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Super User

Super User

Liebe Freunde und Spender*innen der Ecuador Connection,

nun ist es schon einige Wochen her seitdem wir Euch um Eure Unterstützung und Spenden für unsere Partnerprojekte Fundación Cristo de la Calle (FCC) in Ibarra und Fundación Campamento Cristiano Esperanza (FCCE) in Quito gebeten haben. Also ist es an der Zeit, dass wir Euch über den aktuellen Stand der Spendenaktion informieren und uns auf diesem Wege auch im Namen der beiden Fundaciones bei Euch zu bedanken!

Seit unserem Spendenaufruf Anfang Mai sind bei uns Spenden in Höhe von 3900 € eingegangen. Davon stehen nun 1800 € der FCCE und 2100 € der FCC zu. Die Aufteilung ergibt sich aus dem Verwendungszweck, der bei der Überweisung auf unser Vereinskonto von Euch angegeben wurde. Wie wir Euch in unserem Spendenaufruf mitgeteilt haben, dienen die Spenden der finanziellen Unterstützung unser Partner in Ecuador, wo die Auswirkungen der aktuellen Pandemie weitaus verheerender sind als hierzulande. Ecuador befindet sich weiterhin im Ausnahmezustand. Die Ausgangsperren und andere Restriktionen werden in Quito voraussichtlich bis zum 17.06.2020 andauern.[1] Bis wann der Ausnahmezustand in Ibarra noch anhalten wird, ist aktuell nicht in Erfahrung zu bringen, jedoch gilt hier bis auf weiteres die Ausgangsperre und andere Beschränkungen, um die Verbreitung des Corona-Virus einzudämmen.[2]

Vorletzte Woche haben wir die 1800 € an die FCCE überwiesen. Von diesem Geld sollen die laufenden Kosten wie Strom, Wasser etc. bezahlt werden.  Ende des letzten Jahres hatten wir bereits zweckgebundene Spenden für die Reparatur des Daches des Essensraumes in der Tagesstätte der Fundación in Quito bekommen. Diese werden wir in der nächsten Zeit ebenfalls an die Fundación überweisen. Sollten wir in den kommenden Monaten weitere Spenden für Quito erhalten, würden diese nach Absprache mit Rita (Leitung der FCCE) im Projekt Verwendung finden.

Die Fundación in Ibarra hat von uns 2100€ der gesammelten Spenden erhalten. Sie ist mehr als die FCCE auf finanzielle Unterstützung angewiesen, da sie keine Sachspenden in Form von Lebensmitteln, Medizin oder Hygieneartikeln erhält und diese aus eigener Tasche bezahlt werden müssen. Auch hier wird die Überweisung der verbliebenen Spenden nach Absprache mit Claudia (Leitung der FCC) angewiesen werden.

So, jetzt habt auch Ihr einen Überblick darüber was mit Euren so zahlreichen Spenden passiert ist und noch passieren wird. Wir waren über Eure Spendenbereitschaft positiv überrascht und haben uns sehr darüber gefreut unsere Partner, dank Euch, wenigstens vorläufig finanziell entlasten zu können!

In diesem Sinne ein herzliches Dankeschön im Namen der Ecuador Connection e.V., der Fundación Cristo de la Calle und der Fundación Campamento Cristiano Esperanza an alle Spender*innen!

Maria Valtchuk

Vorstandsvorsitzende,
Projektkoordinatorin Quito und Mentorin

 

[1] El Comercio (2020). Se extenderá el confinamiento hasta inicios de junio? Zugriff am 27.05.2020 unter https://www.elcomercio.com/actualidad/confinamiento-yunda-semaforo-quito-coronavirus.html

[2] Infos zur aktuellen Situation in Ibarra: https://www.ibarra.gob.ec/site/ oder https://twitter.com/alcaldiaibarra?lang=de

Enrique

!Que viva Ambato!

 In Anknüpfung an den letzten Bericht, geht es erstmal mit den Karnevalsfeiern weiter, beziehungsweise den auch bekannt als

Zusammen mit den Ibarreñas habe ich eine echt coole Zeit verbringen können und es echt genossen eine der wichtigsten Feiern der Stadt mitzubekommen, aus der die Hälfte meiner Familie stammt.

Was die Arbeit betrifft, war ich bis zum Schluss noch bei den kleinsten der Fundación, Amor. Jedoch war es genau diese Gruppe, die vielleicht den größten Eindruck bei mir hinterlassen hat.

Es war zwar nicht das erste Mal, dass ich mit Kleinkindern gearbeitet habe, aber es war das erste Mal, dass ich es über einen so langen Zeitraum gemacht habe.

Niemals hätte ich mir vorstellen können, mich jemals über so “kleine” Ziele wie “ *** hat heute auch Bescheid gesagt, um Pippi zu machen!!!” zu freuen. Generell war es zwar in jeder Gruppe so, dass mich solche kleinen Fortschritte gefreut haben. Keine Ahnung, ob es daran liegt, dass die Erinnerungen an Amor einfach frischer sind als die Anderen, oder ich einfach mehr Zeit hatte (im Gegensatz zu den anderen Gruppen war ich hier fast drei Monate) mich mit den kleinen anzufreunden und wir eine tiefere Beziehung aufgebaut haben, aber es sind diese vermeintlich unscheinbaren Momente, die ich nicht mehr vergessen kann.

Wenn die Kinder auch nicht die Möglichkeit besitzen dir ein “Danke” zu sagen, merkt man doch, dass sie sich einem gegenüber öffnen und dir ihr Vertrauen schenken. Ich denke, dass das viel mehr wert ist als das jedes gesprochene “Danke” jemals sein kann.

Deswegen sind es die kleinen Dinge, die mehr wert sind als alles andere, das Lächeln, wenn man dich sieht, die Bereitschaft mit dir zu arbeiten.

Meiner Erfahrung nach scheint es aber die meisten Leute nicht wirklich zu interessieren, oder zumindest nicht so sehr wie ich es mir erhoffe, wenn ich über die Errungenschaften meiner Schützlinge erzähle, die sie niemals kennengelernt haben.

Meine WG fehlt mir wohl auch mit deswegen… Leute, die genau wussten, wie viel Arbeit hinter solchen Erfolgen steht. Leute, die vor den selben Schwierigkeiten stehen wie du und auch, wenn man aus den entlegensten Ecken Deutschlands kommt, hat man doch mehr gemeinsam als man es erwarten würde. Wie ich auch schon in meinem ersten Bericht gesagt habe, sind wir zu einer Art Mini-Familie geworden und auch wenn es schön ist wieder bei meiner leiblichen Familie zu sein,

mir fehlen meine Quiteñas.

Genauso ist es auch mit den Tías aus der Fundación. Jede einzelne ist für mich zu einer Art Ersatzmutter geworden. Ich verstehe bis heute nicht, woher sie die ganze Geduld nehmen mir zum dritten Mal dasselbe zu erklären, weil mein Hirn an diesem Tag wohl mal wieder auf Sieb geschaltet war. Trotz allem waren wir immer auf einer Augenhöhe. Das hat dazu geführt, dass ich nicht nur wegen der Kinder jeden Tag voller Vorfreude aus dem Haus gegangen bin.

Umso schwerer ist es zu akzeptieren, dass es keinen richtigen Abschied gab, denn als der

Bürgermeister Quitos bekannt gab, dass die Schulen, Universitäten und auch Einrichtungen wie die Fundación, fürs erste schließen sollten, wusste noch keiner, dass es länger als eins/zwei Wochen gehen würde. Dementsprechend war der Abschied auch eher routinemäßig, von den Kindern, den Tías, und den anderen Freiwilligen.

“Die Ecuadorianer sind seltsame und einmalige Wesen: sie schlafen ganz ruhig mitten unter knisternden Vulkanen, sie leben arm inmitten von unermesslichen Reichtümern und sie freuen sich über traurige Musik” - Alexander v. Humboldt

Mit diesem Zitat hat Humboldt es geschaft, die Ecuadorianer ziemlich treffend zu beschreiben.

Ich selbst bin zwischen den beiden Kulturen aufgewachsen und bin stolz darauf, mich auch zu den “seltsamen [...] Wesen” dazuzuzählen. Fast täglich die Gerichte zu essen, die es nur zu besonderen Anlässen hier in Deutschland gibt (da die Zutaten zum Teil nicht einfach zu bekommen sind), den selben Spanischdialekt wie die anderen zu sprechen, Salsa/Bachata/Meregue/Reggeaton etc… nicht nur zu Hause, sondern auch auf den Straßen und in den Bussen zu hören, dass alles hat dazu geführt, dass ich mich von Tag 1 an zu Hause gefühlt habe. Alles weitere war einfach Krönung des Ganzen.

Es ist gerade deswegen vielleicht auch schwierig in Worte zu fassen wie dankbar ich für die Zeit bin, die ich in Ecuador verbringen durfte, in der Nähe meiner Familie.

Und jetzt sind wir wieder zurück in Deutschland.

Der Abschluss fehlt, ich würde so gerne nochmal mit allen Zeit verbringen, mich für alles bedanken.

Denn ich habe nicht nur Kollegen, Mitfreiwillige und Freunde von jetzt auf gleich zurück lassen müssen, sondern Familie.

Volveré Enrique

Ich kann nicht glauben, dass es schon wieder drei Monate her ist, dass ich den letzten Bericht geschrieben habe. Es ist so viel passiert, dass ich gar nicht mehr weiß wo ich anfangen soll. Eigentlich hatte ich geplant in diesem Bericht über die Reisen zu schreiben, die ich alleine oder mit meinen Mitfreiwilligen unternommen habe. Bis Anfang März war das auch noch kein Problem – nur dann machte uns die globale Pandemie, ausgelöst durch das Corona Virus einen entschiedenen Strich durch die Rechnung. Von einem Tag auf den anderen wurden alle Schule geschlossen, die Fundacion machte zu und auch am gleichen Wochenende wurde eine Quarantäne mit folgender Ausgangssperre über das ganze Land verhängt. Zur gleichen Zeit wurden alle Grenzen auf unbegrenzte Zeit geschlossen und alle Nicht-Ecuadorianer die wir kannten versuchten nur noch so schnell wie möglich das Land zu verlassen, da nur wenige Tage später auch die Flughäfen schließen sollten. Langsam bekamen wir ein ziemlich mulmiges Gefühl, was wir nun von der Lage halten sollten, da wir keine Ahnung hatten, ob wir bei einem Notfall überhaupt noch das Land verlassen könnten. Auch die Quarantäne versprach keine allzu rosigen Aussichten: im Oktober während der Streiks aufgrund der subventionierten Benzinpreise im Land war schon mal eine zweiwöchige Ausgangsperre verhängt worden. Mir hatte die Erfahrung definitiv gereicht und ich war nicht sicher, ob ich so eine Zeit ohne Aussicht auf ein Ende noch einmal durchstehen würde. Ich hatte auch schon ernsthaft überlegt meinen freiwilligen Dienst abzubrechen und nach Hause zu fliegen, solange ich noch die Chance dazu hatte. Nach einem eingehenden Gespräch mit einer Mitfreiwilligen und mittlerweile auch sehr engen Freundin, haben wir uns jedoch entschieden zu bleiben.

Ironischerweise kam keine 20 Minuten später die Nachricht von Weltwärts, dass wir alle nach Deutschland zurück müssten. Diese Nachricht war Schock und Erleichterung zugleich. Einerseits war ich froh, dass mir die Entscheidung, ob ich gehen oder bleiben sollte abgenommen wurde, andererseits konnte ich nicht fassen mein Leben hier in Ecuador einfach so von einen auf den anderen Tag zu verlassen. Das Schlimmste war, Niemanden tschüss sagen zu können, da wir, um deren Gesundheit zu schützen, zu den Kindern der Fundacion keinen Kontakt mehr haben durften.

Wir stellten uns darauf ein, das Land nun spätestens in den nächsten drei Tagen verlassen zu haben, also packten wir die Koffer, bezahlten die letzten Rechnungen und warteten auf die Nachricht, dass es einen Flug für uns gäbe. Diese Nachricht blieb jedoch aus. Verschiedene Airlines boten zwar Rückholflüge an, diese allerdings zu extremen Wucherpreisen und zudem wurden Touristen, die sowieso in den nächsten Wochen zurückfliegen sollten, Minderjährige oder Menschen mit Vorerkrankungen priorisiert. Zwei Wochen lang saßen wir auf gepackten Koffern und die Spannung und Nervosität stieg. Es wäre gelogen zu sagen, dass ich keine Angst davor hatte, womöglich auf unbegrenzte Zeit in diesem Land festzuhängen und mit jedem Tag wuchs diese Angst. Daher war ich umso dankbarer für die gegenseitige Unterstützung in meiner WG. Natürlich lassen sich, wenn man mit vier Leuten mehrere Monate zusammen lebt auch immer mal Konflikte. Wenn mir jemand im Voraus gesagt hätte ich müsste mehrere Wochen mit den gleichen Menschen in einer Wohnung eingesperrt sein, ohne jegliche Möglichkeit mal etwas Ruhe an der frischen Luft zu bekommen, wäre ich mir sicher gewesen, dass wir uns nach spätestens 4 Tagen gegenseitig an die Gurgel gegangen wären. Bei uns war es das Gegenteil. Ich habe sogar das Gefühl, dass wir durch die Zeit, die wir erzwungenermaßen miteinander verbracht haben, sogar noch stärker zusammengewachsen sind. Wir mussten Probleme gemeinsam lösen und haben uns gegenseitig gestützt, um diese Zeit zu überstehen.

Und schließlich kam dann doch die Nachricht, dass wir bei einem der von der Bundesregierung organisierten Rückholflüge an Board sein sollten.

Jetzt bin ich schon einen Monat wieder zu Hause. Was sich viele Leser nun fragen werden ist natürlich, wie es war, wieder anzukommen. Meine Familie wiederzusehen war wunderschön und auch endlich wieder ein Stück deutsches Brot zu essen hat mich sehr glücklich gemacht, aber dennoch vermisse ich Ecuador fast jeden Tag. Ich vermisse den täglichen Plausch mit der Nachbarin, die uns immer Obst verkauft hat, die Musik in den Bussen und den Straßen, die köstlichen Früchte und natürlich die Leute aus der Fundacion und die Kinder. Auch die WG fehlt mir. Die langen Abende, quatschend in der Küche, das gemeinsame Kochen, das hören und singen von spanischer Musik, die schließlich sogar ich verstanden habe... All das lässt sich zu Hause natürlich nicht so fortsetzen – meine Eltern verstehen kein Spanisch und leider haben sie durch Corona auch nicht die Möglichkeit gehabt mich in Ecuador zu besuchen und mein Leben und die Dinge, die ich dort liebe kennenzulernen. Ähnlich ist es mit Freunden. Dadurch ist es manchmal schwer ihnen all die schönen Sachen, die ich dort erlebt habe zu vermitteln. Trotzdem suche ich mir andere Wege wie ich mein Leben dort in Erinnerung behalten kann und es meiner Familie näherbringen kann. Mit meiner Katze rede ich nun einfach spanisch, meine Freunde mögen auch die spanische Musik und meine Eltern freuen sich die typisch ecuadorianischen Gerichte zu probieren, die ich dort kennen gelernt habe. So kann man die zwei Welten etwas verschmelzen lassen. Am schönsten ist es aber natürlich mit meinen Mitfreiwilligen per skype gemeinsam in Erinnerungen zu schwelgen und es tut gut zu wissen, dass es anderen genauso geht wie einem selbst.

Mein Ecuador-Aufenthalt hat leider ein unerwartetes, sehr abruptes Ende genommen. Trotzdem habe ich kein einziges Mal bereut, dieses FSJ gemacht zu haben. Auch wenn ich von den 12 geplanten Monaten nur knapp acht in Ecuador verbringen konnte, habe ich mich sehr entwickelt. Damit meine ich nicht nur, dass ich eine andere Sprache gelernt habe und es geschafft habe, mich in einem fremden Land zurecht zu finden und auf eigenen Beinen zu stehen. Ich habe es geschafft meine Komfortzone zu verlassen, meine Konflikte auf eigene Faust gelöst, das erste Mal mit Menschen mit Behinderung zusammengearbeitet und diese Arbeit riesig zu schätzen gelernt. Ich habe viele tolle neue Leute kennengelernt und bin für alles, was ich mit ihnen erleben und von ihnen lernen durfte, sehr dankbar. Umso trauriger bin ich, dass ich mich von all dem nicht richtig verabschieden konnte. Aus diesem Grund bin ich sicher, eines Tages noch einmal nach Ecuador zu fliegen um all die Dinge zu tun, mit denen ich noch nicht abgeschlossen habe. Bis dahin, und sicher noch für den Rest meines Lebens, Ecuador wird immer einen ganz besonderen Platz in meinem Herzen haben.

Raphaela

Eigentlich sollten wir nach Verfassen dieses Berichtes noch ein Viertel unserer Zeit in Ecuador vor uns haben und doch sind wir schon wieder einen Monat zu Hause. Zu Hause. Das war die letzten acht Monate die WG in Quito für mich. Nicht nur weil ich dort schlief, kochte und wohnte, sondern auch weil meine Mitfreiwilligen in dieser Zeit ein so wichtiger Bestandteil meines Lebens geworden sind, dass ich mir kaum vorstellen konnte einmal wieder ohne sie zu sein.  Ich fühlte mich rundum wohl und genoss die Anwesenheit meiner Mitbewohner. Immer war jemand da, mit dem ich lachen konnte und immer auch jemand, wenn die Zeiten schwieriger waren. Wir alle waren in der gleichen Situation - fremd in einem Land, das uns schon nach kurzer Zeit nicht mehr fremd erschien. Wir verstanden uns und unsere Situation. Das fehlt mir am meisten in Deutschland. Hier kann ich zwar von der Wohnung, der Arbeit oder den Leuten erzählen aber niemand aus meiner Familie war dort, niemand versteht so richtig, was ich erzähle. Mir ist klar, dass ich damit auch leben müsste, wenn wir regulär im Juli zurück geflogen wären. Jetzt ist es vielleicht nur ein bisschen intensiver. Manchmal denke ich, dass es eine einzige Ungerechtigkeit ist, dass gerade wir früher zurückgeholt wurden. Oder auch, dass gerade wir schon den Streik und die Proteste erleben und schon damals zwei Wochen im Hausarrest verharren mussten. Mit den zwei Wochen auf Grund von Corona saßen wir insgesamt einen Monat in der Wohnung fest. Und dann werden uns die letzten vier Monate noch genommen. In anderen Momenten wiederum wird mir bewusst, dass niemanden die Schuld trifft für die aktuelle Lage und auch nicht für die Konsequenzen, die daraus gezogen werden. Wir mussten nach Hause, es war nicht unsere Entscheidung, mir tat das weh aber trotzdem weiß ich, dass diese Entscheidung richtig war und ich bin im Moment sehr froh, in Deutschland bei meiner Familie zu sein und die Möglichkeit zu haben das Haus zu verlassen. Ich weiß einige Freiheiten viel mehr zu schätzen, seit ich weiß wie die Maßnahmen in anderen Ländern aussehen können: Strikte Ausgangssperre ausgenommen eines Vormittages in der Woche, an dem Einkäufe erledigt werden können, Militärpräsenz auf den Straßen und keine finanziellen Hilfen für die, die nicht mehr arbeiten dürfen. Dann wird mir bewusst, dass ich nicht das Recht habe mich zu bemitleiden, weil ich vier Monate meines Dienstes nicht ausüben konnte, sondern viel mehr dankbar sein muss für acht tolle Monate, in denen ich (Gast-)Freundschaft, Hilfsbereitschaft, Herzblut, Mut und Abenteuer erlebt habe. Für mich war es eine Zeit, in der jeder Moment es wert war ihn erlebt zu haben. Die Arbeit, die einen großen Teil dieser Zeit in Anspruch nahm, habe ich geliebt. Es war toll jeden Morgen gerne aufzustehen, um in die Fundación zu gehen, die Tías und die Kinder zu treffen und mit ihnen jeden Tag neue Herausforderungen zu meistern. Es war ebenso schön, mit jeder Woche zu bemerken, dass das eigene Spanisch besser wird und man sich an immer mehr Gesprächen beteiligen kann und immer mehr Scherze versteht. Auch in der WG wuchsen wir immer enger zusammen, lernten uns besser kennen, führten Gespräche bis tief in die Nacht und gingen schlussendlich mit dem Wille auseinander, den Kontakt zu halten. Die letzten Wochen in Quarantäne verbrachten wir nochmal sehr intensiv miteinander, sprachen uns aus und versuchten so gut es ging füreinander da zu sein. Dafür war uns jedes Mittel Recht von Pudding bis Matratzenlager. Für mich waren diese ungewissen Tage, an denen wir nicht wussten, ob es nach Hause geht oder nicht, ein wichtiger Prozess des Abschieds. Wenn wir auch nicht die Möglichkeit hatten uns von den Kindern, den Tías oder Freunden zu verabschieden, so bekamen wir auf diese Art wenigstens die Chance uns innerlich vorzubereiten und mit der Situation ins Reine zu kommen. Nur einen Satz zum Rückflug: Ich finde die Deutsche Botschaft hat sehr gute Arbeit geleistet, denn alles lief problemlos und organisiert ab und ich hab mich gut aufgehoben gefühlt. Am schwierigsten war für mich die erste Woche in Deutschland. Ich hatte das Gefühl versagt zu haben, meine Aufgabe nicht erfüllt gekonnt zu haben und war ständig gereizt, da ich hier nichts Sinnvolles tun konnte. Mein Koffer stand eine Ewigkeit unangerührt im Eck, alles, was mit Ecuador zu tun hatte, wollte und konnte ich nicht ansehen und schon gar nicht aussprechen und meine Mitbewohner fehlten mir. Die Aussicht, dass frühestens in einem halben Jahr mit Beginn des Studiums wieder ein Alltag einkehren würde habe ich kaum ertragen. Nach einigem Abwägen und Überlegen habe ich nun vor zwei Wochen einen Welpen adoptiert und sie Alma (Spanisch für „Seele“) genannt. Sie erinnert mich mit ihrem Namen an Ecuador und sorgt dafür, dass ich die Zeit dort nicht vergesse und ist doch gleichzeitig der Beginn eines ganz neuen Kapitels.

Mittlerweile bin ich hier angekommen. Das ist ein gutes Gefühl. An meine Zeit in Ecuador kann ich mit einem Lächeln zurückdenken. Manchmal kommt noch die Sehnsucht, aber die wird vermutlich auch nie mehr ganz verschwinden. Vielleicht kehre ich eines Tages zurück und hole den verpassten Abschied nach. Das ist mein Wunsch.

tamara

Dritter Zwischenbericht

Noch ein paar Schritte und ich hatte es endlich geschafft. Nach einer knappen Stunde, in der ich in der Mittagshitze bergauf gelaufen bin, kam ich endlich an der Schule unserer kleinen Kids an. Noch bevor ich einmal kurz aufatmen konnte, kamen die beiden Geschwister auf mich zu gerannt und erzählten wild durcheinander was heute alles passiert ist. Nachdem ich ihre Taschen und Jacken gefunden und aufgesammelt hatte, waren die beiden aber schon längst wieder auf dem Klettergerüst. „Nur noch kurz“, bekam ich immer wieder zu hören. Mit allen möglichen Mitteln versuchte ich sie davon zu überzeugen mit mir zu kommen. Manchmal klappte es gut, manchmal eher weniger. Nach allen möglichen Versuchen und gutem Zureden schaffte ich es dann endlich mal wieder, dass sie herunterkamen, ich setzte ihnen die kleinen Rucksäcke auf und sie verabschiedeten sich von ihren Freunden und ihrer Lehrerin. Kurz vor dem Ausgang fiel dem Mädchen ein, dass sie jetzt aber noch ganz dringend auf die Toilette muss. Also: Kommando zurück! Während das Mädchen aufs Klo ging, fing der Junge plötzlich wieder an, mit einem anderen Jungen Fangen zu spielen. Eine halbe Ewigkeit später gingen wir dann zusammen aus der Schule. Ein paar Meter weiter mussten wir aber schon wieder stehen bleiben. Dort befindet sich die Schule von drei weiteren Kindern der Fundación, die abgeholt werden müssen. Allerdings erst ein bisschen später, also hieß es warten. Während ich versuchte die Geschwister ohne Streit einigermaßen in meiner Nähe zu behalten, kamen mal wieder ein paar Eltern auf mich zu und fragten, warum ich so viele Kinder von der Schule abhole. Nachdem ich die Geschichte dann ein paar Mal erzählte, rannten schon die ersten Kinder aus den Klassenzimmern in den Pausenhof, den man durch den Zaun, vor dem sich mittlerweile eine Horde Eltern versammelten, ganz gut sah. Ich versuchte schon einmal meine Kids zu entdecken, was meist aber eher erfolglos ausging. Die ersten Kinder kamen aus der Schule und entfernten sich von dieser kurz darauf mit ihren Eltern. Andere stürmten auf die Süßigkeiten und Eisverkäufer zu, die sich mittlerweile vor der Schule versammelt hatten. Ein paar Minuten später durften auch die Eltern die Schule betreten. Ich ging also mit zwei Vierjährigen hinein, suchte meine Kids und ging dann auf das Klassenzimmer eines der drei Kinder zu, welcher heute seinen Aseo del aula hatte. Ich trug also den größeren Kindern auf, auf die Kleinen aufzupassen und fing an, den Boden des Klassenzimmers zu kehren. Immer wieder schaute ich nach draußen, doch alle fünf Kids spielten ruhig zusammen im Pausenhof. Nachdem ich auch noch die Tische und Stühle geputzt hatte, versuchte ich auch dieses Mal wieder die Kinder zum Gehen zu bewegen. Die größeren sind hierbei deutlich einfacher zu überzeugen und wenn ich Glück hatte, zogen diese dann die Kleinen auch noch mit. Kurz vor dem Ausgang rannte jetzt plötzlich der kleine Junge ins Bad. Den drei Größeren merkte man die leichte Genervtheit an, aber sie setzten sich in den Pausenhof und packten ihre Süßigkeiten aus, bei denen ich mich bis heute frage wo sie diese oder das Geld dafür herbekamen. Nachdem der kleine Junge von der Toilette wiederkam, rannte er natürlich auf die Größeren zu und wollte auch etwas abhaben. Dann kam auch noch eine Lehrerin aus dem Klassenzimmer von nebenan heraus, mit der ich mich besonders gut verstand, und fing die tägliche Konversation an. Wenn sie mich nicht schon beim Reinlaufen abfing, dann spätestens kurz vor dem Gehen. Nach einer netten Unterhaltung ging ich wieder einmal auf meine Kids zu und irgendwie schaffte ich es auch dieses Mal wieder nach ein paar Versuchen, sie zum Gehen zu bewegen. Mit den zwei Kleinen an der Hand, lief ich den Größeren hinterher. Diese beschwerten sich immer wieder, dass die Kleinen so langsam laufen. Am Ende der Straße fragten sie mich dann, ob sie kurz zur tienda laufen könnten. Ich nickte und blieb mit den Geschwistern stehen. Nach ein paar Minuten kamen sie mit noch mehr Süßigkeiten wieder, um die sich dann wieder einmal alle kurz stritten. In dieser Zeit fuhr uns der Bus vor der Nase weg, also überquerten wir alle mit großer Vorsicht die Straße und warteten auf den nächsten, der in ungefähr 10 Minuten kommen sollte. Dadurch das an jeder Ecke ein kleiner Laden war, schauten auch an dieser Ecke alle wieder mit großen Augen hinein und suchten alle Taschen nach noch ein bisschen Kleingeld ab. Wenn dann mal wieder nichts gefunden wurde, probierten sie ihr Glück mal wieder bei mir. Doch da kam auch schon der Bus und ich war damit beschäftigt, alles was die Kleinen aus ihren Rucksäcken gekippt hatten, wieder hinein zu befördern während ich gleichzeitig dafür sorgte, dass sich alle für das Einsteigen bereit machten. Die Größeren standen allerdings schon längst an der Straße und strecken ihre Arme aus, sodass der Bus anhielt. Da dieser aber wie fast immer sehr voll war, quetschten wir uns in den Gang und auf die Treppe. Mit zwei kleinen Rucksäcken und fast immer einem der Geschwister auf dem Arm, dass sich weigerte vom Gehweg aufzustehen, suchte ich irgendwie das nötige Kleingeld heraus und reichte es dem Busfahrer. Dann konnte es endlich los gehen. Die nächsten paar Minuten war ich dann damit beschäftigt alle Kinder, die sich wild im Bus verteilten, im Auge zu behalten, mich gut festzuhalten und auch noch auf den Weg zu schauen, damit wir rechtzeitig ausstiegen. Nachdem ich kurze Zeit später dem Busfahrer signalisierte, dass wir jetzt aussteigen müssen, gab er noch einmal Vollgas, hielt aber kurz nach der nächsten Kreuzung an. Die Großen sprangen aus dem Bus, während ich mit einem Kind auf dem Arm aus dem Bus stieg und kurz danach dem anderen runter half. Währenddessen gab der Bus schon wieder Gas und war schon längst weg, als ich das Kind auf den Gehweg setzte. Spätestens jetzt streikte eines der Geschwister komplett und hatte absolut keine Lust mehr zu laufen. Wie viel Zeit ich an dieser Stelle schon mit Überredungskunst verbrachte, möchte ich gar nicht wissen, aber ich sag es mal so: Alle angrenzenden Nachbarn und die meisten Passanten kennen mich bereits sehr gut. Die Größeren waren mittlerweile schon sehr genervt und wollten einfach nur nach Hause. Was mir aber ganz recht war, denn so halfen sie mir, die Kleinen zum Gehen zu bewegen. Nicht selten flossen hier Tränen oder es gab Wutausbrüche. Nach einer gefühlten Ewigkeit brachte ich dann, wie auch immer, alle Kinder zum Laufen und kurze Zeit später war die Welt auch meistens schon wieder in Ordnung. Weit war es jetzt wirklich nicht mehr. Kurze Zeit später waren wir fast am Tor des ehemaligen Parks und Schwimmbades angekommen, in dem das Kinderheim stand. Im Kopf fing ich an von drei herunter zu zählten: 3, 2, 1, 0 … und schon fingen die Größeren an zu rennen. „Ich klingle“… „nein ich“… „aber du hast schon letztes Mal“, hörte ich die Kids vor mir schreien. Das erste Lächeln des Tages huschte über meine Lippen, aber schon kurz danach lief ich schnell hinterher, um weitere Streitigkeiten zu vermeiden. Nachdem dann geklingelt wurde, versteckten sich alle hinter der Mauer. Da kam er auch schon: der nette Mann von nebenan mit dem ich mich wieder einmal kurz unterhielt, während er das Tor aufschloss. Ich bedankte mich schließlich und ging mit den kleinen Kindern hindurch. Auch dem netten Herrn war das Versteck spielen bereits bekannt. Er schaute mich nur kurz an und nach dem ich nickte, spielte er mit. Er tat so, als würde keiner mehr kommen und machte langsam das Tor wieder zu. Da kamen die drei aus ihrem Versteck und huschten noch schnell durch das halb offene Tor. Jetzt war es nun wirklich fast geschafft. Am Anfang des Parks standen ganz viele Stauden voll mit Äpfeln, das nächste große Hindernis. Wie oft ich den Kids schon gesagt habe, dass das nicht unsere sind und sie die nicht einfach klauen dürfen… ehrlich gesagt habe ich irgendwann das Zählen aufgehört. Wenn dann natürlich einer anfängt, stehen kurze Zeit später alle zwischen den Stauden und fingen gierig an Äpfel zu pflücken. Inzwischen bin ich schon bei: „aber bitte jeder nur einen Apfel“, aber auch das funktionierte eher selten. Mit „der Mann kommt wieder“, bekomme ich sie aber meist ganz gut zum Weiterlaufen. Doch die nächste Herausforderung befand sich schon ein paar Schritte weiter zu unserer Rechten. Pferde. So lange sie weiter weg sind, finden die Geschwister sie noch ganz toll und sind völlig fasziniert von ihnen, aber sobald wir den Pferden näherkommen, bekam das Mädchen Angst und weigerte sich wieder einmal weiter zu laufen. Jedes Mal erklärte ich ihr dann, dass die Pferde an den Bäumen festgebunden sind. Manchmal klammerte sie sich dann fest an meine Hand und versteckte sich hinter mir, manchmal muss ich sie aber auch tragen. Doch danach ist es endlich geschafft, das Kinderheim ist in Sicht. Die Großen rannten schon Voraus, aber nicht etwa zum Kinderheim, sondern zum Mora-Strauch, der sich kurz davor an einem Fluss befindet. Ich versuchte die Kleinen dann so abzulenken, dass sie nicht auch noch durch die dornigen Sträucher in die Nähe des Flusses wollten und dann endlich waren wir da. Doch Ausruhen ist nicht, dort erwarteten mich bereits die restlichen Kinder und tausend andere Aufgaben im Haushalt und mit den Kindern. Die nächste große Herausforderung ist es dann, alle Kinder zum Umziehen und Mittagsessen zu bewegen. Danach Abwaschen, Spülen, Wäsche machen, den Kindern bei ihren Hausaufgaben helfen und sich eine Aktivität für den Rest der Kinder ausdenken. Nach ein paar Einkäufen standen schon wieder das tägliche Duschen und dann das Abendessen an. Plötzlich ist es auch schon 20 Uhr und wenn ich dann auch noch ganz viel Glück habe und nichts mehr zu tun ist, bin ich fertig. Mit der Arbeit und mit dem Tag. In der Dunkelheit laufe ich nach Hause und falle dort nur noch ins Bett, gespannt was die Kids sich am nächsten Tag wieder alles einfallen ließen!

Woher ich diese ganze Energie nehme? Von den Kindern selbst. Die, die mich nicht selten zur Verzweiflung und an den Rand meiner Fähigkeiten bringen, geben mir gleichzeitig auch die Kraft dazu alles irgendwie zu meistern. Es sind die ganz kleinen Momente, in denen sie mir ein Lächeln auf die Lippen zaubern. Momente, die mich zu Tränen rühren und die mich nie vergessen lassen, warum ich das alles tagtäglich auf mich nehme.

Und jetzt sitze ich hier. Bin leider wieder in Deutschland. Viel zu früh musste ich weg von all dem Chaos aber auch von all den tollen Menschen und wunderbaren Orten. So viel geht mir gerade durch den Kopf, doch eines werde ich ganz sicher nie vergessen. Die Liebe, die ich dort ausnahmslos von allen bekommen habe und jeden Tag aufs Neue versucht habe zurückzugeben. An die, die es am Meisten brauchen: die Kinder!

Nina

Vor genau anderthalb Monaten stellte sich das Leben von uns 8 Ecuador Connection-Freiwilligen erneut komplett auf den Kopf. Schuld war die Tatsache, die uns die vergangenen Tage schon im Kopf herumgeisterte – das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) ruft uns aufgrund der Coronakrise zurück nach Deutschland, wir müssen unseren Freiwilligendienst abbrechen. Meine vorherrschenden Emotionen waren Unverständnis, Trauer, Wut und Verwirrung. Unverständnis, da zu dem Zeitpunkt in Ecuador etwa 50 Coronafälle registriert wurden. Warum sollten wir uns auf engsten Raum in ein Flugzeug quetschen, wo Mindestabstand ein Fremdwort ist, und in ein Land reisen, in dem Corona unaufhaltsam grassierte? Ich bin jetzt erleichtert zu wissen, dass ich die Situation falsch eingeschätzt habe. Auch wenn Deutschland ein Vielfaches von Coronafällen aufzuweisen hat, ist unser Gesundheitssystem um einiges besser auf diesen Ausnahmezustand vorbereitet und die Mortalitätsrate hält sich Rekords verdächtig niedrig. Ecuador traf vom einen auf den anderen Tag eine Reihe von Maßnahmen, die Deutschland teilweise noch voraus sind- Ausgangssperre ab einer bestimmten Uhrzeit, Schließung aller Geschäfte außer denen der primären Notwendigkeit, Einstellung des ÖPNV und großen Teilen des Verkehrs,… Als ich noch vor Ort war, fand ich es wirklich lobenswert. Jetzt weiß ich, dass der Staat aufgrund der ausbaufähigen Gesundheitsinfrastruktur gar keine andere Wahl hatte. Trotz der Maßnahmen verbreitete sich der Virus rasend schnell und versetzt Teile des Landes in einen Notfallzustand. Die Berichte in den deutschen Medien, in denen Ecuador als Epizentrum bezeichnet wird und Videos, welche die apokalyptischen Zustände in Guayaquil zeigen, wo die Leichen wegen fehlender Kapazitäten auf den Straßen liegen, brechen mir ein wenig das Herz. Ich hatte die Situation nicht ernstzunehmend genug eingeschätzt. Auf der anderen Seite verfolge ich besonders die Zahlen in der Provinz Imbabura und Ibarra, die sich seit Wochen sehr niedrig halten und denke manchmal, dass unser Abzug nicht notwendig gewesen wäre. Realistisch gesehen wird sich das ganze Land allerdings noch monatelang in Quarantäne befinden, sodass ich es in Deutschland mit meiner Familie bevorzuge, wo der Virus vermutlich früher abklingen wird.

Es gibt Dinge, die ich unglaublich vermisst habe, über die ich mich noch jeden Tag erfreue - meinen kompletten Kleiderschrank, Fahrrad fahren, Hamburg und unsere ruhige Nachbarschaft, mein breites Bett, Zeit mit meiner Familie zu verbringen, bestimmte Lebensmittel oder Gerichte meiner Mutter, Wälder,… Außerdem habe ich jetzt mehr Zeit, mich mit meinem Studium zu beschäftigen und kann so wahrscheinlich schon im Oktober anfangen, International Business zu studieren. Ob es dabei Hamburg, Köln, Berlin, Tübingen oder vielleicht sogar Barcelona wird, weiß ich noch nicht.

Gedanklich bin ich viel in der Calle Los Incas, oder genauer gesagt in der Casa Familia Yuyucocha 1. Ich versuche, mir vorzustellen, wie die Situation dort ist und dabei positiv zu denken. Auch an normalen Tagen sind die Educadoras (je nach Educadora) ohne Freiwillige entweder heillos überfordert oder können sich eben nur auf das Nötigste - die Ordnung des Hauses, Wäsche, Mahlzeiten - konzentrieren, wie soll es bei 12 Kindern unterschiedlichen Alters anders sein? Nun fehlt die Stimulation der Kids in der Schule und Auspowern in Park und Co. Wer würde jetzt mit den größeren Kindern über ihre Probleme reden? Mit den Jungs Quatsch machen? Mit den Mädels kuschelnd Gutenachtgeschichten lesen? Das Baby zu sich nehmen und einfach ein bisschen greifen üben, oder mit ihm reden? Ich weiß, dass ich eine ersetzliche Rolle gespielt habe und die Kids, obwohl sie traurig waren, mich vermutlich schnell wieder vergessen, doch meine Aufgaben sind nicht ersetzlich. Das „I-Tüpfelchen“, wie Heike es so gerne nennt, fehlt. Abgesehen davon muss die ganze Organisation der Casas Familias schwierig sein. Wie werden notwendige Lebensmittel von Claudia bei Verkehrseinschränkung zu den Häusern transportiert? Wie organisieren sich die Educadoras mit größtenteils eigenen Familien und einer normalen Schicht von 8-9 Stunden, wenn ab 14 Uhr Ausgangssperre herrscht? Bei Ausrufen der Fundación auf Facebook bestätigte sich auch mein Verdacht, dass es in dieser Ausnahmesituation mal wieder an den Basics-Windeln, Milchpulver, Lebensmitteln, Reinigungsmitteln, Kosmetik... mangelt und bin froh, dass meine Familie und Freunde durch eine Spende ein wenig helfen konnten. Die Fotos, die Claudia mir geschickt hat und die Kids glücklich und bei verschiedenen Aktivitäten und die Dinge, die sie mit der Spende kaufen konnten, zeigen, beruhigten diese Sorgen ein wenig.

Das Coronavirus brachte die ganze Welt in einen Ausnahmezustand, unter dem jeder in einem gewissen Rahmen leidet. Während ich liebend gerne das Jahr unter normalen Umständen beendet hätte, bin ich dankbar für meine gesunde Familie und Freunde, das stabile deutsche Gesundheitssystem, ein Dach über dem Kopf, wo jeder sich zurückziehen kann , genug Essen und dass meine Eltern keine bedrohten Arbeitsstellen haben und so immer noch arbeiten können. Mir ist bewusst, dass Großteile der globalen Bevölkerung nicht in jedem dieser Punkte so ein Glück haben. Besonders wir als privilegierte Bevölkerungsgruppe, sollten das Problem entsprechend ernstnehmen und unseren Teil dazu beitragen, damit die Schwächeren nicht noch mehr darunter leiden.

7 unvergessliche Monate sind besser als ein mehr oder weniges gelungenes Jahr. Ich denke viel an die Zeit in Ecuador, die Kinder und die Menschen, die wir in unser Herz geschlossen haben und bin einfach dankbar für diese Erfahrung. So wird Ecuador mich so bald wie möglich wiedersehen, um einige Dinge nachzuholen und vor allem den Ort und die Menschen zu besuchen, die für mich zu einem zweiten Zuhause geworden sind. Am dankbarsten bin ich allerdings vermutlich für den Teil Ecuadors, den ich in Form zwei toller Personen hier in Deutschland habe und hoffentlich zu meinem Geburtstag endlich wiedersehe.

Die letzten Wochen in Deutschland
haben mir die Möglichkeit gegeben, die vergangenen acht Monate in Ecuador zu reflektieren.

Als ich angefangen habe, darüber nachzudenken, was meine Zeit in Ecuador besonders geprägt hat, habe ich natürlich als erstes an die Arbeit mit den Kindern, die Reisen, das Leben in der WG und die Menschen, die ich kennengelernt habe, gedacht. Jedoch ist nicht zu vergessen, dass wir auch die Erfahrung gemacht haben, Ecuador zwei Mal im Ausnahmezustand zu erleben.

Als es hieß, es gäbe eine Ausgangssperre und öffentliche Verkehrsmittel würden nicht mehr fahren, habe ich mich wieder in den Ausnahmezustand im Oktober zurückversetzt gefühlt.
Jedoch haben wir schnell bemerkt, dass es dieses Mal sehr anders sein würde.
Die Grenzen waren von einem Tag auf den anderen geschlossen, es gab keine Flüge mehr, Läden haben nicht mehr geöffnet, es gab wieder eine Ausgangssperre und das öffentliche Leben wurde heruntergeschraubt.
Die Menschen wurden plötzlich sehr misstrauisch und ich hatte teilweise das Gefühl, nicht mehr erwünscht zu sein. Als Ausländer war man plötzlich nicht mehr nur auffallend anders, sondern in gewisser Weise auch eine Gefahr.
Ich denke, dadurch, dass wir in Ibarra, in einer eher ruhigeren, kleineren Stadt gelebt haben, haben wir diese Art von Abweisung nicht so stark zu spüren bekommen, wie in anderen Teilen Ecuadors.
So hörte man in den Nachrichten von Fällen, wo Ausländer nicht mehr in Läden reingelassen wurden.
Man kannte uns vom Sehen im Supermarkt, in der Nachbarschaft und in Läden, in denen wir regelmäßig einkauften,  trotzdem wurden wir mit einer Art Misstrauen betrachtet.
Gerade Menschen, die uns zum ersten Mal sahen, nahmen auffällig viel Abstand von uns. Es hat sich sehr falsch angefühlt, in der Stadt, in der man eigentlich zu Hause ist, plötzlich so fremd zu sein.
Beispielsweise an dem Tag unserer Abreise nach Quito, wollte uns ein Taxifahrer zuerst nicht mitnehmen, nachdem er erfahren hatte, dass wir Deutsche sind. Erst nach einer Erklärung unserer Chefin, dass wir uns schon seit acht Monaten in Ecuador aufhalten, erklärte er sich dazu bereit, uns nach Quito zu fahren.

Die schnellen Veränderungen von der Regierung und die Umstellungen von einem Tag auf den anderen, waren schockierend. Die Situation spitzte sich bei uns in Ibarra besonders zu, nachdem der erste bestätigte Fall von Covid-19 in der Stadt festgestellt wurde.
Man sah plötzlich niemanden mehr außerhalb des Hauses und nachts sah man Fahrzeuge durch die Straßen fahren, die Mülleimer und die Straße selbst desinfizierten.
Die Situation war einfach so absurd, dass ich mir wie in einem schlechten Film vorkam.

Es ist ein unbeschreibliches Gefühl, fast zwei Wochen lang jeden Morgen aufzuwachen und nicht zu wissen, ob man zurück nach Deutschland kommt oder ob man in Ecuador festsitzt.
Es war deprimierend, so hilflos zu sein und die Veränderungen hinzunehmen zu müssen. Anfänglich war ich noch sehr motiviert, dass wir zeitnah nach Hause fliegen können, aber selbst diese Motivation nahm von Tag zu Tag ab.
Wir haben versucht, uns jeden Tag gegenseitig aufzubauen, haben mit der WG in Quito telefoniert und die Zeit abgesessen.
Rückblickend weiß ich, dass es das Beste war, uns zurück nach Deutschland zu holen, aber während unserer Quarantäne in Ecuador kam es mir sehr falsch vor. Aber wir hatten ja auch keine Ahnung, wie sich die Situation entwickeln würde.

In Gedanken bin ich jetzt häufig bei Ecuador, einem Land, das wie so viele andere Länder unerwartet, aber vor allem unvorbereitet, von der Pandemie getroffen wurde.
Täglich hört man neue Nachrichten darüber, wie die Situation sich verschlimmert, wie Familien Geliebte verlieren. Gerade in dieser Zeit müssen wir zusammenhalten und versuchen unseren Teil beizutragen.

Ich weiß, dass die plötzliche Ausreise aus Ecuador, mich noch lange beschäftigen wird, aber dennoch ist mir bewusst geworden, dass sie auch nicht das Ende meines Freiwilligendienstes bedeutet.
Zwar halte ich mich nicht mehr in Ecuador auf, aber ich habe durch meine Erfahrungen, welche ich gesammelt habe, die Möglichkeit, anderen zu berichten, zu informieren und zu motivieren, sich selbst für einen entwicklungspolitischen Freiwilligendienst zu entscheiden.
Jetzt hängt es von uns ab, was wir in die Welt heraustragen, was wir teilen und was wir vielleicht auch für uns behalten.

In meinem ersten Bericht habe ich darüber geschrieben, dass ich mir am Ende meines Freiwilligendienstes, durch die Eindrücke und Erfahrungen, ein wunderschönes Bild von Ecuador gemacht haben will. Jetzt bin ich zurück in Deutschland und mein Kunstwerk ist fürs erste vollendet. Wir haben uns während unserer Quarantäne in Ecuador oft darüber unterhalten, wie froh wir eigentlich sein können, dass wir traurig über unsere Ausreise sind.
Wir haben uns als WG gut verstanden, hatten Spaß an der Arbeit und haben großartige Menschen kennengelernt. Der Gedanke daran, dass die plötzliche Ausreise für andere Freiwillige vielleicht sogar eine Erleichterung sein könnte, hat mich noch einmal dankbarer für die Zeit gemacht, die ich in Ecuador verbringen konnte.
Und so werde ich mein Bild ausstellen und jedem selbst die Möglichkeit geben, meine Eindrücke und Erfahrungen zu bewerten.

Llapingachos y Colada Morada – Essen und Trinken in Ecuador

Auch wenn es einige Unterschiede zur deutschen Küche gibt, hat die ecuadorianische Küche einiges mehr zu bieten als nur Reis und Bohnen.

Generell ist man in Ecuador immer bestens mit Essen und Getränken versorgt.

Es gibt viele Restaurants und kleine Imbisse, welche neben der ecuadorianischen Küche auch bekannte Speisen wie Pizza, Pommes oder Döner anbieten.

Außerdem werden auch viele Gerichte auf der Straße zubereitet und verkauft, was sicherlich nicht ganz den deutschen Hygienevorschriften entspricht, aber durchaus ein kulinarisches Erlebnis sein kann. Und selbst auf Busreisen bleibt der Magen nicht leer – bei so ziemlich jedem Halt steigen neben Reisenden auch Menschen ein, die Getränke und kalte sowie warme Speisen verkaufen.

Auf dem Markt in Otavalo habe ich mit meiner Mitfreiwilligen Nina zum ersten Mal das ecuadorianische Gericht Llapingachos probiert. Vorweg: Wir haben es unbeschadet ohne jegliche Magenverstimmung überstanden! Llapingachos stammt aus Ambato und ist ein typisches Gericht im Andenhochland. Hauptbestandteil sind aus Kartoffelbrei geformte kleine Bällchen, welche in Öl und Achiote frittiert werden. Dazu wird Avocado, Tomaten-Zwiebel-Salat und Spiegelei serviert.

Eines der außergewöhnlichsten Getränke, welches ich hier probiert habe, ist Colada Morada. Es wird aus schwarzem Maismehl und Früchten wie Ananas, Naranjilla, Babaco, Andenbrombeere, Guave und Erdbeere zubereitet. Außerdem enthält es einige Kräuter und Gewürze wie Zimt, Nelken, Ishpingo (zimtartiges Gewürz), Piment, Orangenblätter, Zitronengras, Zitronenverbene sowie jede Menge Zucker. Dazu bekommt man guagas de pan, ein helles, weiches Brot in Form eines Männchens, welches mit Zuckerguss verziert wird. Leider ist dieses leckere Getränk normalerweise nur im November erhältlich. Traditionell beginnt der Verkauf am 2. November, dem „dia de los muertos“ (Tag der Toten/Allerseelen).

Wie bereits die Zutaten der Colada Morada vermuten lassen, gibt es in Ecuador eine wahnsinnig große Auswahl an Früchten, von denen ich zum Teil vorher noch nie gehört habe. Neben vielen verschiedenen Bananensorten und den mir vorher bekannten Früchten wie Papaya, Ananas, Orange, Maracuya und Mango gibt es hier zum Beispiel Babaco (Berg-Papaya), Guanabana (Stachelannone), Taxo (Bananen-Passionsfrucht), Granadilla, Baumtomate und Pitahaya (Drachenfrucht). Obst und Gemüse sind hier an fast jeder Straßenecke erhältlich, und verglichen mit deutschen Preisen sehr günstig.

Generell ist mir hier aufgefallen, dass frische, regionale und unverarbeitete Lebensmittel hier wesentlich günstiger sind als in Deutschland, dagegen sind verarbeitete Lebensmittel wie zum Beispiel Nudeln oder auch Schokolade und Kaffee in der Regel teurer. Das ist dadurch begründet, dass Ecuador wenige Lebensmittel selbst weiterverarbeitet, und dementsprechend viel im Ausland produzieren lassen muss.

Bei all den Leckereien gibt es aber auch einige Dinge, auf die man hier verzichten muss, wenn man nicht etwas mehr Geld in die Hand nehmen möchte. Vollkornbrot oder Graubrot findet man zum Beispiel nur in speziellen Bäckereien, und dafür muss man dann auch einiges mehr bezahlen als für die „einheimischen Brötchen“. Genauso ist es mit Käse: Es gibt zwar einige Käsesorten in Ecuador, diese sind aber im Vergleich zu Gouda, Cheddar und Co. etwas geschmacklos. Zuletzt genannte Sorten bekommt man jedoch auch in kleinen Supermärkten, man muss nur wie beim Brot etwas mehr Geld investieren als in Deutschland. Wer gerne die bekannte Nuss-Nougat-Creme zum Frühstück aufs Brötchen haben möchte, sollte sich lieber ein großes Glas in den Koffer packen, da es hier ein halbes Vermögen kostet.

Mir ist es nicht besonders schwer gefallen, hier auf einige Lebensmittel zu verzichten, auch wenn ich mich zugegebenermaßen schon auf das erste Graubrot mit Käse in Deutschland freue. Nichtsdestotrotz werde ich hier einige Speisen sowie die riesige Auswahl an Früchten sehr vermissen.

Karneval 2

Karneval - Fasching - Fastnacht – was in Deutschland mit Masken, Verkleidungen und viel Lärm gefeiert wird und traditionellerweise die Fastenzeit einleitet, kann in Ecuador eher als Schaumparty interpretiert werden.

Alleine auf dem Weg zur Arbeit, haben wir in Ibarra schon ab dem 20. Februar immer wieder Wasserbombenschlachten oder Schaumpartys mitbekommen. Die Wasserballons sind teilweise sogar mit Mehl gefüllt und die berühmten karioka, die plötzlich überall verkauft werden, sind Spraydosen mit Schaum. Beides wird den ganzen Tag lang aus diversen Bussen oder von Dachterrassen geworfen und fremde Leute werden mitten auf der Straße mit Schaum vollgesprüht - ohne Rücksicht auf Verluste versteht sich. Diese Tradition hat vorchristliche Wurzeln, denn schon damals haben die Indigenen der Anden ein Fest veranstaltet, um böse Geister aus ihren Maisfeldern zu vertreiben.

Doch nicht überall in Ecuador sieht Karneval so aus. Wer nicht sonderlich auf Schaum steht, der sollte nach Ambato gehen. Dort wurde dieser Brauch nämlich durch Blumen ersetzt. Jedes Jahr findet dort die Fiesta de las Frutas y de las Flores statt (Fest der Früchte und Blumen). Mehrere Blumenkorsos fahren durch die Stadt, es gibt eine große Blumenausstellung und am letzten Tag ziehen unzählige Blumenzüchter mit ihren Blumen durch die Straßen. Generell spielen im ecuadorianischen Karneval Straßenumzüge mit Musik und farbenfrohen Kostümen eine wichtige Rolle. Außerdem werden überall traditionelle Speisen angeboten.

Karneval 1Karneval 3

Wir wollten uns davon selbst ein Bild machen und so zog es uns über die Feiertage nach Ambato. Alle Hotels und Hostels waren schon Wochen vorher ausgebucht, aber zum Glück kamen wir bei der Familie eines Mitfreiwilligen aus Quito unter. Wie bei den Meisten Feierlichkeiten, gab es auch hier wieder kostenlose Live Konzerte, wovon wir gleich an unserem ersten Abend in Ambato eines besuchten. Am nächsten Tag gab es dann die großen Straßenumzüge. Hierbei haben wir sehr deutlich gemerkt, wie viele Menschen extra für Karneval nach Ambato angereist sind, denn als wir nach einem entspannten Frühstück in die Altstadt wollten, war schon alles voll und wir mussten sehr lange suchen um auch nur einen kleinen Blick auf die Paraden zu erhaschen. Schließlich waren wir aber sehr beeindruckt von den aufwändig und aus echten Blumen gestalteten Wägen und allen möglichen Tänzen. Es sind sogar Leute extra aus Costa Rica, Mexiko und dem Baskenland eingereist um sich dort zu präsentieren. Traditionelle Tänze des Baskenlandes schauten wir uns am nächsten Tag auch noch einmal etwas intensiver an. Danach ging es in die Blumenausstellung, bei der der ganze Raum und alle Tiere aus echten Blumen bestanden, was ich schon sehr beeindruckend und schön fand. Abends kam dann das Highlight: ein Konzert von Sebastián Yatra. Das ist ein sehr bekannter kolumbianischer Sänger im Bereich der romantischen Ballade, Latin-Pop und reggaetón.

Alles in allem also mal ein ganz anderer Karneval, bei dem es nicht Helau oder Alaaf sondern „Ambato tierra de flores“ hieß!

Tamara

Karneval Gruppe

Nina

Die Indigenen nehmen in Ecuador mit einer Anzahl an rund 1 Mio. Menschen einen Anteil von etwa 7% der Gesamtbevölkerung ein. Diese gehören 13 verschiedenen Völkern mit jeweils eigenen Sprachen an, die größten sind hierbei die Kichwa aus der Sierra und die Shuar aus dem Amazon. Das sind bisher jedoch nur ziemlich trockene Fakten, die meiner Meinung nach die Frage nicht beantworten, wie die Indigenen hier in Ecuador in der Gesellschaft positioniert sind.

Wie sieht es mit Vorurteilen aus, die ich hin und wieder aufgeschnappt habe, wie z.B. dass Indigene durch ihre Bräuche zurückgeblieben, weniger wohlhabend als andere Bürger oder einfach eine Randgruppe der Gesellschaft sind?

Bevor ich nach Ecuador gekommen bin, wusste ich zwar, dass es Indigene gibt, jedoch war ich mir nicht bewusst wie präsent diese im alltäglichen Leben sind. Ob im Bus, auf der Straße oder auf dem Markt ihre Waren verkaufend, in Ibarra sieht man die farbenfrohen Uniformen, bestehend aus einer bestickten Bluse, Lederrock, Sandalen und Goldschmuck, bzw. die Männer mit Hut, Hemd und einem langen geflochtenen Zopf gefühlt an jeder Straßenecke und teilweise sind ganze Stadtteile wie La Esperanza oder Zuleta größtenteils von Indigenen bewohnt. So unterscheiden sich die Indigenen rein äußerlich ziemlich offensichtlich - ob das die Gesellschaft in Ecuador nun spaltet? Wie ich es die letzten Monate aufgenommen und erlebt habe, kam es mir nicht so vor. Dazu muss erwähnt werden, dass mir gesagt wurde, dass der Rassismus Indigenen gegenüber vor allem in den Großstädten Guayaquil und Quito immer noch besteht. Die Indigenen tragen ihre Kleidung mit Stolz und für die Nicht-Indigenen Ibarreños sind Indigene ganz normale Bürger wie sie, nur mit einem anderen kulturellen Hintergrund. Deren Lebensweise und Kultur wird von ihnen respektiert, für mich wurde das besonders deutlich, dadurch, dass Schulkinder meistens nicht die eigentlich obligatorische Schuluniformen tragen müssen, sondern auch in ihren Trachten zur Schule gehen. Eine besondere Position haben die Indigenen nochmal in Otavalo, wo sie auf dem über Landesgrenzen bekannten Markt ihre Waren wie Textilien oder Schmuck anbieten. Durch diesen Handel haben sie teilweise so einen Reichtum erlangt, dass man es der Stadt ansieht und sie auch in andere Länder gereist sind, um dort auf Märkten zu verkaufen, wir haben zum Beispiel mit einem Mann gesprochen, der schon in dem Berliner Mauerpark seinen selbst hergestellten Schmuck verkauft hat. Die Kinder der otavalensischen Indigenen sollen beruflich jedoch nicht deren Beispielen folgen, sondern eine gute Bildung erhalten, so besuchen diese teils die besten privaten Universitäten des Landes. Allgemein wird gesagt, dass die ecuadorianischen Indigenen die indigene Bevölkerung Lateinamerikas am besten repräsentieren, weil sie Teil der Gesellschaft sind, ohne sich stark anzupassen. Positive Aufmerksamkeit haben sie auch vor allem durch ihre Aufstände und politischen Aktivitäten bezüglich der wegfallenden Subventionen für Diesel im Oktober 2019 auf sich gezogen.

Auch in unserem näheren Umfeld haben wir Kontakt zu Indigenen - unsere Vermieterin beschäftigt eine Frau als Haushaltshilfe, ein Mädchen aus meiner casa und unsere Sprachlehrerin sind indigen. Letztere hat im Alltag die ganz traditionellen Bräuche wie die Tracht abgeschworen und trägt so Jeans und Pulli, hat ein Smartphone und ist auf Facebook unterwegs. So widerlegte sich für mich auch das Vorurteil, von durch ihre Traditionen vom aktuellen Leben zurückgebliebenen Indigenen.

Ein Teil der indigenen Kultur, der weiterhin sehr präsent ist, ist die Sprache. Hier in Ibarra gehören die Indigenen dem Stamm der Kichwa an und sprechen neben Spanisch meistens noch die gleichnamige Sprache Kichwa. Von dieser sind einige Wörter fest im lokalen Wortschatz verankert, für uns durch die Kids am meisten auffallend die Bezeichnung ñeño und ñeña für Bruder bzw Schwester gegenseitig. Kleine Kinder werden auch von den Educadoras gerne Guaguas genannt. Die Bezeichnung Minga für das Zusammenkommen, um sauberzumachen sowie viele Essensvokabeln wie canguil (Popcorn) ,mote (Art Mais), choclo (Art Mais), papa (Kartoffel), morocho (Art Getreide), taxo (Frucht), zapallo (Kürbis), quinoa. Die Übernahme und der Gebrauch dieser einigen Vokabeln sehe ich in einem gewissen Sinne auch als Wertschätzung dieser Kultur an.

Für dieses Ansehen und die bestehenden Rechte haben die Indigenen allerdings jahrzehntelang gekämpft und protestiert. Dazu beigetragen hat vor allem CONAIE (Indigenous Nationality Confederation of Ecuador) bzw. ihre Mitglieder. 1986 wurde diese Organisation gegründet, um Gruppen von Indigenen zu bilden, die als Widerstandsbewegung in Form von Protesten etc. politischen Druck ausüben. 1998 wurden schließlich die indigenen Rechte in der Konstitution geschützt und Indigene offiziell als Teil des Staates angesehen. So ist Ecuador ein multinationaler Staat, in dem Kichwa einen Status als vize-offizielle Sprache beinhaltet. Dieser Aspekt wird allerdings nicht ganz erfüllt: in Institutionen des öffentlichen Sektors wie Schulen, Krankenhäusern und Verwaltungsgebäuden wird meistens nur in Spanisch gesprochen und ausgeschildert. Eine Ausnahme bildet z.B. das Gericht in Ibarra, wo alle Schilder zweisprachig sind und auch indigene Sozialarbeiter arbeiten. Der Wohnraum und die Existenzgrundlage anderer Gruppen von Indigenen sind allerdings stärker gefährdet: die Waorani durch die Ölförderung in ihrem Reservat, dem Yasuní Nationalpark oder die Shuar durch intensiven Kohleabbau in ihrem Territorium. So sind die Grundrechte der Indigenen leider landesweit immer noch nicht gegeben, sondern müssen sich von diesen erkämpft werden.

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