Casa Familia
Nach neun Monaten verlasse ich nun Ecuador: Verabschiede mich von den Kindern, sage meiner WG bis bald und höre – für ein vorerst letztes Mal – die Leute um mich herum Spanisch sprechen. Nach dieser Zeit ist mir die Welt, in der ich in Ecuador gelebt habe, präsenter als das Leben, das mich in Deutschland erwartet. Auch wenn der Abschied traurig war, war er schön und abschließend, sodass ich nun vielleicht bereit bin, zu gehen, aber nicht bereit bin, zuhause anzukommen. Ich nehme definitiv mehr Geschichten mit als Souvenirs. Es wird unmöglich sein, die Gesamtheit jener zu teilen, obwohl ich dieses Jahr so viel geteilt und in Gemeinsamkeit erlebt habe. Über geduldige und interessierte Zuhörende werde ich mich freuen. Selbst wenn es zunächst die typischen abgedroschenen Fragen sind, die gestellt werden: Jede Geschichte hat ihren Anfang.
Verging die Zeit schnell?
Es gab die Zeit des Kennenlernens. Es gab die Zeit des sich vertraut Fühlens. Es gab die Zeit des sich wohl Fühlens. Wenn ich die Beziehung zu den Kindern am Anfang und nun am Ende vergleiche, scheint es mir, als wäre eine Ewigkeit vergangen. Das Aufbauen von Vertrauen braucht Zeit und wie viel wir davon zusammen verbracht haben, ließ uns einander vertraut werden. Ich konnte sie zu siebt mit zu uns nach Hause nehmen, Pizza backen, Verstecken spielen, sie bei mir übernachten lassen und wusste, dass keiner in der Nacht plötzlich nach Hause wollen würde und sie mir am nächsten Morgen beim Aufräumen helfen würden. Sie haben sich wohl gefühlt und ich mich wohl mit ihnen. Auf der anderen Seite hat es in den ersten Wochen, in der Phase des Kennenlernens, immer wieder Momente gegeben, in denen wir uns vertrauter wurden oder – aus meiner damaligen Sicht – schon vertraut waren. So lebte man von einem Vertrauenserfolg zum nächsten, blind dafür, dass dies noch lange nicht der Höhepunkt sein würde. Auf diese Weise verflog die Zeit, aber nun am Ende, von ganz oben, sehe ich, was sie aus uns gemacht hat: Vertraute.
Der Zauber der Vergänglichkeit während der letzten Wochen hat den endgültigen Abschied nicht leichter gemacht. Das bessere Abschiedsnarrativ ist, dass die Kinder, wenn ich in einiger Zeit wiederkomme, nicht mehr da sein werden, weil sie hoffentlich eine Familie haben. Ich hoffe sehr, dass sie zumindest irgendwann an die Nummer schreiben, die ich im Fotoalbum gelassen habe. Ich habe die Endgültigkeit des Abschieds von den Kindern erst sehr spät verstanden. Aber als sie – symbolisch auch noch sehr treffend – im Auto wegfuhren und ich zurückblieb, hat die Welt, in der ich in den letzten Monaten gelebt habe, kurzzeitig schon aufgehört, bevor ich überhaupt im Flugzeug saß. Überhaupt ist es verrückt, dass man in einem Tag, in nur einem Tag im Verhältnis zu den 271 Tagen, die ich hier war, wieder in seine alte Welt zurückkommt, die so lange die Vertraute und zunächst Vermisste war.
Ich denke, ich werde in Deutschland immer die Augen offen halten für mögliche Spenden für die Fundación Christo de la Calle. Ich weiß, dass manchmal Geld für den Bus fehlte oder die Educadoras die Gasflaschen aus der eigenen Tasche bezahlen mussten und dass demensprechend kein Dollar ungenutzt verschwindet. Die Fundación macht eine unglaublich wichtige Arbeit und die Dinge, die vielleicht noch zu verbessern sind, entwickeln sich im Prozess. Denn auch das braucht Zeit. Und Geld.
Ohne zu wissen, wie es geworden wäre, bin ich so glücklich, dass es damals nicht genügend Freiwillige in Quito gab und ich mit diesen unglaublichen vier Deutschen, die nun auch Vertraute sind, und der erfüllenden Herausforderung im Projekt in Ibarra gelandet bin. Die anfängliche Sorge, nicht unterstützend zu sein, wich als ich sah, wie nahbar die Kinder wurden, nachdem man sich vertraut hatte. Ich werde in Deutschland die Ohren für das Klingeln meines Handys offenhalten, wenn mich eine ecuadorianische Nummer anruft.
Ich hatte eigentlich gedacht, fünf typische abgedroschene Fragen zu beantworten, doch stellt sich heraus, dass sogar die einfachste Frage, mich so viel über mein Jahr erzählen lässt.
Jede Geschichte hat ihren Anfang. Und jede Geschichte hat ihr Ende.
Das Kapitel Ecuador endet hier.
Ich bin unbeschreiblich glücklich und dankbar für diese Erfahrung und auch ein bisschen stolz über den aufgebrachten Mut, so lange von meinem Zuhause weggewesen zu sein.
Es ist faszinierend, wie man mit der Zeit überall auf der Welt sein Casa Familia – ein Zuhause und eine Familie – finden kann.

Als die Kinder am Freitag ins Auto gestiegen sind
und ich alle noch umarmt habe und J. im Kofferraum stand und ich weinend vor ihr stand, tat‘s richtig weh. I. ist dann neben ihr eingestiegen und die Kinder schauen immer so besorgt, wenn man weint. Sie beugen sich dann auch neben dir runter, wie du das eigentlich machst und versuchen dir ins Gesicht zu schauen und fragen dann mit sanfter Stimme: Por qué lloras, Feli? Und ich hab sie dann angeguckt, in diese warmen braunen Augen, die ich wahrscheinlich nie wieder sehe, weil sie hoffentlich adoptiert oder wieder in ihre Familie eingegliedert werden, hatte diesen Kloß im Hals und antworte ihr: Porque me voy… para siempre. Was ist „für immer“ für eine Dreijährige? J. hat glaube ich „den Ernst der Lage” irgendwie verstanden und mich auch nochmal gedrückt. B. und A. wissen, dass sie mich wahrscheinlich nie wieder sehen und man baut einfach eine Bindung über 9 Monate auf. Ich konnte die beiden fast nicht mehr anschauen, weil sie auch geweint haben. Es ist auch eine Ehre so eine wichtige Person für die Kinder zu sein. Ich bin neben dem Auto hergerannt und hab noch gewunken und Kusshände geworfen, und ich hab ein paar Kids lächeln sehen. Weil das ist, was ich das Jahr über oft gemacht habe: Aus dem Nichts komisch zur Musik tanzen oder schräg mitsingen oder jemandem hinterherrennen, um ihn dann unter den Arm zu klemmen und zu kitzeln. Ecuador war eine Bereicherung, die ich nicht missen möchte. Ich meine, ich wüsste auch nicht, was ich gemacht hätte, wenn ich keinen Freiwilligendienst gemacht hätte. Allerdings weiß ich jetzt mehr über mich selbst und hab mehr gelernt und erlebt als in der Uni. Klar, andere sind auch von zuhause ausgezogen und haben sich selbst versorgt und haben Verantwortung übernehmen müssen, aber sie haben eben nicht in einem anderen Land auf einem anderen Kontinent in einer WG gelebt und mit Kindern gearbeitet, für die man auch oft und gerne Verantwortung übernommen hat und das ganze eben nicht auf einer Sprache, die man erst noch lernen musste. Und dafür bin ich dankbar. Dankbar, dass ich so viele tolle, neue Leute kennenlernen durfte, dass ich echte Freunde gefunden habe. Dankbar, dass ich eine zweite Familie, Schwestern und nervige Brüder gefunden habe. Dankbar, dass ich ein wundervolles Land erkunden konnte, dass ich ein Jahr im casa familia Bellavista helfen konnte, dass ich all diese Kinder lieben gelernt habe, auch wenn ich mir einmal dafür das Knöchelband anreißen musste. Dankbar, dass ich bei dem besten Tanzlehrer Salsa lernen konnte, dass ich in unserer Stammbar bekannt und gerne gesehen war. Dankbar, dass ich am Ende keine Touristin mehr war und mich auch nicht so gefühlt hab. Ich war beziehungsweise bin Ecuadorianerin. In meinem Herzen wird Ibarra die Hood bleiben, allein schon, weil man willkommen ist zurückzukommen, weil man mehr als einen Schlafplatz hat, weil man geliebt wurde. Ich weiß nicht, wie Deutschland wird. Ich werde mich an Buspläne halten müssen, wieder pünktlich sein, die Entspanntheit wird fehlen, weil alles wieder stressig wird. Alles wird wieder hyperkorrekt sein, und man wird sich in Kleinigkeiten verrennen anstatt es einfach zu TUN. Versteht mich nicht falsch, ich freue mich sehr auf Deutschland, auf ein Briegel mit Gouda jung, aber ehrlich gesagt, auch wenn ich nie ein gutes Wort über ecuadorianischen Käse verloren habe, am Ende hatte ich mich dran gewöhnt und hab manchen Käse tatsächlich gerne gegessen. Ich mag auch keinen Reis und es gab diese 9 Monate selten einen Tag, an dem ich keinen Reis gegessen habe. Das war einfach schlimm. Es gibt leckere Gerichte in Ecuador, aber das überall Reis dazu muss, naja… Was ich sagen will, der Mensch kann sich an viele Dinge anpassen und man kann lernen Dinge zu mögen. Ich werde mich wieder an Deutschland gewöhnen, natürlich, aber als wir die neuen Freiwilligen getroffen haben, meinten wir danach alle, die sind noch richtig im „Deutschsein“ drinne und wir fanden’s alle bissl anstrengend. Ich weiß noch, wie Claudia einmal meinte, die Italiener wären so stressig in der Planung und wollen genaue Listen von wegen wer alles mitkommt und ich meinte, wenn das Geld ausreicht, ist das doch egal und Claudia hat sich für die Aussage nur bedankt. Ich meine, vielleicht sind wir auch für deutsche Verhältnisse entspannt gewesen und es ist jetzt nur mehr geworden. Vielleicht werde ich diese Menge an Entspanntheit beibehalten und hoffentlich auch ein paar Wörter im Sprachgebrauch.

Anfang September fand für 4 von unseren 5 Freiwilligen das Rückkehrseminar in Köln statt. Somit ist der Jahrgang 2021/22 offiziell beendet. Ein herzliches Dankeschön an Euch für die tolle Arbeit und Unterstützung in unserer Partnerorganisation in Ibarra und Eure Flexibilität; auch wenn die Ausreise länger auf sich warten ließ als gedacht, durch viele Hürden bei der Visabeantragung.
Mein zweiter Bericht
Ich sitze in einem spartanisch eingerichteten Raum am Tisch, neben mir lehnt mein Fahrrad an der Wand und vor mir steht ein kleiner Styroporteller mit papas (Kartoffeln) und tostados (gerösteter Mais). Das einzige Essen, was ich ohne Fleisch bekommen hab. Das Restaurant, in dem ich zwar dankbar aber nicht ganz freiwillig verweile, gehört einer indigenen Familie. Die Mutter steht wartend auf Kundschaft an der Tür, vor ihr schon das vorbereitete Essen in Töpfen und ihre Tochter sitzt in ihrer Tracht mit Spiegel in der Hand am Tisch und macht sich für das Inti Raymi Fest fertig. Es ist das Sonnenfest (Raymi) zu Ehren von Inti, dem Sonnengott und wird traditionell Ende Juni gefeiert. Mich fertigzumachen hatte ich eigentlich auch vor, aber leider hat mein Handyakku aufgegeben, bevor ich den anderen eine Nachricht schreiben konnte, hinter welcher der vielen Metalltüren dieser Straßen sie gerade von Freunden angekleidet werden. Also sitze ich wartend in diesem Restaurant, wo die Frau sich netterweise bereit erklärt hat, mein Handy aufzuladen, während ich ihre papas esse und die Familie beobachte. Zwei Stunden später tanze ich dann aber, nun endlich auch eingekleidet mit der mit Blumen bestickten weißen Bluse, dem dunklen Rock, der aufwendig gefaltet und mit zwei bunten Bändern um meine Taille gebunden wurde und dem vielen Schmuck, durch die Straßen Ibarras. Der Menschenzug besteht aus Frauen in eben diesen Trachten, Männer und Frauen in den traditionellen Fellhosen und reichlich Musikern, die die Gruppe begleiten und für gute Stimmung sorgen. Und so bahnen wir uns den Weg singend und tanzend durch die Stadt, bis wir gelegentlich stehenbleiben und uns zu einem Kreis formieren- die Musiker in der Mitte und die Menschenmenge drumherum. Es wird gelacht, ein trago (Schnaps) nach dem anderen mit einem ¡salud! nach hinten gekippt und die Familien, die in den umliegenden tiendas (Geschäften) arbeiten, reichen große Schüsseln mit canguil (Popcorn) und papas rum, wo jeder eingeladen wird, reinzugreifen. So feiern wir in die Nacht und irgendwann entdecke ich nochmal die Tochter aus dem Restaurant im Getümmel mittanzen und wir lächeln uns kurz an. An solchen Abenden fühle ich mich eingetaucht in die Kultur mit dieser Selbstverständlichkeit des Miteinanders und der Lebensfreude. Dazu muss man aber sagen, so eingetaucht ich mich auch fühlen mag, ich muss trotzdem noch an jeder zweiten Ecke Fotos machen, weil ich dann doch immer die Blondhaarige bleibe.
Dieses Treiben habe ich in den letzten Wochen furchtbar vermisst. Nach unserem Trip in den Amazonas lag ich leider einige Zeit krank im Bett und hab von dem ecuadorianischen Alltag entsprechend wenig mitbekomme. Und auch wenn die erste Woche bei unserem aktiven Lebensstil hier als Ruhephase ganz guttat, war ich danach ziemlich frustriert weder die Kinder noch das Land zu sehen, während die anderen geschichtenerzählend nachhause kamen. Natürlich haben sie sich dazwischen aber auch ganz reizend um mich gekümmert.
Nun hab ich es zum Glück aber überstanden und stürze mich in meinen Alltag. Ich hab gemerkt, dass ich durch die lange Pause nochmal einen aufmerksameren Blick auf all dieses „Normalgewordene“ bekommen habe und mich die Bewunderung von der Anfangszeit packt. Das Schlendern durch den Markt, wo ich auf der Suche nach Erdnussbutter von Stand zu Stand gelotst werde und wenn ich an einem hängenbleibe mich bei jedem mi corazón (Kosename: Mein Herz) oder mi hija (Kosename: Meine Tochter) noch besser fühle. Die Kinder, die ich inzwischen so gut kenne und ich mir gar nicht vorstellen kann wie es wird, einen Tag keine Kinderumarmungen mehr zu bekommen oder die Kleinen zum Duschen zu überreden. Die Stadt, mit der ich mich manchmal schwertue, aber inzwischen meine Orte gefunden habe und besonders, wenn ich in der Abendsonne nach Hause laufe, sehr schätze. Die WG, die einen vielleicht manchmal an soziale Grenzen bringt, aber viel häufiger doch einfach ein schöner Ort ist, wenn man zusammen in der Küche sitzt oder sich mal spontan in einem Zimmer versammelt und über alles redet. Das Tanzen, das irgendwie so viel intensiver ist und gleichzeitig sehr viel Spaß macht. Und die Flexibilität in diesem Land, die man besonders beim Reisen merkt, wo es keinen Busplan gibt, wo man irgendwo landet und es aber immer Menschen gibt, die helfen. Ich meine diese Leichtigkeit, die in der Ungewissheit entsteht.
Wenn ich das so beobachte, stellt sich langsam ein leises Bedauern ein, dass ich dieses Leben nur noch 2 Monate führe. Aber neben dem Schwärmen darf man nicht vergessen, dass man in diesem Jahr allerlei Phasen durchläuft. Und eine davon war bei mir genau das Gegenteil, von dem, was ich Euch gerade beschrieben habe. Nach dem ganzen Eingewöhnen und den ersten Schwierigkeiten, sowie Erfolgen, hat sich ein Alltag gebildet. Und wie bei vermutlich jedem Alltag gibt es auch mal Tage, die grau sind. Tage, an denen man müde ist und nicht zum dritten Mal mit den Kindern über die gleiche Sache diskutieren möchte und der Geduldsfaden wesentlich schneller reißt. An diesen Tagen und folgenden Wochen habe ich meine Rolle bei der Arbeit wieder angezweifelt. Ich hab mein Spanisch kritisiert, weil es nach den Monaten doch schon so viel besser sein könnte. Meine ganzen Erwartungen an dieses Jahr hab ich nochmal ausgerollt und da dann festgestellt, dass doch noch erstaunlich viele Differenzen zur Realität bestanden.
Gerade gestern hat mich ein Mann gefragt, ob‘s genauso ist wie ich es mir vorgestellt habe und ich meinte nur, ich wusste gar nicht was ich mir vorstellen sollte. Unter uns, glaube ich, dass es deswegen immer diese Differenzen geben wird, was nicht bedeutet, dass das es schlechter ist als in meiner Vorstellung. Aber trotzdem hatte ich meine Erwartungen, die mich nicht losgelassen und dazu geführt haben, immer wieder meine Rolle und meinen Alltag zu hinterfragen. Um bei der Frage anzufangen welche Rolle ich einnehme, glaube ich, muss man da nochmal unterscheiden. Arbeit, Privatleben, im Land. Ich denke im Generellen befasst man sich mit diesem Thema während des gesamten Jahres und immer wieder ergibt sich eine neue Perspektive dazu. So habe ich auch in der Anfangszeit viel darüber nachgedacht, bin aber noch zu anderen Schlüssen gekommen.
Mich hat vor zwei Wochen bei dem Schulfest der Kinder ein Junge gefragt: ¿Eres la niñera de ellos? Ich musste kurz nachdenken, erklärte ihm dann aber - Nein ich bin kein Kindermädchen. Ich bin eher wie eine große Schwester, eine Freundin. Ich glaube, das trifft es eigentlich ganz gut. Ich bin inzwischen für die Kinder eine Vertrauensperson geworden, das bedeutet unsere Beziehung funktioniert nicht über Autorität, sondern eher über Zuneigung und das gewachsene Vertrauen zueinander. Anfangs hat mich der Mangel an Autorität zuweilen gestört und tut es ehrlicherweise bei sinnlosen Diskussionen immer noch. Jedoch eröffnet mir es auch einen anderen Zugang zu den Kindern, wenn ich sie nicht die ganze Zeit belehren muss, sondern auch mal mitlachen darf oder sie mit sanfter Strenge angucke, wissentlich, dass sie das gerade selbst verstehen. Aus diesem Grund kommen zum Beispiel hin und wieder die größeren Mädchen zu mir, nehmen mich an der Hand und flüstern mir kichernd ins Ohr was ihnen heute in der Schule passiert ist und welcher Junge was zu ihnen gesagt hat. In solchen Momenten genieße ich es sehr, diese Position des Mittendrinseins einzunehmen. Das zu verstehen tat gut, besonders in der Hinsicht, dass ich mich zunächst häufig gefragt habe, was für eine Freiwillige ich sein möchte oder besser gesagt bin. Mich beschäftigte die Frage, ob ich wirklich hilfreich bin und gut genug, in dem was ich mache. Trage ich hier wirklich etwas Nennenswertes bei? Können das andere nicht viel besser? Denn die Grundsatzfrage, was wir als unausgebildete Helfende mit Sprachbarriere, die sich erstmal an Kultur und Kinder gewöhnen müssen im Gegensatz zu Fachleuten ausrichten können, bleibt berechtigt. Bei unserem Zwischenseminar im März ging es vor allem um diese Punkte und hat mir gezeigt, dass ich gewiss nicht die Einzige mit diesen Fragen im Kopf war. Der Austausch untereinander und auch die Sicht von weltwärts auf Freiwillige, hat auf jeden Fall nochmal eine neue Perspektive hervorgerufen. So geht es gar nicht zwangsläufig darum den Kindern das meist Möglichste mitzugeben oder der Arbeit einer Fachperson nachzukommen, sondern eher um die Aufmerksamkeit und die Liebe, die wir den Kindern schenken.
Ich saß letztens mit den Kindern im Bus, als immer wieder eine Frau zu uns rüber schaute und mich anlächelte. Irgendwann kam sie zu mir und sagte mir, was für ein Glück die Kinder doch hätten, da ich so liebevoll und aufmerksam wäre. Das kennt sie gar nicht. Vielleicht ist es genau das, worum es geht und wer wir sind. Denn im Endeffekt sind die schönsten Momente, wenn man zusammen auf der Treppe sitzt und telefonieren spielt oder etwas bastelt und alle einem stolz ihr Werk präsentieren, sowie die Augenblicke, wo man zuhört, tröstet oder einfach nur Teil der Situation ist. Diese kleinen Dinge meinen schon sehr viel und sind glaub ich mit das Wundervollste, was wir aus diesem Jahr mitnehmen. Und in dieser Hinsicht kann man eigentlich gar nicht ungenügend tun oder ungenügend sein, oder? Bei dem Seminar waren wir uns zumindest alle einig, dass der Anspruch, den sich viele auferlegt haben (ehrlicherweise auch ich) nicht hilft, sondern unzufrieden macht. Diesen Anspruch kann man nicht nur auf die Arbeit, sondern auf alle Erwartung an dieses Jahr beziehen. Mein Gedankenkarussell drehte sich um die Begriffe Souveränität, Offenheit, Spanisch, Kontakte, Kultur – bin ich eingetaucht?
Im April sind wir drei Mädels zusammen für ein Wochenende nach Salinas de Guaranda gefahren. Einem kleinen Ort auf 3550 Höhenmetern, der in der Provinz Bolivar mitten in Ecuador liegt und wo es endlich mal wieder guten Käse gibt. Das war ehrlich gesagt eins meiner Highlights. Aber darauf will ich eigentlich gar nicht hinaus, sondern auf den Alltag des Freundes, den wir dort besucht haben. Er wohnt im Gegensatz zu uns in einer Gastfamilie und wir waren passend zu der Taufe seiner Gastbrüder da. Auf dem Fest hat man gemerkt, dass durch den kleinen Ort mit weniger Menschen eine ganz andere Gemeinschaft herrschte. Er kannte fast alle und zur Begrüßung wurde sich geschwisterlich auf die Schulter geklopft. Es war ein Abend voller Tanzen und Miteinanderseins, an dem ich mich unerwartet aufgenommen gefühlt habe. Der Freund arbeitet in dem Dorf als „Junge für alles“ und unternimmt am Wochenende was mit seinen Freunden und der Familie. Ein ganz anderes Bild von einem Freiwilligendienst, welches wir an den zwei Tagen bekommen haben. Und da fragte ich mich immer wieder - bin ich wirklich eingetaucht?
Es gibt wahrscheinlich viele Versionen, die man von diesem Jahr erleben kann. Jede Person erzählt von anderen Erfahrungen je nachdem welches Projekt sie hat, ob sie in einer Familie oder mit Gleichalterigen wohnt, ob sie in Quito, einer Stadt wie Ibarra oder in einer communidad (Dorfgemeinschaft) mit Indigenen lebt und auch ob sie die Wochenenden mit Reisen oder dem Leben in ihrem Ort verbringt. All diese Faktoren beeinflussen die Erfahrung entscheidend und gewissermaßen auch das „eingetaucht-Gefühl“. Und wo ich manchmal denke, dass eine Gastfamilie für die Kultur und die Sprache schön wäre, weiß ich im gleichen Zuge, dass ich die WG und das spontane Reisen niemals eintauschen wollen würde. Oder wenn die Stadt manchmal so unpersönlich erscheint, ist unsere Arbeit hingegen so intensiv und wichtig. Die Aufzählung könnte ich bestimmt noch ein bisschen weiterführen. Worauf ich bei dem Ganzen wahrscheinlich hinaus möchte ist, dass jede Versionen seine eigenen Facetten hat und ich mit meiner schlussendlich doch ziemlich zufrieden bin, denn es ist alles in allem meine Sicht und Erfahrung von Ecuador.
Ich fand einen Satz ganz schön, der bei unserem Seminar mehrmals aufgegriffen wurde – Du hinterlässt immer Fußspuren. Von einem Mädchen wurde hinzugefügt – Und Fußspuren werden immer bei dir hinterlassen. Eigentlich kann man also ziemlich beruhigt sein, oder? Denn dadurch, dass ich diesen Freiwilligendienst hier mache und so viele Leute kennenlerne, Feste mitfeiere wie das Inti Raymi Fest oder Orte bereise und Freunde besuche, werde ich zu dieser souveränen, offenen, spanischsprechenden Person, die Menschen und Kultur kennenlernt. Diese Ansprüche und Erwartungen, musste ich also lernen abzulegen, um die Leichtigkeit zu finden, die doch vieles schöner macht und die für mich auch von Ecuador verkörpert wird.
Ich meine diese Leichtigkeit, die in der Ungewissheit entsteht.
Hallo alle zusammen,
Als ich mit Fieber und Durchfall zuhause bleiben musste, habe ich mich gefragt:
Wenn ich in drei Monaten wieder nach Hause gehe, was bleibt mir von diesem Jahr?
Dieser Freiwilligendienst katapultiert uns aus unserer Komfortzone in Deutschland. All das, was unser Leben zuhause geprägt hat (Familie, Freunde, Arbeit und Hobbys), rückt in den Hintergrund, um Platz zu machen für etwas anderes. Diese Zeit in Südamerika gibt uns die Möglichkeit, sich neu kennenzulernen, ungewöhnliche Gewohnheiten zu etablieren, auf Menschen offensiv zuzugehen und über den eigenen Schatten zu springen.
Und genau das haben wir die letzten 6 Monate auch gemacht. Inzwischen haben wir hier ein zweites Zuhause gefunden, bzw. diese Wohnung in Ibarra zu unserem zweiten Zuhause gemacht. Die „Arbeit“ mit den Kindern, der WG-Alltag, das Reisen und die neuen Freunde, die wir gefunden haben, haben das fremde Land Ecuador zu einem Ort verwandelt, an dem wir uns wohlfühlen.
Vor allem in den letzten drei Monaten hat man nochmal mehr angefangen, sich mit diesem Freiwilligenprojekt zu identifizieren. Die Vertrautheit mit den Kindern lässt sich nicht erzwingen, sondern braucht einfach Zeit. In unserer Casa waren vor allem die älteren Kinder zu Beginn noch vorsichtiger, sich zu öffnen. Sie haben Freiwillige schon vorher kommen und gehen sehen. Sie wissen, dass es wehtut, wenn man eine Bezugsperson verliert. Langsam, aber sicher haben wir trotzdem unsere gemeinsamen Nenner gefunden und wissen, wie der jeweils andere so tickt. Verständlicherweise ist die zwischenmenschliche Beziehung nicht so verspielt und sorglos, wie bei den kleineren Kindern, aber es ist eine Freundschaft entstanden.
Auch der Kontakt zu Claudia und Esperanza ist inzwischen weniger funktional, sondern vielmehr freundschaftlich. Man erzählt sich Geschichten und lacht zusammen. Natürlich hat sich dadurch ebenfalls die Perspektive auf die Arbeit verändert, weil man versteht, dass der Gesamtkontext größer ist als die eigene 7-Stunden Schicht.
Außerhalb der Arbeit ist die eigene Freizeitgestaltung schon zur Routine geworden. Neben dem Salsa-Kurs, Fußballtraining und den Treffen jeden Donnerstag im Gong, sind Schachpartien am Frühstückstisch, Serienabende auf dem Sofa und Wochenendausflüge einfach Normalität geworden. Der Kontakt zu Ecuadorianern fühlt sich natürlich an, die Sprachbarriere behindert das Gespräch kaum noch und es ist spannend sich gemeinsam über Themen zu unterhalten, die dem einen ganz banal erscheinen, dem anderen völlig unbekannt sind. Nur weil sich ein Land vielleicht in einer schwierigen wirtschaftlichen Situation befindet, darf man auf keinen Fall dieses Stigma auf die einzelnen Personen übertragen. Ich habe hier wirklich beeindruckende Persönlichkeiten getroffen.
Außerdem hat sich durch den weltwärts-Tag auch unser Freiwilligen-Netzwerk ausgeweitet. Wir treffen uns inzwischen mit Freiwilligen aus anderen Projekten/Städten an den verschiedensten Orten Ecuadors wieder und erkunden das Land. Als Deutsche hier in Ecuador den Lebensalltag zu meistern, verbindet mehr als ich dachte. Und natürlich kommen alle aus verschiedenen Regionen in Deutschland und im Detail findet man Dialektunterschiede, aber alle, bis auf die „Berliner“, stimmen mir zu, dass es Flanky-Ball heißt, nicht Bierball, und wissen meistens auch, wie man eine Flasche Bier hält. Nicht, dass es jetzt nur ums Trinken geht bei uns. Man muss nämlich auch sagen, dass eigentlich alle weltwärts-Freiwillige das Herz am richtigen Fleck haben, ansonsten hätten sie das Programm gar nicht erst gemacht. Ich habe richtig viele tolle Menschen kennengelernt! Die Alltagsrealität von anderen Freiwilligen in anderen Projekten mitzubekommen ist total beeindruckend, trotzdem muss ich sagen, dass ich keinesfalls tauschen wollen würde. Die Arbeit mit den Kindern in Yuyu2 ist geduldstechnisch anspruchsvoll und emotional fordernd, aber um ehrlich zu sein, würde ich kein Kind freiwillig hergeben wollen. Diese zwischenmenschliche Verbindung mit den Kleinen (und „Großen“) entsteht nicht in vielen Projekten, so viel ist klar.
Also zurück zur Anfangsfrage:
Wenn ich in drei Monaten wieder nach Hause gehe, was bleibt mir von diesem Jahr?
Keine Ahnung, was mir letztendlich von diesem Jahr bleibt. Für mich geht es jetzt darum, die Zeit mit den Kindern zu genießen, ein bisschen zu reisen und viel zu lachen. Den Rest spare ich mir für den dritten Bericht auf. Sich andauernd den Kopf über sowas zu zerbrechen hilft doch keinem.

Ist Ecuador ein armes Land und was ist arm eigentlich?
Im Februar hatten Lea und Rupert Geburtstag. An sich ein Tag, an dem wir eben Geburtstag feiern. Mit Rupert sind wir Paintball spielen gegangen und Lea hat sich einen Ausflug nach Baños gewünscht. Ich will hier jetzt auch gar nicht erzählen, wie das war oder was wir gemacht haben, das Thema dieses Zwischenberichts begegnete mir nämlich bereits auf der Hinfahrt.
Im Bus befanden sich nämlich andere deutsche Menschen. Oma, Mutter und drei Kinder, die ich dann irgendwann neugierig angesprochen habe, weil meine Fantasie mir keinen Aufschluss gab, was diese fünf Leute, während der Schulzeit, hierher verschlagen hat. Ich habe mich hauptsächlich mit den beiden älteren Kindern unterhalten, die immer noch unter 10 waren und sie haben viel erzählt, hier konnten sie ja eher weniger mit den Menschen reden. Gegen Ende kam dann die Frage, die mich komplett aus der Bahn gerissen hat: „Ist Ecuador ein armes Land?“ ich weiß nicht mehr, was ich geantwortet habe, was ich weiß ist, dass ich mich danach zu Lea gedreht habe, ihr das erzählt habe und sie genauso verwirrt schien wie ich. Das Gute war allerdings, dass ein Gedankenhagel auf uns losging, den ich jetzt gerne ungefähr wiedergeben würde.
“Regeln machen uns zu Menschen.”, zumindest habe ich das mal gelesen. Wir passen Verhaltensstrukturen an, sowie uns an sie und können als Gemeinschaft leben. Regeln sorgen für Gerechtigkeit und damit vielleicht auch für eine Einschränkung des wirklichen Menschseins - wer weiß das schon. Wer weiß schon, was Menschen eigentlich sind, wenn es nie etwas anderes gab als Regeln, an die man sich anpassen musste, nach denen man Leben musste, um einigermaßen gut zu leben, woher wissen wir dann wie Menschen normalerweise leben würden.
Irgendwie ist das ja auch unser normal.
Regeln formen gesellschaftskonforme Menschen und Privilegien unterscheiden uns. „Ist Ecuador ein armes Land?“
Rein ökonomisch, ja. Klar, keine Frage. Aber Lea und ich haben uns darüber dann genauer unterhalten und wie definiert man eigentlich „arm“?
Zuerst nochmal die offensichtlichste Definition von arm ist die Ökonomische. Rein wirtschaftlich hat Ecuador in den letzten Jahren ein steigendes Bruttoinlandsprodukt, das 2019 bei 108,11 Milliarden USD lag, während Corona ist es natürlich eingebrochen, für 2021 lag es allerdings schon wieder 106,17 Milliarden USD. Das klingt jetzt nicht schlecht, Deutschland als Vergleichsland, da wir ja von dort kommen, hat für 2021 ein BIP von 3.570,62 Milliarden USD. Die wichtigsten Exportgüter sind außerdem Bananen, Garnelen, Öl und andere landwirtschaftliche Naturprodukte. Da Ecuador diese Rohstoffe nur verkauft und nicht verwertet, befindet es sich im primären/sekundären Wirtschaftssektor, wo sich die meisten Entwicklungsländer / aufsteigende Schwellenländer befinden. Außerdem habe ich herausgefunden, dass Ecuador ebenfalls einen Mindestlohn hat, der sich auf 425$ in Monat bezieht, das wusste ich nicht und wollte es unter diesem Topic mal in den Ring schmeißen. Zusammengefasst liegt Ecuadors Wirtschaft nicht schlecht, beziehungsweise ist aufsteigend, Paraguay und Uruguay stehen wesentlich schlechter da, mit Brasilien (2021: 1.608,08 Milliarden USD) oder Argentinien (2021: 488,61 Milliarden USD) kann es allerdings noch nicht mithalten.
Gründe dafür finden sich aber auch einfach in der geographischen Lage Ecuadors. Reicher Norden, armer Süden. Chancengleichheit, um mal einen großen Begriff in die Runde zu stellen, gibt es eben nicht nur bei Individuen, sondern auch bei Ländern.
Im Bezug auf Kultur würde ich Ecuador als reicheres Land bezeichnen, die Leute tragen ihre ortsbezogenen Trachten, indigene Sprachen werden gesprochen, Musik, Tänze, Familienfeste in unglaublichen Größen, Küche. Wenn ich an deutsche Kultur denke, fällt mir nicht wirklich was ein, kurz ist der Satz in meinem Kopf aufgeploppt: „Wir haben keine Kultur, wir haben Geschichte.“ Aber das hat Ecuador ja auch. Google gibt als erstes Ergebnis, dass ungefähr 70% der Menschen sich christlich zuordnen, danach kommt unsere tolle Wertarbeit, mir fällt die Brezel und die Currywurst ein, dann wird in der Seitenvorschau eine Liste mit Bräuchen und Traditionen vorgeschlagen unter denen sich neben „Dinner for one” am Neujahrsabend auch der Tatort wiederfindet. Klarer Punkt für Ecuador, auch wenn das hier kein Wettbewerb werden soll.
Man sagt manchmal, dass arme Menschen glücklicher sind als Reiche. Aber was ist Glück eigentlich? Wenn man was ist Glück in die Googlesuchleiste eingibt, kommt erstmal die Wörterbuchdefinition: Zusammentreffen besonders günstiger Umstände. Wenn man nach einem der wichtigsten Philosophen Deutschlands fragt, antwortet Kant, dass Glück nichts erstrebenswertes ist, sondern die Tugend. Glück sei aber ein Zustand des Wohlbefindens und Zufriedenheit. Utilitaristen definieren Glück als Lust und dem Freisein von Unlust. Was fängt man jetzt damit an? An sich will doch jeder glücklich sein im Leben, aber je nach Standort und Einfluss ist das ja auch etwas anderes. Die einen wollen viel Geld verdienen, andere eine Familie, wieder andere die Welt bereisen, die Möglichkeiten finden kein Ende. Letztens haben wir als WG auch ein Video geschaut, indem gesagt wurde, dass das Ziel im Leben gar nicht sein sollte glücklich zu sein. Da das Glücklichsein immer temporär ist. Das Lebensziel sollte sein, dass man einen Sinn (meaning) findet. Ein Sinn ist langfristig und deswegen erstrebenswerter. Ein Sinn könnte zum Beispiel sein, einen engen emotionalen Kontakt zu haben oder Transzendenz zu finden, ein Ziel (purpose), zu dem man aufleben kann, oder durch einen Perspektivenwechsel sich selbst zu reflektieren. Natürlich wäre eine Mischung aus allem oder von jedem etwas / ein bisschen am besten.
Man sagt auch, dass weniger intelligente Menschen glücklicher sind, einfach aus dem Grund, dass sie sich weniger unnötige Gedanken über Dinge, die sowieso nie passieren, machen. Ich will auf keinen Fall sagen, dass die Menschen hier „dümmer“ sind, was ich aber sagen will, ist, dass der Bildungsstandart hier wesentlich niedriger ist. Die Kinder lernen nicht zu lernen, machen Multiple Choice Tests und suchen die Lösungen der Hausaufgaben im Internet, sie müssen keine Vokabeln lernen und fragen dann warum sie keine neue Sprache verstehen. Hausaufgaben werden aufgegeben und Lösungsansätze nicht mal im Unterricht besprochen, darüber könnte ich mich echt aufregen. Kein Wunder, dass es dann auch nicht schlimm ist, wenn ein Kind eher zum Arbeiten geschickt wird als in die Schule. Durch fehlende Bildung oder Förderung hätte nicht mal Einstein die Relativitätstheorie aufstellen können. Dadurch haben sie eventuell nicht die Ansprüche an ihr Leben, die wir haben. Wenn man auf einer Farm aufgewachsen ist und vom Lebensanfang weiß, man wird dieses Geschäft übernehmen, macht man sich vielleicht keine allzu großen Hoffnungen oder eher Gedanken auf ein anderes Leben. Natürlich stellt das nicht die Mehrheit dar oder unterbindet Ausnahmen.
Wir in Deutschland machen uns über alles Gedanken, unsere Regeln und Privilegien machen uns doch auch das Leben schwer. Wir machen einen Freiwilligendienst, um etwas über uns selbst zu lernen, unseren Horizont zu erweitern, den Charakter zu entwickeln, indem wir etwas kennenlernen, das mit relativ hoher Wahrscheinlichkeit unter unserem bekannten Standard ist. Man erkennt klar: Es liegen andere Prioritäten vor.
Quellen:

Enrique unterstützte 2019/20 unser Partnerprojekt Fundación Campamento Cristiano Esperanza in Quito. Er war nicht zum ersten mal in Ecuador, da er Verwandte im Land hat. Trotzdem hat ihm der Freiwilligendienst eine neue Perspektive auf das Land und die Kultur gegeben. Die Arbeit mit den Kindern und den educadoras hat in dazu inspiriert sich auch nach seinem Freiwilligendienst bei der Ecuador-Connection einzubringen. Zur Zeit studiert Enrique Informatik an der Universität Bonn und ist in der Ecuador Connection für die Koordination mit dem Projekt in Quito verantwortlich. Konkret bedeutet das, dass er mit der Fundación in Kontakt steht und Ansprechpartner für die Freiwilligen in Quito ist. Seit 2023 ist er zusätzlich auch als Schriftführer Mitglied des Vorstands.
Was bedeutet schon Alltag?
Ungefähr 10.000 km von Zuhause entfernt, knapp 117 km nördlich des Äquators und circa 2 Kilometer über dem Meeresspiegel, in der Stadt Ibarra, in Ecuador, beginnt sich nach nun drei Monaten so etwas wie ein Alltag für mich einzustellen. Ein Arbeitsalltag, ein Freizeitprogramm, ein Reiserhythmus. Es ist ein anderes Gefühl, dass ich noch vor zwölf Wochen am Anfang meines Freiwilligendienstes hatte. Am Anfang etwas Neuem, was ebenso aufregend und chancenbergend wie anstrengend sein kann. Mittlerweile passiert nicht mehr jeden Tag etwas Neues, aber durch das Vertrauen, das ich langsam in den Kindern, der WG und dem Land finde, meistens etwas Schönes. Meine Eindrücke und Einstellungen haben sich innerhalb dieses ersten Drittels stetig entwickelt und geduldig wurde mit der Zeit deutlich, von wie vielen Seiten man auf Dinge schauen kann…
Die wenig-Verantwortung-tragen-könnende Freiwillige und eine liebe Freundin.
Die erste Zeit in den Casas wurde von Beobachtung, Lernbereitschaft und Unsicherheit begleitet. Ich war mir zunächst nicht sicher, was von mir erwartet wurde und wie ich meine Rolle als Freiwillige ausleben sollte. Besonders dem Anspruch, den ich an mich selbst hatte, nämlich mich aufmerksam und initiativ zu zeigen, war es zu Beginn aufgrund mangelnder Kenntnisse über den Tagesablauf und fehlender Spanischvokabeln schwierig gerecht zu werden. Hinzu kam, dass jede Educadora den Tag etwas anders gestaltet und auch die Kinder sich anders verhalten. Bei einer der Educadoras darf das Spielzeug aus dem Spielraum genommen werden und bei einer anderen soll am besten keine Unordnung entstehen. Die eine sieht mich gerne beschäftigt, wenn nicht mit den Kindern, dann beim Aufräumen, die nächste sagt mir, dass ich mich für eine Pause zu den Kindern vor den Fernseher setzen solle. Je mehr ich mich von den Educadoras beobachtet gefühlt gelassen habe, desto anstrengender empfand ich die Arbeitszeit. Ausschließlich Anweisungen zu bekommen, was ich machen und wo ich helfen könne, sprich in der ausführenden Position zu sein und die simplen Dinge zu erledigen, die in der Gesamtheit des Tages zwar sicher auch ihren Dienst leisten, hat mir das Gefühl gegeben, gar nichts hinterlassen zu können und wenig präsent zu sein. Seitdem ich aber zum Beispiel weiß, dass die Kinder zwischen 17 und 18 Uhr gebadet werden, wo die Schlafanzüge und Handtücher und die Windeln liegen und gleichzeitig sicher genug bin, die Kinder überfröhlich zu irgendeiner Aktivität zu motivieren versuche oder mich zu ihnen setzte, um Karten zu spielen oder zu quatschen, macht es viel mehr Spaß. Wegen unserer Visumsbestätigung und der Coronainfektion waren wir für etwa drei Wochen immer wieder aus dem Arbeitsalltag gerissen worden, was dem Prozess des beidseitigen Vertrauen-Fassens verlangsamt hatte. Die letzten drei Wochen, die ich ununterbrochen dort war, haben sowohl mein Spanisch als auch die Beziehungen zu den Kindern gestärkt. In einigen Momenten schaffe ich es nun, die Verantwortung dafür zu übernehmen, dass die Kleinen geduscht und umgezogen werden, alle die Zähne putzen oder ein Kind von der Schule abzuholen. Das klingt nach winzigen Kleinigkeiten, aber es macht sie besonders, dass sie mir nicht aufgetragen wurden, sondern ich genügend Sicherheit über den Tagesablauf hatte, dass ich sie selbst initiieren konnte. In solchen Momenten habe ich das Gefühl, wirklich unterstützen zu können. Genauso schön sind einige Gespräche mit den Kindern. Zum Beispiel mit der etwas schüchternen Rosita, die mir manchmal auch nur zuhört und mich „loca“ (Verrückte) nennt, wenn ich etwas für ihre zurückhaltende Art zu Auffälliges mache. Und als sie alle Inseln des Galápagos Archipels aufgeschrieben hat, obwohl sie nicht gut alleine schreiben kann und es schon garnicht gerne macht, war ich sehr stolz auf sie. An einem anderen Tag habe ich Gesichtsmasken mitgebracht und mit Gurkenscheiben auf den Augen, entspannter Musik im Hintergrund und dem italienischen Freiwilligen Alberto, der sich um die hypnotisierende Traumgeschichte bemüht hat, lagen wir zusammen auf dem Boden. Wie im Bilderbuch war es auch, als Nena, der Hund des Hauses, Rosita und mich bis zur Schule von Camila begleitet hat, um sich auf der Rückfahrt in den Bus zu schmuggeln, um wieder mit nach Hause kommen zu können. Es gibt immer noch Momente, in denen ich keine Ahnung habe, was und wie ich etwas zu machen habe und mit drei anderen Freiwilligen, die im Spanischen noch sicherer sind als ich es bin, wurde mir zunächst wenig zugetraut. Aber wir lernen uns kennen und werden vertrauter und in der letzten Woche bin ich jeden Tag gerne hingegangen.
Eine Schülerin und (eine) Vertraute in der Fremde.
Vor allem in den ersten Monaten habe ich mich oft dabei entdeckt, wie ich viele Gespräche mit ecuadorianischen Leuten mit den Worten „was?, warum? und wohin?“ begonnen habe: Was sind diese Blechbehälter auf den Straßen, aus denen dieser unangenehm riechende Rauch aufsteigt? Was sind die besten Ausflugsziele in Imbabura? Und das ecuadorianische Wort für „einen-Kater-haben“ ist wirklich chuchaqui? Warum haben die Häuser so selten Dächer? Wie kommen wir zu der Bushaltestelle, von der aus wir zur Laguna Roja gelangen? Wie tanzt man beim Salsa nochmal den Dile que no? Ich war oft in der Position, in der ich zugehört habe und mir etwas über das Land, die Leute, die Sprache erzählen lassen wollte. Auf diese Art zu lernen habe ich sehr genossen. Lernen tue ich auch beim Spanisch-Unterricht, den wir uns wöchentlich individuell festlegen dürfen. Trotz der Nachfragen über das Land, das Lernen der Sprache und das Arbeiten in den Casas, habe ich nicht das Gefühl, mitten in Ecuador zu leben. Es kommt mir nicht immer so vor, als wäre ich 10.000 km von Zuhause entfernt, knapp 117 km nördlich des Äquators und circa 2 Kilometer über dem Meeresspiegel: als wäre ich in kompletter Fremde. Ich glaube, das liegt zum einen daran, dass es hier trotz der wohl existenten sprachlichen, kulturellen, geographischen, kulinarischen Unterschiede doch nicht unbedingt eine „ganz andere Welt“ ist. Bestimmt ist es auch so, dass sie mir nach den drei Monaten weniger fremd erscheint und durch den sich hier aufbauenden Alltag temporär zu „meiner Welt“ geworden ist. Zum anderen habe ich durch das Leben in der WG ein vertrautes Heimatsgefühl und im Schnitt bisher auch sicher noch mehr Deutsch als Spanisch gesprochen. Die vier sind Vertraute in der Fremde, die mir als eigentlich hier Fremde immer vertrauter wird. Auch wenn es, wie in jedem Alltag, mal Unstimmigkeiten gibt, haben wir auch die zehntägige Quarantäne ohne Verluste überlebt, verbringen gerne unsere Freizeit und besonders unsere Reisen miteinander. Jeden Montag bekommen wir Salsa-Unterricht, um unser Gelerntes im besten Fall drei Tage später, am Gongerstag, auf der Tanzfläche des Lokals des Gongs anzuwenden. Darüber haben wir auch einige Leute kennengelernt, mit denen wir zum Beispiel den Imbabura, den Hausberg von Ibarra, bestiegen haben.
Eine Abenteurerin und eine Touristin.
Drei Tage nach meiner Ankunft in Ecuador, es war die erste größere WG-Aktion, fuhren wir mit dem Bus in das Dorf Valle del Chota, das sich im 17. Jh. als Enklave verschiffter afrikanischer Sklaven formiert hatte und in dem - unseren Informationen zufolge - der ecuadorianische Fußball seinen Ursprung genommen hatte. Eine knappe Stunde lang blickten wir aus den Fenstern auf die sich vor uns erhebenden Hügel, bis der Bus hielt und der Fahrer rief, wir könnten nun aussteigen. Die Sonne brannte und im ersten Moment nach dem Ausstieg sahen wir nur Straße, nämlich einen Teil der Panamericana, und Schotterwege zu beiden Seiten. Auf den zweiten Blick entdeckten wir gegenüber von uns einen kleinen Laden. Aber mehr war dort auch nicht. Ein bisschen gestrandet, deckten wir uns mit Getränken und Brötchen in der Tienda ein. Die Verkäuferin stellte sich als sowas wie eine Kulturbeauftragte für ihr Dorf vor und war höchstmotiviert, uns herumzuführen. Wir wurden zu einem Fußballplatz gebracht, wo sich die Jungs den älteren Trainierenden anschlossen, während ich versuchte, den Fußball hochzuhalten, der mir im nächsten Moment von drei kleinen Kindern abgenommen wurde. Sie waren sofort offen und sehr daran interessiert, sich von mir fangen zu lassen und meine Sonnencreme auszuprobieren. Dann wurde uns der typische Tanz des Dorfes gezeigt. Man setzt sich eine mit Wasser gefüllte Flasche auf den Kopf, die balanciert wird, während gleichzeitig die Hüften geschwungen werden. Das Schöne war, dass uns wirklich gar nichts unangenehm gewesen ist. Der Reiz war, es auszuprobieren, und die Gemeinde freute sich, dass wir es mit einer solchen Freude versuchten. Auf dem Rückweg war der Bus so voll, dass mir ein Platz auf einer kleinen Erhöhung hinter dem Sitz des wild überholenden Fahrers angeboten wurde. Es dämmerte langsam und die Städtelichter zu den Seiten der Panamericana wurden sichtbar. An diesem Tag fühlten wir uns wirklich wie in einer komplett anderen Welt und ich mich wie eine Abenteurerin, die ein neues Land für sich entdeckt. Dieses Gefühl von Entdeckungslust und Begeisterungsfähigkeit hat mich auch auf allen weiteren Ausflügen und Reisen begleitet. Zum Beispiel waren wir in dem Nebelwald Mindo, wo wir mit einer Schwebebahn über ein Tal geflogen sind, aus dem Nebelwolken emporstiegen. Zwischen den großen Blättern erhaschten wir einen Blick auf brummende Kolibris, während wir auf einem Trampelpfad an Wasserfällen vorbeiliefen. Einmal ließen wir uns selbst ins Wasser fallen, aber keinem gelang es, gegen die Kraft der herunterströmenden Wassermassen anzuschwimmen. Am Strand in Atacames spielten wir mit einer Gruppe von Ecuadorianerinnen und Ecuadorianern Fußball. Es war sehr schön zu beobachten, wie sie nach der Partie, alle verschwitzt, versandet und noch vollgekleidet, zu fünfzehnt ins Wasser rannten, bevor es dann in die nächste Runde ging. An dem Kratersee Cuicocha entdeckten wir bei der Rundfahrt mit einem kleinen Boot aufsteigende Gasblasen, die beweisen, dass der darunter schlummernde Vulkan noch aktiv ist...Diese Momente auf den Reisen, in denen Kontakt mit den Menschen oder der Natur besteht, finde ich am aufregendsten. Touristisch erschlossene Orte, wie Mindo oder auch Baños, in denen auf der Hauptstraße jeder zweite Laden ein Touristenbüro ist und mit Aktivitäten, wie Rafting, Canopying oder Klettern lockt, sind landschaftlich zwar ähnlich schön und mit ihren Angeboten reizvoll. Aber es fühlt sich mehr nach Urlaub und Tourist-Sein an, als nach Reisen und Abenteurerin-Sein. Wenn ich jetzt ein Ticket zurück nach Deutschland hätte, würde ich es verfallen lassen. Am Anfang hat uns in der aufregenden Eingewöhnungszeit manchmal ein Alltag gefehlt. Auf der anderen Seite haben wir es genossen, dass wir keinen hatten. Oder dass er anders als in Deutschland war. Oder dass er so aussah, dass wir unter der Woche gearbeitet haben und an den Wochenenden mit unseren Reiserucksäcken, der mal Bikini, mal Wanderschuhe enthielt, durchs Land gefahren sind. Wenn ich jetzt an das Ticket nach Deutschland für Ende August denke, dann freue ich mich auf die Leute, denen ich all diese Erlebnisse erzählen kann. Aber bis dahin wünsche ich mir, eine Freundin für die Kinder zu werden und zu sein, aus vielen Perspektiven die guten und schlechten Seiten von Ecuador kennenzulernen und einen abenteuerlichen Alltag.

Erster Bericht bei der Ecuador Connection
Thema: Freiwilligendienst mit Weltwärts
Kontinent: Südamerika
Land: Ecuador
Ort: Ibarra
Arbeit wo: Yuyucocha, Ibarra
Arbeit bei: Fundación Cristo de la calle
Unterkunft: Mietwohnung
WG-Mitglieder: Lea, Rupert, Merle, Caspar
Gerade sitze ich im Bus. Ich gehe mit einem Kind zur Therapie. Wenn ich aus dem Fenster schaue, sind auf den Verkehrsinseln Palmen. Wenn nicht gerade laute Musik vom Busfahrer kommt, hört man das Klingeln des Gasautos. Am Anfang hat man das noch extrem gehört und es hat gestört und jetzt? Ja, jetzt sitzen wir manchmal gespannt in unserer Wohnung, weil das Gas leer ist und lauschen angestrengt. Wir hören es nicht mehr aktiv.
Es gibt hier Bushaltestellen, aber es ist auch kein Ding den Bus von Strassenrand aus ranzuwinken und reinzuhüpfen. Etwas was ich in Deutschlandauch gerne tun würde. Genauso würde ich gerne immer nur 30 Cent Buseintrittzahlen...Hier ist vieles anders, aber das muss es doch auch sein, oder? Sonst müsste man schliesslich nicht reisen, wenn Südamerika wie Europa wäre.Bald bin ich drei Monate hier. Solange war ich noch nie von zuhause weg.Heimweh? Nein, man, zumindest ich, vermisse nur Menschen. Familie oder mit Freunden Dinge zu unternehmen. Andererseits bin ich in Ecuador und kann soviele Dinge machen. Und das tun wir als WG auch. Eigentlich die ganze Zeit. Letztes Wochenende waren wir in Baños ‒ Abenteuerstadt.
Wir fallen alle auf, ganz besonders unsere Gruppe ‒ alle sind sehr weiß, blond und gross (zumindest für südamerikanische Verhältnisse). Stärkere europäische Klischeeerfüllung gibt es glaube ich selten, aber man gewöhnt sich an das ständige Angesprochenwerden, man ist nicht mehr ganz so verwirrt, wenn man 5 mal „ No, gracias“ sagen muss, um jemanden loszuwerden, der dich nicht in Ruhe lassen will. Man weiß, wie viel man auf dem Markt für Avocados oder Bananen zahlen kann. Man weiß, dass man bei weiten Taxistrecken den Preis zuerst aushandelt. Man weiß, dass es im Zweifel immer einen günstigeren Stand gibt. Man weiß, dass man im Straßenverkehr manchmal auf's Ego pochen muss, um dann schnell über die Straße zu rennen. Man weiß, dass man Obst und Gemüse lieber auf dem Markt kauft und Fleisch, lieber gekühlt im Supermarkt. Man weiß, wie der Ablauf auf der Arbeit ist. Man weiß, dass das Spanisch nur besser werden kann. Man weiß, dass man immer von allen Seiten Hilfe bekommt, egal ob auf der Straße, auf Arbeit oder auf Reisen. Man weiß, dass man mittlerweile selbstbewusst genug ist, um seine Tasche nicht die ganze Zeit wie einen Rugby zu beschützen.
Am Anfang schien alles groß, überwältigend. Bei der Besprechung der Arbeit jeden Montag morgen, saß man dabei und hat die fünf, sechs Educadoras nicht verstanden. Sie haben schnell gesprochen und durcheinander geredet. Und jetzt sitzt man dabei und kann zumindest schon mal den Gesprächsthemen folgen. Am Anfang kannten sie den Namen nicht und man war noch die chica alemana. Heute hat mich Yolanda, eine Educadora, gefragt, wer denn dieses andere Mädchen ist, dass seit gestern da ist. Weil sie deren Namen auch nicht wusste. Sie hat mich auch gefragt, ob ich für sie über eine Webseite recherchieren kann, weil die auf Deutsch ist und sie da vielleicht arbeiten möchte. Genauso wie Aura, die Englisch lernt und jetzt auch immer nach Aussprachehilfe fragt. Man fühlt sich wie in einer Familie, weil man nicht mehr zögert blöde Fragen zu stellen und wenn niemand was versteht, gibt es immer noch Übersetzer, Arme oder Umschreibungen. Für Ruperts Geburtstag habe ich im casa, also auf Arbeit, Kuchen gemacht. Jetzt muss ich für den Geburtstag eines Mädchens auch Kuchen machen, weil die Educadora meinte, sie kann das nicht so gut. Manchmal denke ich, die Educadoras überschätzen mein Können auch. Gestern hat ein Mädchen plötzlich verkündet, dass sie online eine Klausur schreibt. In Physik. Ich kann kein Physik beim besten Willen nicht. Das Mädchen, man darf keine Namen der Kinder nennen, fragt also die Educadora: Alejandra schaut mich an und sagt: Ja, Feli hilft dir. Ich kann aber kein Physik. Mathe gerne, aber da war ich einfach raus. Also rufen wir Rupert an. Der hat Physik in der 8.abgewählt. Meine einzige Idee: Freunde aus Deutschland, die den Leistungskurs Physik hatten und tatsächlich: jemand geht ans Telefon. Wie das Schicksal es so will, hatte die Gruppe grade ein Physikexamen in der Universität geschriebenund alle waren zwar erledigt, aber noch im Thema. Dann haben meine Freunde aus Deutschland spanische Physikaufgaben gelöst, die ich dem Mädchen dann aufgeschrieben habe, sodass sie die an ihren Lehrer schicken konnte. Das macht man halt mal. Ein explizites Danke gibt es nicht, aber das erwartet man irgendwie auch nicht.
Ecuadorianer sind ein ganz anderer Schlag von Menschen. In Deutschland würde niemand mit uns zwei Straßenblöcke weit laufen, um uns eine Bushaltestelle zuzeigen, hier muss man aber auch anfügen, dass ecuadorianische Bushaltestellen und Busliniensysteme ein Ding für sich sind. Apropos Fortbewegungsmittel: In Atacames, einer Stadt an der Küste sind wir nach einem Buchtbesuch an der Straße gestrandet. Kein Bus mehr zurück, wir hilflos: was tun? Eine Idee: Anhalter. Ist das gefährlich?, nimmt uns überhaupt jemand mit? und und und, Fragen über Gedankengänge. Als wir uns einstimmig entscheiden es zuversuchen, stellt sich Caspar als Erstes an den Straßenrand und streckt unglaublich zögerlich den Daumen raus. Schon der erste Pick-up hält. Nachdem wir kurz die Situation geschildert haben, machen die Leute auf der Ladefläche wortlos Platz und setzen sich ins Auto. Zu fünft auf der Ladefläche können wir es nicht fassen, wie irre ist das denn? Unsere gute Laune bringen wir zum Ausdruck. Wenn wir ein Auto überholen, jubeln wir und nach kurzer Diskussion machen wir als erstes Lied „Dancing Queen“ von ABBA an und singen mehr schlecht als recht mit, sorgen aber für ein paar Lacher aus Richtung des Fahrersitzes.
Egal wo du bist, jemand kann immer helfen, und wenn derjenige es nicht weiß, wird halt kurz der Kumpel im Laden nebenan gefragt. Besonders ist mir das auf dem indigenen Markt in Otavalo aufgefallen: an sich kann man an jedem Stand dasselbe kaufen, das Ganze unterscheidet sich nur durch Muster und Farben und natürlich Produkt. Der eine Stand ist komplett auf Hosen spezialisiert, einanderer auf Ponchos oder Schmuck, usw. Interessant ist hier jetzt, dass wenn man nach einer anderen Farbe oder Größe fragt, Ladenbesitzer kurz verschwinden und dann mit Gefragtem wiederkommen. Dass sie zu anderen befreundeten Ständen gehen, wissen wir, weil wir das eben schon mitbekommen haben wie jemanden etwas mitgegeben wurde oder wir eben mit zu einemanderen Stand gelaufen sind. Wenn man das von dem anderen Stand aber kauft, weiß ich nicht wie das mit der Preisverteilung läuft, aber das sind wahrscheinlich zu kapitalistische Gedanken für Ecuador. Die Menschen sind hier irgendwie anders orientiert, zum Beispiel fragen wir uns auch oft, warum es so viele Essensläden gibt, in denen nie jemand zu speisen scheint - wie können die sich über Wasser halten?? Es könnte aber auch sein, dass die Essenzeiten hier verschoben sind. Um 20.00Uhr, bei uns ja eine Essensgehenshochzeit, findet man hier so gut wie keine Menschen in Restaurants, wenn wir aber gehen, füllen sich die Tische.
Hier auch noch eine kleine Geschichte/Anekdote: Wenn man eine Cola oder hier eher Pepsi bestellt, ist das kein Problem, nur geht der Ladenbesitzer dann meistens in die tienda nebenan, kauft eine Pepsi und serviert sie dir frisch gekühlt, warum sollte man sowas auch auf Vorrat da haben?
Unser Salsalehrer Amaru gibt zum Beispiel nur Tanzstunden und arbeitet sonst nicht, wie kann er sich dann aber den Tank für sein Auto leisten oder die fancy Kamera, mit der er mal mitten auf der Kreuzung stand und mich fotografiert hat? Das macht er freiwillig - Fahrradfahrer fotografieren, um für bessere Radwege zu werben. Man war ich verwirrt, als ich über die Straße gerast bin und jemand im Augenwinkel die Kamera hochreißt, dann dreht man sich um, weil das ja schon komisch ist und Amaru winkt dir grinsend zu.
Oder der Rollstuhlfahrer in der Straße der Sprachschule, vollkommen ohne Gegenleistung winkt der jedes riesen Auto, die nebenbei bemerkt meistens Pickups sind, in die Parklücke. Dafür fährt er manchmal zwar etwas kopflos zwischen den Autos rum, aber jeder bekommt Einparkhilfe.
Oder die Livemusik im Bus, da steigt jemand ein, hat ne fette Musikbox dabei und fängt an zur Handymusik ,Flöte zu spielen. Unglaublich laut und jedermanns Geschmack war das sicher nicht - in Deutschland hätte man da sicher schon den Ausknopf gedrückt, aber hier? Manche lauschen, andere ignorieren die Musik oder lächeln ermutigend,fast so wie wir, die begeistert und bisschen peinlich berührt klatschen.
Wir als Gruppe funktionieren gut, zumindest meiner Meinung nach. Für Außenstehende ist es nicht sichtbar, weil man uns ja auch über einen Kammscheren darf, aber auch wir bemerken Unterschiede, vorallem in Sprache und Aussprache. Merle, Caspar und ich sagen Soße, die anderen sagen Sose. Hier zeigt sich der Unterschied zwischen und der Berlin und BW/Bayernfront und dem Team aus NRW. Komplett verwirrt habe ich Lea und Rupert aber, als ich morgens angefangen habe von „Wecken“ zu sprechen. Fassungslos schaue ich zu Caspar - hat mich verstanden, genauso wie Merle, die das gesuchte Wort „Brötchen“aber mit „Schrippe“ umschreibt. Genauso muss man sich gegen die Standartdeutschlandvorurteile durchsetzen. Als Schwabe muss man geizig sein, die aus Bayern haben zu viel Geld, in NRW ist das Abi ein Witz und Berlin? Ja,was soll ich sagen, laut Merle viel besser als ganz Deutschland, irgendwie ein Dorf und natürlich multikulti.
In Ibarra kennen wir so gut wie alle anderen „Weißen“, wenn wir dann also anderen Europäern begegnen ist es irgendwie immer cool. In Banos waren Lea und ich mit dem Quad unterwegs, fahren über eine Brücke, müssen stehenbleiben und neben uns steht eine Dreiergruppe von blonden Mädels. Da andere Weiße im Zweifel eigentlich immer mehrheitlich aus den USA kommen, wie wir schon öfter festgestellt haben, frage ich: „USA?“ Nein, diesmal sind es die Netherlands. Auf unsere Antwort Germany, folgt ein kurzes Jubeln und ich meinen ur noch laut: Team Europe! Was für Lachen sorgt. Und dann fahren wir weiter.
Einleben in Ecuador
Der Verlierer zahlt den Platz. Fußball wird hier in Ecuador im 6 vs. 6 Format auf Kunstrasenplätzen gespielt, die vermietet werden. Der Ball ist schwerer und insgesamt erinnert es mich eher an Hallen-Futsal, als an das klassische 11 vs. 11. Es gibt keinen Trainer und gelegentlich kommt auch mal jemand zu spät, aber zum Ende hin wird es immer ein bisschen hektisch, weil die Platzmiete unter dem Verliererteam aufgeteilt wird - das gefällt mir.
Die letzten drei Monate sind schnell vergangen, ich habe viel erlebt, es gab sowohl Höhen als auch Tiefen. Vorneweg kann ich sagen, dass ich hier glücklich bin. Mein Freiwilligendienst in Ecuador hat viele Facetten und Perspektiven, die für mich eher in einem Gesamtkontext stehen, trotzdem versuche ich jetzt einzelne Punkte stärker in den Vordergrund zu stellen, um meine Erfahrungen besser in Worte fassen zu können.
Das Projekt
Der weltwärts Freiwilligendienst versteht sich als Lehr- und Lernerfahrung, somit wird zunächst einmal klar, dass wir als Freiwillige keine ausgebildeten Fachkräfte sind. Als Freiwilliger muss man sich das immer wieder bewusst machen.
Durch die Kooperation der Ecuador-Connection mit der Fundacion „Cristo de la Calle“ wurde unser Projekt auf die Beine gestellt. Die Fundacion kümmert sich um Kinder, die aus verschiedenen Gründen nicht mehr bei ihren Eltern leben können und bietet ihnen ein Zuhause in einer „casa familia“. Insgesamt gibt es drei Häuser, in jedem Haus wohnen ca. 10-13 Kinder unter einem Dach. Die Altersstruktur ist sehr gemischt, vom kleinen 2-jährigen, der noch gefüttert werden muss, bis hin zur pubertären 15-jährigen, die dieselbe Lieblings-TikTok-Darstellerin hat, wie meine kleine Schwester in Deutschland. Für sie alle ist das Leben in der „casa familia“ Normalität. Schulalltag, Fußballtraining und im Haushalt helfen gehören genauso dazu, wie gemeinsame Mahlzeiten, Zocken/YouTube am Computer und Streit mit den anderen Kindern. Unsere Aufgabe als Freiwillige ist es dementsprechend, den „educadoras“ (Erzieherinnen) zu helfen, den Alltag der Kinder zu managen.
Das hört sich jetzt vage an und um ehrlich zu sein, stand ich am Anfang auch öfter im Weg herum, als dass ich wirklich unterstützend eingreifen konnte. Aufgrund von Sprachbarriere, Unwissenheit und Überforderung musste man sich ein bisschen durch die ersten Wochen strampeln, bis man sich in der Routine eingefunden hatte. Der individuelle Umgang mit den Kindern ist aber mit der Gewohnheit einfacher geworden und inzwischen ist man schon zu einer Bezugsperson geworden. Der Aufgabenbereich reicht von Hausaufgaben-Unterstützung (vormittags) über Freizeitaktivitäten (nachmittags) bis hin zum Windeln-Wechseln. Ich hätte nicht gedacht, dass mich der tägliche Umgang und Kontakt mit den Kindern so erfüllen würde.
Die Wahrheit ist nämlich, je mehr man sich engagiert, desto mehr kann man auch aus der Arbeit ziehen. Zunächst geht es natürlich darum, die Sprachkenntnisse zu verbessern, um sich besser verständlich machen zu können. Darüber hinaus merken es die Kinder aber, wenn du dir Mühe gibst. Das fängt schon bei den ganz „normalen“ Sachen an, bspw. Musik beim Abspülen anzumachen, echtes Interesse in einem Gespräch zu zeigen oder bei den Hausaufgaben zu loben. Dementsprechend erhält man auch positives Feedback von den educadoras, wenn man während der Arbeit versucht mitzudenken und beispielsweise schon mal mit dem Kochen anfängt oder ein Auge auf die kleineren Kinder hat.
Alles in Allem fühle ich mich im Arbeitsalltag sehr wohl und merke auch, wie ich mir selbst mehr Verantwortung zutraue. Die Arbeit ist ohne Frage anstrengend und fordernd, aber hin und wieder hilft es sich vor Augen zu führen, dass sich die 13 Kinder in meinem Haus eine educadora teilen müssen, wohingegen ich zuhause in Deutschland zwei Eltern habe. Neben all den funktionalen und praktischen Tätigkeiten im Umgang mit den Kindern, sind Aufmerksamkeit und Lob und gemeinsames Lachen mindestens genauso wichtig. Ich bin gespannt, wie die nächsten Monate so laufen werden.
Das WG-Leben/Freizeit
Das ganze Drum-Herum darf man aber auch nicht vergessen. Das Leben in Ibarra ist ganz anders als mein Leben in Deutschland. Für mich ist es das erste Mal, dass ich ohne Eltern in einer WG wohne. Ich bin auf jeden Fall sehr froh, dass die anderen Freiwilligen (Lea, Merle, Feli und Rupert) mit mir zusammen hier sind. Rupert ist ja mein Cousin, deshalb wussten wir schon vorher, dass wir uns gut verstehen, aber inzwischen hat man sich mit allen Mitbewohnern angefreundet. Gemeinsam den Alltag zu meistern war am Anfang auf jeden Fall eine Challenge. Ein Zusammenleben, mit dem alle einigermaßen zufrieden sind, ergibt sich nicht von selbst, sondern man muss proaktiv etwas dafür tun.
J.F. Kennedy sagte schon: „Frag nicht, was die WG für dich tun kann, sondern was du für die WG tun kannst.“
Unsere Komfortzone haben wir in Deutschland zurückgelassen und uns daran gewöhnt, unsere Ansprüche und Haushaltsaufgaben an unsere Lebenssituation hier in Ibarra, Ecuador, anzupassen. Wir mussten lernen selbst zu kochen, - davor noch einkaufen zu gehen, am besten mit einer Einkaufsliste - außerdem auch Wäsche waschen, Klo putzen, Schimmel wegmachen, abspülen und Lebensmittel-Haltbarkeitsdatum überprüfen. Vor allem mussten wir auch lernen einen eigenen Finanz-Haushaltsplan aufzustellen. Rupert und ich haben bis heute keinen Spiegel im Jungs-Badezimmer, weil wir zu geizig waren.
Ich habe für mich schnell gemerkt, dass ich in meinem Alltag Struktur brauche, um in Ecuador anzukommen und mich zuhause zu fühlen. Sei es das Fußballspielen abends unter der Woche, der Salsa-Tanzkurs oder verschiedene Aktivitäten in und außerhalb der WG. Mir hat es geholfen mich einzufinden.
Inzwischen haben wir hier auch wirklich coole neue Freunde gefunden. Mit den italienischen Freiwilligen verstehen wir uns richtig gut und über verschiedene Outdoor-Aktivitäten sind wir auch in einen ecuadorianischen Freundeskreis integriert worden. Es macht immer mehr Spaß sich auf Spanisch zu unterhalten, weil man merkt, wie sich das Sprachniveau verbessert hat und man im Gespräch nicht mehr gehemmt ist, seinen Senf dazuzugeben.
Der Kern ist aber schon unsere WG. Die Erfahrung und dass Zusammenleben schweißt zusammen und wir haben jetzt schon so einiges erlebt. Bisher sind wir auch immer gemeinsam als Gruppe verreist, niemand wurde zurückgelassen und wir haben gelernt, dass wir uns aufeinander verlassen können. Und genau darum geht es doch eigentlich auch.
Es gibt so viele kleine Sachen, die einem im Alltag auffallen, über die man immer wieder grinsen muss. Auch wenn nicht alles perfekt läuft, so habe ich doch alle lieb und würde keinen eintauschen wollen.
Negative und positive Aspekte
Im Laufe der Zeit fällt einem auf, welche Begleiterscheinungen im Alltag auftreten, die man zu Beginn erst kennenlernen muss. Sowohl die Guten als auch die Schlechten. Im Großen und Ganzen gibt es zwei Dinge, die mich in Ibarra/Ecuador stören. Zum einen sind es die Hunde, die mich nerven. Die Straßenhunde sind nicht so schlimm, aber die Wachhunde vor Garagenhöfen oder Hauseingängen machen mir schon manchmal zu schaffen. Man muss so oder so an ihnen vorbei, trotzdem hatte ich vor allem am Anfang Schwierigkeiten damit umzugehen und cool zu bleiben, wenn ein Hund mich anbellt. Für mich war der Trick mit Sonnenbrille, gesenktem Kopf und ausreichend Abstand langsam an den Hunden vorbei zu gehen. Die Sonnenbrille ist gut, weil den Hunden nicht in die Augen schauen sollte, so kann man sie aber trotzdem im Blick behalten. Wegrennen sollte man übrigens eher vermeiden.
Zum anderen ist es teilweise das Sicherheitsgefühl. In Deutschland habe ich mich immer zu 100% wohl gefühlt, egal ob tagsüber oder nachts. Hier ist es beispielsweise besser, abends ein Taxi von A nach B zu nehmen, wenn es dunkel ist, weil man leichter ausgeraubt werden könnte. Außerdem muss man in öffentlichen Bussen aufpassen, dass man seine Wertsachen gut verstaut hat. Man fällt hier als Europäer auf, dem sollte man sich bewusst sein. Mit der Zeit habe ich mich aber auch daran gewöhnt, ein bisschen aufmerksamer in manchen Situationen zu sein und im Zweifelsfall lieber auf Nummer sicher zu gehen.
Was mir hier sehr gut gefällt, ist vor allem die Offenheit der Menschen. Die Leute zeigen ein ehrliches Interesse an dir als Person und an deiner Kultur. Im Gegenzug wollen sie auch uns als Gästen ihre eigene Kultur näherbringen. Wir wurden schon oft zum Essen eingeladen oder auf Ausflüge mitgenommen, obwohl wir erst ein paar Sätze ausgetauscht hatten. Das kennt man aus Deutschland nicht. Es haben sich schon viele schöne Erinnerungen aus spontanen Aktionen mit Einheimischen ergeben. Da muss man manchmal über seinen Schatten springen und sich trauen, „Si, claro“ zu sagen.
Außerdem ist auch der Markt hier ein Erlebnis für sich. Es gibt so viel Obst und Gemüse für so wenig Geld. Die Farbenvielfalt und verfügbare Biomasse sind überwältigend. Eine Avocado kostet hier ca. 20 Cent. Aber auch die Früchte sind hier köstlich. Ananas, Mango, Papaya, Beeren und so viel mehr noch, was es in Deutschland gar nicht gibt.
Schluss
Ich könnte noch viele weitere Aspekte aufzählen, aber ich will auch zum Schluss kommen und diesen Bericht abschicken. Ein Letztes noch: Von Zeit zu Zeit vermisse ich meine Familie und meine Freunde und mein Leben in Deutschland. Diese drei Monate haben mir aber auch gezeigt, wie viel es noch zu entdecken gibt und wie viel andere Kulturen und Länder zu bieten haben. Die Arbeit mit den Kindern kann ultra anstrengend sein, wenn man sich reinhaut und manchmal ist man auch frustriert, aber man darf auch so viele schöne und unglaublich ehrliche Momente erleben.