitiv die kleine Matratze, die mittig im Bus direkt hinter dem Busfahrer am Eingang auf dem Boden bzw. auf einer kleinen Erhöhung angebracht ist. Mehrere glücklich glucksende Kinder, die sich sitzend, kniend oder liegend auf dieser Matratze befinden - das ist definitiv einer meiner liebsten Anblicke während meiner Arbeit hier. Auch wenn man sie immer wieder dazu anhalten muss sich dabei auch ja festzuhalten und bitte nicht aufzustehen. Kommen wir dann unserem Ziel, der Grundschule, näher, beginnt ein kleiner Kampf um den roten Knopf mit der Aufschrift „Stop“, denn natürlich will jedes der Kinder seinen Finger ganz unten haben, um auch ja die Ehre haben zu können, diesen zu drücken. Immer wieder mache ich die Kinder darauf aufmerksam, dass sie doch bitte noch nicht drücken sollen, sondern wirklich erst, wenn ich es ihnen sage, weil wir dann an der richtigen Straßenkreuzung sind - bloß nicht eine oder zwei Querstraßen zu früh. Nicht, dass es mich stören würde, einen kleinen Block weiter zu Fuß zu laufen, aber das ist hier nun mal einfach nicht notwendig. Denn oft hält der Bus alle 50 Meter. Einfach immer dann, wenn wieder jemand den Knopf gedrückt hat. Haltestellen gibt es nun mal nicht. Und das wissen auch die Kinder. Also kann man praktisch nicht eine Straße „zu früh“ aussteigen – auch, wenn der rote Knopf, aufgrund des Kampfes um ihn, ausversehen schon gedrückt worden ist – man muss auf jeden Fall bis zur richtigen Straße weiterfahren (, laut den Kindern).
Wie auch immer, was ich mit dieser kleinen Geschichte nun eigentlich sage möchte, sind verschiedene Dinge. Zum einen, dass ich entgegen aller Erwartungen dieses Bussystem hier wirklich gerne mag! Man muss natürlich erst einmal wissen, wo welcher Bus fährt, aber wenn man das nach den ersten drei Monaten hier dann endlich ansatzweise raushat, ist es einfach ein super entspanntes Gefühl, sich an die passende Straße zu stellen und einfach zu warten, bis der richtige Bus vorbei kommt, weil man weiß, dass das in spätestens 10 Minuten der Fall sein wird. Natürlich sollte man das nicht vor einem super pünktlichen Termin machen, aber die gibt es hier ja sowieso eher selten und die Leute haben volles Verständnis dafür, wenn gerade einfach kein Bus kam oder man die Aufschrift doch nicht ganz richtig gelesen hat und man erstmal in die andere Richtung der Stadt gefahren ist. Aber auch das ist eine Sache, die mir hier in Ibarra gefällt: Selbst wenn man nur die ungefähre Richtung des Busses weiß, steigt man einfach ein und schaut dann entweder aus dem Fenster oder in GoogleMaps, ob man langsam in der Nähe seines Zielortes ist und steigt an der nächsten Straßenecke aus. Einfach den roten Knopf drücken.
Das ist natürlich durchaus eine Sache, die zwar praktisch ist, aber auch einfach schlecht für die Umwelt. Die Busse hier sind sowieso ziemliche Drecksschleudern (mit dem Rad direkt hinter einem losfahrenden Bus zu sein löst durchaus oft einen starken Reizhustenanfall aus) und wenn dann alle 100 Meter angehalten und von neuem losgefahren wird, ist das definitiv weniger ökologisch, als in Deutschland alle 1500m. Und dazu kommen noch die vielen Ampeln, die sich vor allem in der Innenstadt aneinander reihen und an denen dann der Motor auch gut und gerne mal 80 Sekunden im Stehen läuft, um danach mit Vollgas und schwarzer Rauchwolke losbrummen zu können.
Vielleicht ist dieses Nutzen der Busse mit dem andauernden Ein- und Aussteigen und dem damit einhergehenden Stop-and-Go ein klassisches Beispiel für ein verbreitetes Denken hier in Ecuador – natürlich nicht das aller und man sollte solches nie verallgemeinern, aber so habe ich es bis jetzt subjektiv viel erlebt – „Es ist bequem und praktisch und ich habe die Möglichkeit dazu. Ob es der Umwelt schadet? Ich weiß es nicht oder ich mache mir zumindest gerade keine Gedanken darum.“
Dass das nachhaltige Denken, was wir in Europa ja immer mehr versuchen voranzutreiben und danach zu leben, hier in einem sogenannten „Entwicklungs-“, „Schwellen-“ oder „Dritte-Welt-Land“ noch nicht so sehr verbreitet ist, hat sich für mich in meinen ersten drei Monaten hier leider bestätigt. Ein klassisches Vorurteil.
Sie gibt es also, die Vorurteile und in Teilen sind sie wohl auch wahr. Pünktlichkeit ist hier zwar nichts Unbekanntes, aber es gibt einen gewissen Freiraum. Wozu feste Pläne? Nachhaltigkeit steht hier erstmal nicht an erster Stelle. Öffentliche Verkehrsmittel erfüllen nicht „unsere“ Standards. Etc. …
Aber ganz so einfach ist es dann auch wieder nicht. Denn ein paar Vorurteile möchte ich noch kurz aus dem Weg räumen. Deutsche lieben die Pünktlichkeit – wir haben uns schnell an die „ecuadorianische Zeit“ gewöhnt und wie gesagt, ich finde das Bussystem in seinen Grundzügen wirklich sympathisch. Niedriger Standard der öffentlichen Verkehrsmittel hier – also die Fernbusse, die wir regelmäßig zum Reisen nutzen, haben genau so viel Beinfreiheit, weiche Sitze und mindestens einen Fernseher, der den Bus die ganze Zeit laut beschallt, wie die in Europa. Nur, dass man meistens pünktlicher an seinem Ziel ankommt, da es so gut wie nie Stau auf den Autobahnen gibt. Gleich dazu: Schlechte Infrastruktur: Kommt natürlich ein wenig auf den Teil des Landes drauf an, aber bis jetzt habe ich vor allem breite und neue Straßen / Autobahnen gesehen.
Und zu guter Letzt, das Umweltbewusstsein eines sog. „Schwellenlandes“: Die oben genannten Busse sind wohl wirklich ein Negativbeispiel, aber in den Schulen der Kinder wird immer wieder auf die Umwelt, die Natur und das ökologische Bewusstsein aufmerksam gemacht. Die Pflanzen in und vor den Klassenzimmern werden sehr gut gepflegt und große Tafeln mit Sprüchen wie „Pass auf deine Natur auf, sie ist das Leben“ schmücken das ganze Gelände. Man bemerkt immer wieder Züge der ursprünglichen Naturreligionen hier in Südamerika und vor allem hier im beschaulichen Ibarra findet man oft Hinweise, doch bitte die Natur zu achten.
Wenn wir also endlich an der richtigen Straßenkreuzung aus dem Bus ausgestiegen sind, können wir an der gegenüberliegenden Hauswand einen großen Schriftzug mit „No bota la basura!“ lesen. Wirf den Müll nicht einfach weg!
Von dem paradoxen Gefühl, dass die Zeit während meines Auslandaufenthaltes oft an mir vorüberrast und mir später doch unglaublich lang erscheint.
Eine Gedankensammlung
Drei Viertel meiner Zeit hier in Ecuador sind nun schon vergangen. Das heißt 9 Monate voll von neuen Eindrücken, neuen Menschen und verschiedensten Erfahrungen. Ganz aktuell bedeutet das auch, Zeit für einen Bericht. Hier sitze ich also und denke über jene vergangene Zeit nach. Denke an tolle Begegnungen und lehrreiche Auseinandersetzungen - denke an meine vergangenen Berichte. Was hat mich damals beschäftigt? Was heute? Was ist neu? Was gleich geblieben?
Gar nicht so einfach – kommt mir manches doch vor als wäre es erst gestern gewesen, vieles aber auch, als wäre es schon ewig her. Irgendwie komisch, dieses Empfinden von Zeit, geht es mir durch den Kopf. Gerade von so einer intensiven Zeit, wie wir sie hier erleben. Eigentlich kam es mir meistens vor als verginge die Zeit wie im Flug – und doch, wo ich jetzt hier sitze und über diese Zeit schreiben soll, kommt es mir vor als wäre ich schon eine kleine Ewigkeit hier und damit auch – schon ewig weg von Zuhause, von meinen Freunden und meiner Familie. Wie passt das zusammen? Vermisse ich schlicht meine Liebsten? Oder ist es tatsächlich mein Zeitempfinden, das irgendwie komisch oder gestört ist? So oder so ähnlich lauten die Fragen in meinen Kopf, die mich dazu bewegen mich ein wenig mehr mit diesem Phänomen „Zeit“ auseinanderzusetzen … und es stellt sich raus:
Denn es empfinden nicht nur Viele auf eine ähnliche Art und Weise, wie ich es tue. Es ist sogar wissenschaftlich bewiesen, dass sich das "erlebende Selbst" und das "erinnernde Selbst" stark voneinander unterscheiden und unser individuelles Empfinden sich oft geradezu paradox verhält.
Passiert in einem Zeitabschnitt beispielsweise ganz viel, haben wir in dem Moment das Gefühl, die Zeit rast nur so an uns vorbei. Wir sind beschäftigt und schauen nicht alle fünf Minuten auf die Uhr. Später hingegen schätzen wir genau diesen Zeitabschnitt als enorm lang ein. Ganz nach dem Motto: „Wenn so viel passiert ist, muss die Zeit wohl relativ lang gewesen sein.“
Umgekehrt funktioniert das genauso. Wartet man auf den Bus und wagt immer wieder einen Blick auf die Uhr, vergeht die Zeit gefühlt so schleppend wie sonst nur selten - sie kommt uns unglaublich lang vor. Im Rückblick wiederum ist in diesem Zeitabschnitt nicht viel passiert. Unsere Erinnerung vermittelt uns also das Gefühl, die Zeit sei kurz gewesen.
So zeigte beispielsweise der britische Psychologe John Wearden einer Gruppe von Personen neun Minuten lang spannende Filmausschnitte, während eine zweite Versuchsgruppe sich langweilte. Erwartungsgemäß vergingen die neun Minuten für die Filmgucker subjektiv schneller als für die gelangweilt Wartenden. Nach einigen Tagen noch einmal nachgefragt, hatte sich das Empfinden, wie zuvor beschrieben, jedoch ins Gegenteil verkehrt. Die Filmgucker glaubten, eine sehr lange Zeitspanne mit Zuschauen verbracht zu haben, während die Gelangweilten ihre Wartezeit drastisch kürzer einschätzten, als sie wirklich war.
Es ist offenbar also kein Wunder, dass mir die Zeit, während ständig neue Eindrücke auf mich einprasselten, rasant und schnell vorkam, ich heute hingegen, wo ich zurückblicke, das Gefühl habe, schon ewig hier in Ecuador zu sein. Denn ein Jahr in einer neuen Kultur umringt von neuen Menschen birgt natürlich immens viele dieser für unsere Erinnerung entscheidenden „ersten Male“. Das erklärt auch, warum vielen Menschen die Jahre als Kind und Jugendlicher unglaublich lang vorkommen, die Zeit mit zunehmender Lebensdauer für sie hingegen immer schneller laufen zu scheint.
„Auf das Lebensalter bezogen, bedeutet das, dass in der Kindheit und Jugend permanent neue Ereignisse passieren und der Mensch laufend neue Eindrücke verarbeiten muss. Die jeweiligen Zeiträume werden im Nachhinein als lang empfunden. Im Alter passiert wenig Neues. Rückblickend erscheint daher die Zeit verkürzt.“ (Hede Helfrich-Hölter, Leiterin des Instituts für Psychologie der Universität Hildesheim)
Klar: der erste Kuss, die erste Party, die erste eigene Wohnung und eben auch die ersten großen Reisen in fremde Länder. Alle Ereignisse, die man meist in jungen Jahren erlebt und die in unserer Erinnerung in der Regel sehr präsent sind. Zwanzig Jahre jeden Morgen in dasselbe Büro und jeden Abend vor den Fernseher im selben Wohnzimmer hingegen, da kann die Zeit schon mal an einem vorbeifliegen. Hinzu kommt noch: Je älter Menschen werden, desto weniger offen sind sie tendenziell für Neues, wie aus der Entwicklungspsychologie bekannt ist.
Da haben wir es also mal wieder: Alt werden ist wohl einfach langweilig. Oder was kann ich aus diesen Erkenntnissen über das subjektive Zeitempfinden für mich mitnehmen?
Einfach nicht zurückkehren? Und sich immer wieder in neue Kulturen und Projekte stürzen? Klingt verlockend. Wäre da nicht Punkt 1. Denn so sehr ich meine Zeit hier schätze, muss ich mir eingestehen, dass ich mich mittlerweile wirklich schon wieder sehr auf meine lieben Menschen in Deutschland freue.
Trotzdem – für mich lässt diese Auseinandersetzung mit meiner Zeit hier und dem Phänomen „Zeit“ im Generellen nur positive Rückschlüsse zu.
Bezogen auf meine verbleibende Zeit in Ecuador – noch mal alles an Eindrücken, Menschen und Erfahrungen mitnehmen. Denn so vergeht nicht nur die restliche Zeit wie im Flug und ich kann gefühlt schon morgen meine Freunde wieder in die Arme schließen. Obendrauf kommt mir die Zeit dadurch im Nachhinein nur noch länger und wertvoller vor als ohnehin schon.
Und auf das ganze Leben bezogen. Jeder ist in der Lage die gefühlte Zeit bei Bedarf etwas abbremsen zu können, wenn er wieder mehr erste Male erlebt. Also die Welt einfach mal wieder durch die Augen eines Kindes zu sehen versucht. Und da schließt sich der Kreis zu meinen Erfahrungen während meiner bisherigen 9 Monate hier wohl endgültig. Denn über eine Sache war ich mir nach 3 Monaten bereits genau so klar, wie ich es mir noch heute bin: Meine größten Lehrmeister während meiner Zeit hier waren und sind, die Kinder.
Zu Beginn möchte gesagt sein, dass dieser Bericht rein auf subjektiven Erfahrungen und Interpretationen dieser beruht und keinesfalls als objektive Quelle angesehen werden darf.
Fundación Cristo de la Calle. Ein ganz normaler Mittwoch. Während ich mit den Erzieherinnen das Mittagessen zu planen und kochen beginne, fällt beim Blick in den Kühlschrank direkt auf dass dieser kaum leerer sein könnte.
Das zu kochende Menü, welches uns vom Ministerium der wirtschaftlichen und sozialen Inklusion (MIES)monatlich erarbeitet wird kann somit einen weiteren Tag lang nicht umgesetzt werden.
Es entsteht Rage bei allen Beteiligten, wenn wir merken, dass es nicht eine einzige Zwiebel zum Würzen gibt ebenso wenig wie den heißgeliebten Zucker zum Süßen des Saftes.
Am nächsten Tag haben alle Erzieherinnen eine Teambesprechung mit der Leitung. Als sie zurückkommen frage ich, ob über die Lebensmittelknappheit kommuniziert wurde, aber ich werde leider enttäuscht.
Oft schon ist es vorgekommen, dass es uns an essenziellen Nahrungsmitteln gefehlt hat.
All das liegt nicht daran, dass die finanziellen Möglichkeiten der Fundación nicht ausreichen würden um diese anzuschaffen, Grund ist ein mittelschweres Kommunikations- und Organisationsproblem.
Wenn alle drei Wochen der Berg an Einkäufen den ganzen Küchenboden bedeckt, kommt Erleichterung auf. Doch jedes Mal sobald die Chefin die Tür verlässt, wird wieder bemerkt, dass die Hälfte der ganzen Früchte kaputt geht, wenn sie nicht schnell verzehrt werden. Und genau das passiert.
Statt aber darüber zu kommunizieren und vorzuschlagen, lieber öfter kleinere Einkäufe zu organisieren, wird in sich hineingeschwiegen.
Ich habe mich in letzter Zeit häufig gefragt wie es zu diesen Situationen kommen kann und bin dabei angelangt, dass die Ursache dieser Kommunikationsstörung möglicherweise schon in der Erziehung und der Bildung, also beim Aufwachsen eines Kindes beginnt.
Immer wieder nehme ich wahr, dass das hiesige Erziehungssystem und das Verhältnis zwischen Eltern und Kindern noch viel autoritärer ist als in unseren Breitengraden. Statt den Kindern also Freiheiten zu lassen, die Möglichkeit zu hinterfragen oder sich gar eine eigene Meinung zu bilden, existiert der allwissende Erwachsene, der ganz genau sagt wo es lang geht. Somit wird Kommunikation nicht als Sozialhandlung verstanden, die aus einem Geben und Nehmen besteht, sondern vielmehr als fehlender Respekt gegenüber Übergeordneten und findet somit nicht statt.
Die Schulstunde besteht aus reinem Frontalunterricht, wodurch das Kind lernt, Informationen von höheren Distanzen zu empfangen und lediglich wiederzugeben und/oder auszuführen.
Die Eigenbeteiligung, das selbstständige Denken, das Zweifeln und viele weitere Prozesse falllen dabei vollkommen weg.
Es ist für mich ein Ansatz um verstehen zu können, wie die Erzieherinnen selbst in Problemsituationen schweigen und Probleme verschleiern. Die Chefin ist wie eine übergeordnete Autoritätsperson, deren Befehle es auszuführen gilt ohne ihre Aktionen zu hinterfragen.
Ganz kritisch wird es nun, wenn wir Freiwillige ins Spiel kommen. Auf Grund unserer kulturellen Prägung sind wir gewohnt Probleme direkt anzusprechen und eine Lösung dieser zu finden. Wenn wir also bei unserer Besprechung mit der Leitung 2 Tage später das Problem der Lebensmittelknappheit ansprechen, fragt sich diese, warum die Erzieherinnen kein Wort darüber verloren haben.
Der Soziologe und Kulturtheoretiker Stuart Hall hat zur Veranschaulichung erfolgreicher Kommunikation das sogenannte Sender-Empfaenger- Modell erarbeitet.
Zu Beginn habe der Sender eine Kommunikationsabsicht, diese verfasse er in Worte um schließlich seine Nachricht zu übermitteln. Nun empfange der Empfänger diese Worte, übersetze sie für sich und interpretiere sie schlussendlich.
Des Weiteren erfolge die Kommunikation über zwei Ebenen.
Die Sachebene, welche die gesprochenen Worte beschreibe und somit den Inhalt der Kommunikation darstelle.
Auf der anderen Seite befinde sich die Beziehungsebene, welche aus Gefühlen, Stimmungen und Empfindungen des Gesagten bestünde.
Eine Kommunikationsstörung läge vor, sobald einer der Schritte des Sender- Empfängermodells nicht erfolgt.
In meinem Beispiel zwischen Erzieherinnen und Leitung entsteht die Kommunikationsstörung schon beim Sender. Die Kommunikationsabsicht wird nicht in Worte verfasst und somit nie zum Ausdruck gebracht. Das bedeutet wiederum, das keine Sachebene besteht, der Inhalt demnach nicht vermittelt wird und somit kein Informationsfluss besteht.
Um ein Berufsleben jedoch für alle Parteien erfolgreich gestalten zu können, braucht es einen Informationsfluss zwischen Vorgesetzen und Mitarbeiten um gemeinsame Ziele definieren und erreichen zu können.
Mir zeigt dies, dass Kommunikation sehr tiefgreifend gehen kann und vielmehr als nur die Überbringung von Inhalten, Ausdruck der menschlichen Persönlichkeit ist, die von vielen Seiten geprägt wurde.
Ob also eine produktive Kommunikation stattfinden kann, liegt stark an der eigenen Wahrnehmung des Menschen über sich selbst und über andere. Wo das Vertrauen in einen selbst und in eigene Ansichten fehlt und das Gegenüber als allwissend und fähiger angesehen wird, wird es nie zu richtiger Kommunikation kommen.
Während von Vorne immer alles gut und schön aussieht, wird hinter der Fassade in sich hineingefressen und Unzuzfriedenheit staut sich auf. Und so spitzt sich das Problem auf ganz versteckter Ebene zu. Ständig gibt es Teambesprechungen der Erzieherinnen mit der Leitungm doch produktiv erscheinen sie nicht.
Genau das brachte der irische Dramatiker George Bernard Shaw auf den Punkt.
„ Das größte Problem bei Kommunikation ist die Illusion, dass sie stattfand.“
Ich habe mich als Freiwillige mehrfach gefragt wie ich der Kommunikationsproblematik entgegenwirken kann, habe jedoch bisher nichts Bahnbrechendes erreicht.
Ich fasse in Worte, was ich überbringen möchte um selbst Kommunikation stattfinden zu lassen und bestärke die Erzieherinnen ihre Ansichten zu vertreten. Doch was diese im Endeffekt daraus machen, liegt nicht in meiner Macht.
Ecuador, Ibarra, morgens, 6 Uhr – ich laufe ganz routinemäßig zur Arbeit- alles ist wie immer. Ich überquere Straßen, die mit Fußgängerampeln ausgestattet sind, ich laufe auf einem asphaltierten Bürgersteig, sehe Menschen im Anzug, die gestresst zur Arbeit fahren, andere, die in normaler Kleidung Brot kaufen. Ich sehe Kinder auf ihrem Schulweg und jene, die sich zum Frühsport aufraffen und joggen. Fast wie in Deutschland, könnte man meinen.
Dieses Szenario gehört zu meinem täglichen Ablauf hier in Ecuador und trotzdem habe ich bisher niemandem detailliert darüber berichtet. Sofort berichte ich dennoch, wenn sich eine Familie mit Verkäufen auf dem Markt und den Einnahmen ihrer auf der Straße bettelnden Kinder über Wasser hält.
Mit der Tatsache, dass ich über solche Einzelfälle berichte, gleichzeitig aber Alltägliches und die von mir wahrgenommenen Ähnlichkeiten zu Deutschland gerne verschlucke, lasse ich bei meiner Audienz ein Bild entstehen, dass nicht unbedingt der Wirklichkeit entspricht, denn ich bilde nur einen Bruchteil ab. Da ich aber zurzeit hier lebe und 365 Tage in Ecuador verbringe, wird gerne angenommen, meine Erzählungen seien glaubwürdig und vor allem objektiv.
Wieso mache ich das? Wieso verzerre ich, wenn auch unterbewusst, die Wirklichkeit? – dies begann ich mich zu fragen, als wir bei unserem Weltwärtszwischenseminar ein Workshop zu diesem Thema hatten und ich mich das erste Mal damit auseinandersetzte.
Ein Grund dessen ist sicherlich ein persönlicher Drang, ebenso wie externe Erwartungen, dass ich hier Exotisches und Abenteuerliches erleben müsse, das „echte“ Ecuador erfahren. Gefragt ist der Dschungel, die Indigenen- nicht mein langweiliger Arbeitsweg.
All dies geschieht ganz unterbewusst und entstammt aus unserer gesellschaftlichen Prägung, die eurozentrisch ist. Wir nehmen Europa als Maßstab und grenzen jede abweichende Form klar ab- sehen uns dabei aber als überlegen an. Es sind Rassismus und Kolonialismus, die bis heute in gewisser Form bestehen. Eine Überlegenheit, die im 15. Jahundert über Religion und später über eine biologische Rasseneinteilung definiert wurde, wird heutzutage wirtschaftlich und kulturell legitimiert. Westliche Wissens- und Wirtschaftssysteme dominieren die gesamte Staatenwelt, übertragen werden konnten sie aufgrund wirtschaftlicher Abhängigkeiten.
So lernen wir im Politikunterricht welche Staaten entwickelt und welche unterentwickelt sind – sehen uns selbst dabei aber als Maß der Dinge. Wir denken unsere entwickelte Welt, unsere Systeme seien Bessere, doch frage ich mich mittlerweile oft, ob ich dem zustimme. Wir messen Entwicklung und Reichtum in Wohlstand, wo man doch so vieler Dinge reich sein kann.
Viele der Gemeinden, die ich hier kennenlernen durfte messen ihren Reichtum darin, im Einklang mit der Natur zu leben um dieser, und im Umkehrschluss auch wieder dem Menschen, ein langes Bestehen zu gewähren. Ihr zu geben und in gleichem Maße von ihr zu nehmen. Es ist eine Lebensweise, die ich als sehr bewundernswert und auch als sehr entwickelt erachte.
Ich bin also durch das Aufwachsen in einer westlichen Gesellschaft von dieser geprägt. Das Europäische stellt für mich das Normale, das Entwickelte dar, dritte Welt Länder das Andere, das Unterentwickelte.
Selbst die Sprache ist mir beim Berichten kein objektives Mittel, da auch diese gesellschaftlich geprägt ist. So existieren die Begriffe der Entwicklung, der „Dritte- Welt-Länder“ und ich wende sie in meinem Sprachgebrauch an.
Wie also schaffe ich es objektiv zu berichten? Oder gar meine westliche Brille abzulegen?
Ich stelle immer wieder ganz deutlich fest, dass ich Sachverhalte und Umstände bewerte. Ich vergleiche und empfinde das mir Bekannte als besser. Unser Bildungssystem, die Infrastruktur, unser ökologisches Bewusstsein und so vieles mehr sehe ich persönlich dem Hiesigen als qualitativ überlegen. Nun ist die Frage- tu ich all das, nur auf Grund meiner westlichen Brille? Oder habe ich diese Empfindungen, weil es vielleicht wirklich so ist?
Dieses Dilemma stellt sich mir, sowohl wenn ich mich hier mit Einheimischen austausche, als auch, wenn ich nach Deutschland berichte. Herausgefunden habe ich für mich, dass es immer das Beste ist, zu verdeutlichen, dass jegliche Art von Berichterstattung keinesfalls objektiv und im Gegenteil eine rein subjektive Abbildung eigener Erfahrungen und Gefühle ist.
Um aber zu versuchen, meinen Horizont um neue Ansichten zu erweitern, als immer nur in Betracht zu ziehen was mir meine Gesellschaft gelehrt hat- um die Welt also mit anderen Augen zu sehen- denke ich, dass es nichts Besseres gibt als so einen Auslandsaufenthalt, der einem die Möglichkeit gibt, andere Denk- und Ansichtsweisen kennenzulernen.
1. Bericht
„Erst ab 18 Jahren möglich“
Diesen Satz hatte ich vor anderthalb Jahren so oft gelesen und gehört, dass ich mich langsam gefragt habe, warum es überhaupt möglich ist, mit 17 Jahren sein Abitur zu haben, wenn man danach so gut wie gar nichts anfangen kann.Weder Freiwilliges Soziales Jahr in Deutschland noch Au-pair oder Freiwilligendienst im Ausland schien möglich zu sein, wenn man, so wie ich, zu Beginn der ganzen Programme im Sommer noch nicht volljährig ist.
Nichtsdestotrotz habe ich weiter auf der weltwärts-Seite nach Einsatzstellen gesucht, denn ich wollte unbedingt mein Jahr nach dem Abi in Südamerika verbringen. Die Projektbeschreibung der Ecuador Connection hat mir so gut
gefallen, dass ich sie einfach angeschrieben und gefragt habe, ob ich mich auch bewerben kann, wenn ich beim Zeitpunkt der Ausreise noch minderjährig bin. Zu meiner großen Freude und Überraschung wurde mir gesagt, dass das kein Problem sei und schon eine Lösung gefunden werde. Damit waren sie die erste Organisation, die mich nicht sofort abgewiesen hat und mir entgegen gekommen ist.
Lange Zeit war unklar, ob ich mit den anderen Freiwilligen gleichzeitig anfangen kann zu arbeiten, oder ob ich erst nach meinem 18. Geburtstag Mitte November ausreisen darf. Später dann kam von weltwärts die Rückmeldung,
dass nur Freiwillige ab 18 versendet werden können, sodass mir die Ecuador Connection einen Flug nach meinem Geburtstag buchen wollte. Natürlich musste ich es mir noch ein bisschen komplizierter machen, denn ich fand die
Vorstellung doof, in Deutschland zu sitzen, während sich die anderen Freiwilligen schon ins Abenteuer Ecuador stürzen. Also habe ich mir schon im Oktober einen Aufenthalt in Ecuador in einer Gastfamilie in Cuenca, einer Stadt
in den südlichen Anden, organisiert. Auch wenn ich dadurch den Hinflug selbst bezahlen musste (wegen versicherungstechnischen Gründen von weltwärts aus), war das die absolut richtige Entscheidung, denn so hatte ich einen sehr angenehmen Start in dem fremden Land so weit weg von zuhause und konnte mich schon mal eingewöhnen und vor allem anfangen, Spanisch zu lernen.
Der Spanischunterricht war ein großer Vorteil, denn so konnte ich versuchen, den Vorsprung, den die anderen voraus hatten, ein bisschen einzuholen. Das war für die Grundlagen ziemlich nützlich; wenn ich allerdings an die
Anfangszeit zurück denke, in der ich beim Mittagessen mit meiner Gastfamilie saß und etwas erzählen wollte, aber einfach keinen Satz formulieren konnte, weil mir so viel Vokabeln und grammatikalisches Wissen gefehlt haben, muss ich sagen, dass ich in der Zeit hier in Ibarra, im Grunde ganz ohne Lehrer und nur im Alltag, auf der Arbeit oder durch Freunde, schon einiges dazu gelernt habe.
Dadurch, dass ich nicht gleich von Anfang an auf mich allein gestellt war und von meinen Gasteltern wie die eigene Tochter behandelt wurde, hatte ich wenig Probleme mit Heimweh oder einem Kulturschock, trotzdem konnte ich es
am Ende kaum erwarten, nach Ibarra zu ziehen, damit anzufangen, weshalb ich überhaupt hier bin und endlich meinen Weg in die Unabhängigkeit zu beginnen.
Gleichzeitig war ich aber auch ziemlich angespannt und unsicher, denn obwohl es natürlich total aufregend und spannend ist, seinen Freiwilligendienst mit den anderen Freiwilligen anzufangen, ist es immer noch etwas anderes ganz allein die Neue zu sein-zumindest kam es mir damals so vor. Außerdem war ich sicher, dass mein Verhältnis zu den Kindern ganz anders werden würde, weil sie sich ja schon an die anderen Freiwilligen gewöhnt haben würden und sich mir bestimmt nicht auf gleiche Art und Weise öffnen würden. Dann wäre es bestimmt total komisch, in meine Freiwilligen-WG dazu zu ziehen, die zusammen die schwierige Anfangszeit durchgestanden und schon ganz viel erlebt hatten. Als letztes wurde mir klar, dass meine Mitfreiwilligen schon viel besser Spanisch sprechen können und ich neben ihnen total blöd dastehen würde. Ich würde mich wahrscheinlich wie ein Anhängsel fühlen, während die anderen ihren schon fest verankerten Alltag leben würden.
Wie sich herausgestellt hat, waren meine Sorgen ziemlich unbegründet. Jetzt lebe und arbeite ich schon seit drei Monaten hier und fühle mich rundum wohl der ganze Aufwand, den es gekostet hat, damit ich hier sein kann, hat sich auf jeden Fall gelohnt und ich kann es jedem nur ans Herz legen, es zu versuchen, auch wenn man erst später volljährig wird. Obwohl die Arbeit mit den Kindern sehr anstrengend sein kann, ist sie auch irgendwie erfüllend, denn die Kinder haben mich genauso wie die anderen akzeptiert und freuen sich jeden Tag, mich zu sehen, so wie ich mich freue, sie zu sehen. Auch in meiner WG habe ich mich super eingewöhnt und habe kein bisschen das Gefühl, ausgeschlossen zu sein und dafür bin ich meinen Mitbewohnern sehr dankbar.
Es hat auch einen großen Vorteil, später anzukommen, denn so waren alle organisatorischen Angelegenheiten schon geklärt, zum Beispiel wie das mit Miete, Strom, Gas, Wasser, Internet usw. funktioniert, und meine Mitfreiwilligen hatten sich schon einen Freundeskreis aufgebaut, in dem ich mich zum Glück sehr wohl fühle. Außerdem kannten sie sich einfach schon besser mit Land und Leuten aus und konnten mir viel helfen, was sich vor allem auf Reisen bemerkbar gemacht hat. Obwohl es mir total gefällt, so viel wie möglich vom Land zu sehen und die Möglichkeit zu haben, sich einfach am Wochenende in einen Bus zu setzten und ans Meer zu fahren, freue ich mich auch jedes mal darauf, nach einer Reise zurück in unsere Wohnung in Ibarra zu kehren; nach Hause zu kommen.
“Wenn die Entscheidung getroffen ist, sind die Sorgen vorbei.” (Marcus Tullius Cicero). Ende 2015 habe ich mich für diesen Auslandsaufenthalt beworben. Anfang 2016 wurde ich angenommen - von da an ging eine aufregende Zeit los, denn die Entscheidung, für ein ganzes Jahr nach Ecuador zu gehen, wurde gefällt. Doch damit gingen auch einige Sorgen los. Ist es wirklich das Richtige für mich? Wird es mir gefallen? Habe ich mir das wirklich gut überlegt, so lange von der gewohnten Umgebung weg zu sein?
Einst waren das unbeantwortete Fragen, doch diese Sorgen sind nun wirklich vorbei, denn ich weiß: Es ist das Richtige für mich, es gefällt mir und ja, ich habe es mir gut überlegt.
Es ist wirklich kaum zu glauben, wie schnell die Zeit vergeht. Am Anfang habe ich mir gesagt: ”Wenn ich den ersten Bericht geschrieben habe, bin ich schon 3 Monate hier.” Und jetzt ist es soweit. Seit 3 Monaten lebe ich hier in Ibarra und arbeite in einem der “Casas familias” im Park “Yuyucocha”.
Der Abschied von meiner Familie, von meinen Freunden - ich habe es noch genau in meinem Kopf, und doch kommt mir das alles so weit weg vor. Ich weiß noch, wie ich am Anfang nichts weiter als “Hola” und “Como estas?” sagen konnte. Noch sehr präsent ist es mir, als ich das erste Mal in den Park gegangen bin und die Kinder und Educadoras aus meinem Haus kennengelernt habe. Generell gab es hier viele “erste Male” - das erste Mal so weit und so lange von zu Hause und dem gewohnten Umfeld weg zu sein, das erste Mal in Südamerika, das erste Mal auf sich alleine gestellt sein.
Die ersten Tage und Wochen hier in Ecuador waren sehr aufregend, denn ich musste mich erst einmal damit abfinden, wirklich ein ganzes Jahr hier zu verbringen. Man wird beim Vorbereitungsseminar auf den Aufenthalt vorbereitet - aber es kann keiner einen darauf vorbereiten, wie man sich in den ersten Tagen fühlt. Klar war einem vorher bewusst, dass man für eine recht lange Zeit hier sein wird. Am Anfang hatte ich immer so ein Kribbeln im Bauch, weil ich nicht wusste, was mich erwartet und wie ich mich an das Leben hier gewöhnen werde. Es war einfach alles ungewohnt und neu und man fühlte sich irgendwie fremd so ganz ohne Sprachkenntisse.
Wie ich jetzt hier sitze und überlege, wie ich meine Gedanken am besten verpacke und wie ich mich ganz am Anfang gefühlt habe, so kommt mir auch das sehr weit weg vor. Denn nach 3 Monaten hier leben und arbeiten versteht man die Abläufe. Ich weiß auch noch genau, wie fremd mir die Kinder am Anfang waren. In meinem Haus leben jetzt 7, bis vor Kurzem noch 8 Kinder zwischen 4 und 9 Jahren, sowie zwei Jugendliche im Alter von 16 und 19 Jahren. Anfangs war ich froh, wenn ich mir alle Namen merken und jedem richtig zuordnen konnte. Die Kleinen leben in den Häusern, weil sich ihre Eltern aus verschiedenen Gründen nicht um sie kümmern können. Dabei kommen auf die 7 Kinder eine Educadora, die sich neben ihnen auch noch um den Haushalt und das Kochen kümmern muss - und vor dieser Arbeit habe ich sehr großen Respekt, weil sie alles andere als einfach ist. Doch es brauchte seine Zeit, um sich den Kindern und Educadoras anzunähern und sie besser kennenzulernen.
Mein größtes Problem war die Sprache. Wenn man in ein Land geht, dessen Sprache man nicht kann, dann fühlt man sich nicht wirklich als Teil des Landes, sondern mehr als Außenstehender. Aber mit der Zeit wird es immer leichter und leichter die Sprache zu verstehen und auch zu sprechen. Je mehr das Gefühl für die Sprache kam, desto mehr und desto besser konnte man auch mit den Kindern umgehen. Als ich anfangs die Kinder noch zu Fuß zur Schule gebracht habe, wollte ich ihnen so viel erzählen und Dinge erklären, jedoch ging es aufgrund der Sprachbarriere einfach nicht. Nach 3 Monaten ist mein Spanisch nicht perfekt und ich habe noch viele Lücken. Aber ich kann mit den Educadoras und den Kindern kommunizieren und ich traue mich auch mehr zu sagen und mehr zu machen. Es schwirren einem so viele Projektideen im Kopf herum, die es nun gilt umzusetzen. Ich muss auch sagen, dass ich mich in den 3 Monaten persönlich weiterentwickelt habe. Denn wenn man die ersten Tage durchsteht und nicht gleich aufgibt, wenn es mal schwierig wird, dann fängt man an, das wunderschöne Land mit seinen Menschen und all seinen Möglichkeiten wahrzunehmen. Leider haben sich das nicht alle Freiwilligen zu Herzen genommen, aber das muss jeder für sich wissen.
Klar gibt es auch hier Tage, an denen man demotiviert ist und sich am Liebsten verkriechen möchte. Man vermisst das zu Hause, die Familie, die Freunde und möchte einfach nur mal kurz zurück in die vertraute Heimat. Doch wenn ich dann wirklich darüber nachdenke, wie es wäre, jetzt nach Hause zu fliegen - das würde sich seltsam anfühlen. Ich habe mich damit abgefunden und darauf eingestellt, ein Jahr hier zu sein, also ziehe ich das auch durch, egal was kommt. Denn nach den 3 Monaten kann ich sagen, dass Ibarra und unsere gemütliche Wohnung zu einem zu Hause geworden ist. Das ich so denke liegt daran, dass es mir hier sehr gut gefällt.
Die Arbeit ist abwechslungsreich, wenn auch manchmal anstrengend, aber sie macht Spaß. Es macht Spaß, am Wochenende herumzureisen und das Land zu erkunden. Leute kennenzulernen und zu merken, dass es immer besser klappt, sich zu unterhalten, fühlt sich einfach nur toll an. Auch die Menschen geben einem das Gefühl, hier willkommen zu sein. All diese Faktoren führen dazu, dass ich mich in Ecuador sehr schnell wohlgefühlt habe und keine Angst habe, auf Leute zuzugehen und Dinge direkt anzusprechen. Was ich ebenfalls hier gelernt habe, ist, einfach in den Tag hinein zu leben. Nicht an morgen zu denken. Einfach mal zu machen ohne 1000 mal darüber nachzudenken. Wenn man 12 Jahre zur Schule gegangen ist, war das unmöglich, weil man dank Hausaufgaben und Prüfungen immer an die nächsten Tage denken musste. Es ist eine ganz besondere Erfahrung, sich zu sagen: “Ich bin nur ein Jahr hier, also nehme ich alles mit, was ich kriegen kann.” Aus solchen Gedanken resultieren dann ganz spontane Kurztrips ans Meer oder an andere spannende Orte. Man geht zum Terminal, kauft sich ein Ticket, fährt einfach los und schaut, was einen erwartet. Irgendwie hat das ein bisschen was von Freiheit.
„Die Grenzen meiner Sprache bedeuten die Grenzen meiner Welt“
Von dem Gefühl der „totalen Dummheit“ und der Neuentdeckung der Liebe zur Sprache - eine Gedankensammlung
„Ich könnte kotzen!“. Vor mir steht Wilson und blickt fragend zu mir hoch. Er hat mir soeben zum dritten Mal in Folge von irgendeinem, für den Nachmittag geplanten Spiel erzählt. Das jedenfalls glaube ich zu verstehen, sicher bin ich nicht. Denn Wilson spricht Spanisch - ich nicht, beziehungsweise nur ein bisschen. Um welches Spiel es sich also handelt, wo genau es stattfindet und was um Himmels Willen die Frage ist, die er mir in diesem Zusammenhang offenbar gestellt hat, bleibt mir aufgrund dessen leider verborgen. Das ist grundsätzlich schon ärgerlich genug. Schlimmer wird es jedoch dadurch, und hier liegt wohl auch die Ursache für meine anfänglich beschriebenen Gedanken, dass Wilson erst 5 Jahre alt ist und seine anfänglich leuchtenden Augen nun ziemlich verständnislos dreinblicken. Das löst natürlich nicht im wörtlichen Sinne einen Brechreiz bei mir aus, lässt mich aber mit einem schwer zu beschreibenden Gefühl von Wut und Hilflosigkeit zurück.
Ein Gefühl, mit dem ich mich in den ersten Wochen hier in Ecuador öfter konfrontiert sah und welches neben der offensichtlichen Enttäuschung darüber, mein Gegenüber nicht verstehen zu können, auch daraus resultiert , dass „ich mich nicht erinnern kann, mich schon mal so dumm gefühlt zu haben!“. So jedenfalls habe ich es formuliert, als ich einem guten Freund über Skype von meiner Arbeit, meinem neuen Leben in Ecuador und dem Voranschreiten bzw., was die subjektive Wahrnehmung betrifft, zähen Vorankriechen meiner Spanisch-Kenntnisse, berichtet habe. Das hört sich nun erst einmal ein wenig ernüchternd an, ist aber - ein Glück - die einzige Erkenntnis, die nicht ausnahmslos positiver Natur war. Ansonsten konnte ich durchgehend froh stimmende und erheiternde Erfahrungen teilen, wie etwa: „Die Arbeit ist zwar anstrengend, aber gleichermaßen erfüllend“ und „Ich habe schon in der Anfangszeit verdammt interessante Menschen kennengelernt“, oder „der ecuadorianische Genpool ist, was die weibliche Oberweite angeht, offenbar sehr ergiebig“.
Doch trotz aller Freude über ein gutes Einleben und schöne Brüste waren es in der Retrospektive betrachtet wohl doch der Kampf mit der Sprache und die damit zusammenhängenden Erfahrungen, welche die ersten Monate meines Freiwilligendienstes am meisten geprägt haben. Im Negativen, weil es manchmal einfach ätzend ist ein Kind mit wahlweise leuchtenden oder verheulten Augen nicht zu verstehen - aber langfristig betrachtet vor allem wohl im Positiven. Denn all dies hat dazu geführt, dass ich mich noch einmal grundlegend mit „Sprache“ und „Spracherwerb“ auseinandergesetzt und so wichtige Erkenntnisse gewonnen habe.
So hätte ich, hätte man mir vor ein paar Wochen die Frage gestellt, was „Sprache“ für mich sei, wohl, ganz Poet und Schreiberling, angefangen von „meiner großen Liebe“ zu schwärmen. Von Literatur und der Kraft von Worten – von den Hesses und Murakamis dieser Welt. An dieser „Liebe“ zur Sprache hat sich nun selbstverständlich in den letzten Wochen wenig geändert und trotzdem würde ich heute wohl anders antworten. Weil die durch Erfahrungen, Gespräche und Lektüre gewonnenen Erkenntnisse mir vor Augen geführt haben, wie viel mehr Sprache doch ist, als „nur“ Literatur oder ein Mittel zur Kommunikation. Und so würde ich heute vielleicht - nicht weniger poetisch, aber wahrscheinlich etwas reflektierter – antworten:
„Die Grenzen meiner Sprache bedeuten die Grenzen meiner Welt“.
Denn dieser Aphorismus des österreichisch-britischen Philosophen Wittgenstein beschreibt für mich gleich mehrere Erkenntnisse über Sprache in ihren verschiedenen Ebenen, die ich in den letzten Wochen gewonnen habe.
Zuerst einmal kurz zu dem nach den zuvor behandelten Erfahrungen naheliegenden Aspekt, mit anderen Menschen kommunizieren zu können. Sprache fungiert hier als Mittel zum Zweck des Austauschs. Man ist in der Lage sein Innerstes, seine Gedanken, nach außen zu tragen, mit anderen zu teilen. Was gleichzeitig bedeutet, dass, sofern man nicht die gleiche Sprache spricht, dieses Werkzeug wegfällt und ein Austausch zwar vielleicht nicht gänzlich unmöglich wird, denn oft kommt man auf einem wenig komplexen Niveau auch mit den in diesem Zusammenhang vielzitierten „Händen und Füßen“ weiter, aber doch in erheblichem Maße eingeschränkt. Ich kann mich meiner Umwelt nicht mitteilen, erfahre die mir durch Sprache gesetzten Grenzen.
Nun könnte man bezogen auf den wittgenstein´schen Aphorismus erwidern, dass die Grenze meiner Fähigkeit mit anderen zu kommunizieren, nicht gleichzusetzen ist mit den Grenzen meiner Welt - und hätte damit wohl recht. Denn ich kann meine Umwelt ja trotzdem wahrnehmen und sie für mich in meinen Gedanken verarbeiten. Doch auch hier - und nun kommen wir in den Bereich über den ich zuvor tatsächlich eher weniger nachgedacht habe und den wohl auch Wittgenstein, als er die Worte schrieb, im Sinn hatte – sind wir natürlich in unserem linguistischen System gefangen. Denn ich bin nur in der Lage, in den mir zur Verfügung stehenden Worten zu denken.
„Die Sprache ist die Infrastruktur im Land des Denkens“
(Prof. Dr. phil. habil. Rainer Kohlmayer)
So dachte man früher, mit der Philosophie könne man die Welt begreifen. Dabei ist es uns Menschen nur möglich ein sprachliches Abbild der Welt zu beschreiben. Besonders deutlich wird das beispielsweise gerade in der Philosophie selbst, wo man nahezu bei jedem Problem/Gedankengang früher oder später (meistens früher) an seine sprachliche Grenzen stößt. Meistens dann, wenn es um die Trennschärfe/Abgrenzung von Worten und ihren Bedeutungen geht. Aber auch im Alltag merkt man immer wieder, beispielsweise bei Gefühlen und Empfindungen, dass die vorhandenen Worte manchmal einfach nicht ausreichen, um genau wiederzugeben, was in einem vorgeht. Gerade deswegen ist es auch eine solche Kunst, Eindrücke, Empfindungen und Handlungen so zu beschreiben, dass das Gegenüber oder der Leser das Gefühl hat sie in irgendeiner Art und Weise mitzuerleben. Nun kann zweifelsohne nicht Jeder Sätze kreieren, wie beispielsweise ein Hermann Hesse. Wollen viele vielleicht auch gar nicht. Trotzdem kann man sich ja fragen, denkt man an sein linguistisches Gefängnis, wie man seine Gefängnismauern erweitern kann.
Ich zum Beispiel habe die meiste Zeit meines Lebens „auf Deutsch gedacht“ und bin mir auch ziemlich sicher, dass ich in meinem weiteren Leben wohl in keiner anderen Sprache an mein deutsches Sprachniveau herankommen werde. Will ich meine durch meine Sprache gesetzten Grenzen des Denkens also erweitern, muss ich wohl mein „Deutsch“ verbessern. Also her mit Hesse und Brockhaus, mit Prosa und Fachworten? Bestimmt ein Weg - aber, und jetzt sind wir bei der für mich interessantesten und wichtigsten Erkenntnis angelangt, definitiv nicht der einzige. Denn auch oder gerade das Erlernen von Fremdsprachen fördert das Beherrschen der eigenen Muttersprache in Wortschatz, Syntax und Grammatik. Denn jede Fremdsprache ermöglicht es, die Muttersprache objektiv – sozusagen von außen – zu betrachten und sich so ihrer Funktionsweisen und ihres Bedeutungspotentials besser bewusst zu werden. So wusste schon Goethe:
„Wer fremde Sprachen nicht kennt, weiß nichts von seiner eigenen.“
Das heißt, das Erlernen einer Fremdsprache ist weit mehr als nur die sprachliche Bewältigung von Alltagssituationen. Davon bekommt man schon bald eine Ahnung, wenn man entdeckt, dass es wahre Synonyme, Eins-zu-eins-Entsprechungen zwischen den Sprachen nur selten gibt. Wer eine neue Sprache lernt, erwirbt demnach gleichzeitig auch neue Denkweisen und – muster, sowie neue Sinnes- und Gefühlseindrücke, beziehungsweise die Fähigkeit diese besser beschreiben zu können.
Ein Beispiel: Eines meiner Lieblingsworte im Englischen ist „awkward“. Zum einen, weil allein der Klang des Wortes schon irgendwie das Gefühl, was es beschreibt, ausdrückt – eben irgendwie seltsam, zum anderen, weil es ein bestimmtes Gefühl oder eine bestimmte Stimmung so viel besser zu beschreiben vermag als alle deutschen Worte, die mir bekannt sind. Zuletzt verwendet habe ich das Wort beispielweise, als ich mit meinem Bruder auf das politische Trauerspiel in den USA zu sprechen kam und im Zuge dessen auf das Treffen zwischen Michelle Obama und Melania Trump. Man stelle sich vor - da muss diese eloquente, intellektuelle Frau und amtierende First-Lady sich tatsächlich mit dieser Portion Plastik und ihrer Nachfolgerin, die sich kurz zuvor auch noch erdreistet hat große Teile einer ihrer Reden zu klauen und im TV als ihre zu verkaufen, in einen Raum setzen und höfliche Konversation machen. Als wir uns also über die Stimmung bei diesem Zwangstreffen amüsierten, war ich froh, dass ich nicht nur in deutschen Worten, wie „komisch“, „seltsam“, „unangenehm“ oder Kombinationen aus eben jenen, denken konnte, sondern ein es schlicht besser auf den Punkt bringendes „fucking awkward“ in meinem Gedanken-Repertoire hatte.
Das heißt also durch das Erlernen der englischen Sprache, haben sich gleichzeitig die Gefängnismauern unserer Gedanken erweitert - wir können Gefühle besser oder überhaupt das erste Mal richtig beschreiben und lernen teilweise sogar völlig neue Denkmuster kennen. Vielleicht nicht allzu oft im Englischen, weil die Sprachen doch relativ ähnlich sind, bei anderen Sprachen aber umso öfter. Das für mich bisher eindrücklichste Beispiel dafür sind die Benennungen oder Einteilungen von Farben.
So beschreibt das Wort „Orange“ im Deutschen beispielsweise gleichzeitig eine Farbe und eine Frucht. In unseren Denkmustern gibt es demnach eine Verknüpfung zwischen diesen beiden, vielleicht eher unterbewusst, aber sie ist da. Ähnlich ist das im Englischen („orange“) und im Spanischen, wie es in Spanien gesprochen wird („naranja“). Im ecuadorianischen Spanisch hingegen ist das Wort für dieselbe Farbe „tomate“ (auf Deutsch: Tomate). Unterbewusst ist die Farbe also bei den Menschen hier mit einem völlig anderen Nahrungsmittel verbunden. Für mich komisch, denn aus meiner subjektiven Wahrnehmung heraus ist nicht nur die Farbe der Frucht und die beschriebene Farbe unterschiedlich – auch ist die beschriebene Farbe von meinen damit verbundenen Charakter- und Gefühlseindrücken so gar nicht „tomatig“. Jetzt werden wohl viele sagen, „interessant, aber ein gänzlich anderes Denkmuster sehe ich darin noch nicht“. Spannend wird es aber wenn es um Farbeinteilungen geht. Also der Frage welche Farben für uns zur gleichen Farbgruppe gehören. Im Deutschen und Englischen werden zum Beispiel „hellbau“ und „blau“ zusammengepackt. Im Spanischen hingegen sind das völlig verschiedene Wortgruppen, (nämlich „celeste“ und „azul“). Für uns aber wirklich abwegig, und hier würde man im englischen wohl von einem „Game-Changer“ sprechen, wird es farbtechnisch in vielen asiatischen Völkern, sowie im südlichen Afrika oder auf Papua- Neuguinea. Denn hier verwenden die Menschen für die Farben Grün und Blau nur ein einziges Wort. So wie für uns im Kopf also Himmel und das Wasser irgendwo in die gleiche Farbgruppe gehören, sind für die Menschen dort auch Bäume und das Meer zusammengehörig und bilden in den Köpfen von Geburt bzw. von Spracherwerb an das erst einmal alleinige Denkmuster. Wie völlig anders müssen diese Menschen die Welt wahrnehmen?
Lange Rede - kurzer Sinn. Was ich mit einigen relativ wild durcheinander gewürfelten Beispielen und nur bedingt sortierten Gedanken zum Ausdruck bringen möchte ist, wie viel mehr als nur die reine Fähigkeit, mit anderssprachigen Menschen zu kommunizieren, Sprache bzw. das Erlernen einer Fremdsprache doch bedeutet. Kann doch schon hinter einzelnen Begriffen die andersartige historische, kulturelle und soziale Wirklichkeit des fremden Landes hervorschimmern und, um mit den Gedanken Humboldts zu enden, uns vielleicht etwas von der „eigentümlichen Weltansicht“ spüren lassen, die ihm zufolge in jeder Sprache zum Ausdruck kommt – so ist:
Sprache (ist) der Schlüssel zur Welt
(Wilhelm von Humboldt )