Die erste Hälfte meines Freiwilligendienstes
ist inzwischen vergangen. Rückblickend kann ich sagen, dass ich erst jetzt wirklich in meinem Alltag hier in Ecuador angekommen bin. Während die ersten Wochen noch stark von neuen Eindrücken und vielen Veränderungen geprägt waren, haben sich inzwischen feste Routinen entwickelt. Mein Tagesablauf beginnt morgens mit dem Aufstehen, einem Kaffee und der Vorbereitung auf die Arbeit. Anschließend laufe ich die Treppen hinab zu meiner Einsatzstelle. Nach der Arbeit erledige ich alltägliche Dinge wie einkaufen, Freunde treffen oder auch einfach Zeit für mich selbst verbringen. Insgesamt hat sich dadurch ein sehr normaler Alltag entwickelt.
Ehrlich gesagt hatte ich mir das Leben hier vor meiner Anreise etwas anders vorgestellt. Ich ging davon aus, dass der Alltag deutlich aufregender sein würde. Zu Beginn meines Aufenthalts war vieles tatsächlich neu und spannend. Mit der Zeit hat sich jedoch ein Gefühl von Normalität eingestellt. Ecuador ist für mich inzwischen in vielerlei Hinsicht zu einem zweiten Zuhause geworden. Gleichzeitig gibt es auch Unterschiede zum Leben in Deutschland, an die ich mich erst gewöhnen musste. Beispielsweise bin ich in Deutschland häufig auch abends noch spazieren gegangen, selbst wenn es bereits dunkel war. Hier ist das aus Sicherheitsgründen nicht immer ratsam, weshalb sich mein Alltag in dieser Hinsicht verändert hat.
Trotz dieser Unterschiede bin ich sehr dankbar für die Erfahrungen, die ich hier machen darf. Auch in meinem Alter habe ich noch einmal viel Neues über mich selbst gelernt und konnte meinen Blick auf die Welt erweitern.
In diesem Bericht möchte ich mich vor allem auf meine Arbeit konzentrieren und auf kulturelle Eindrücke.
Mit meiner Arbeit bin ich insgesamt sehr zufrieden. Ich verstehe mich sehr gut mit meinen Arbeitskollegen und habe das Gefühl, in der Einrichtung willkommen zu sein. Auch zu den Patienten beziehungsweise Klienten habe ich im Laufe der Zeit eine enge Beziehung aufgebaut. Einige von ihnen sind mir besonders ans Herz gewachsen, und ich freue mich jedes Mal, wenn ich mit ihnen arbeiten kann. Die Arbeit selbst ist jedoch nicht immer gleich abwechslungsreich. Es kommt durchaus vor, dass Phasen entstehen, in denen wenig Aktivität möglich ist. Das liegt daran, dass einige Patienten körperlich sehr stark eingeschränkt sind und teilweise nicht in der Lage sind, sich selbstständig zu bewegen oder auf Reize zu reagieren. Andere wiederum können sich bewegen, sind jedoch in vielen Fähigkeiten eingeschränkt. Viele der Therapien verlaufen daher in festen und wiederkehrenden Abläufen. Dazu gehört beispielsweise das Bewegen der Gliedmaßen, das Anlegen von Schienen oder gemeinsames Gehen.
Je nach „Sala“ unterscheiden sich die Aufgaben jedoch. In der Klasse, in der ich derzeit arbeite, liegt ein stärkerer Fokus auf der Förderung der Motorik und der kognitiven Fähigkeiten. Dadurch habe ich das Gefühl, aktiver an der Entwicklung der Patienten beteiligt zu sein, was mir persönlich sehr gefällt.
Gegen 12:30 Uhr endet der erste Teil meines Arbeitstages. Danach gehe ich in das sogenannte Casa Hogar. Dort leben Waisen sowie Patienten, die aus unterschiedlichen Gründen nicht bei ihren Familien wohnen können. Auch in diesem Bereich der Arbeit haben sich mit der Zeit feste Abläufe entwickelt. Nach unserer Ankunft bringen wir die Klienten zunächst in den Essenssaal, während wir selbst eine kurze Mittagspause haben.
Anschließend unterstütze ich die Mitarbeiter bei verschiedenen Aufgaben. Dazu gehören beispielsweise das Zähneputzen, das Wechseln der Kleidung oder das Hinlegen der Patienten auf ihre Matten. Einige Aufgaben fallen mir leichter als andere. Besonders der Umgang mit bestimmten Pflegesituationen, wie zum Beispiel dem Wechseln von Windeln, ist für mich weiterhin eine Herausforderung.
Sobald alle versorgt sind, verbringen wir bei gutem Wetter Zeit im Park. Dort gehen wir gemeinsam spazieren oder spielen gelegentlich Ball. Dienstags findet außerdem häufig ein Ausflug statt. Dann fahren wir gemeinsam mit dem Bus durch Quito, oft begleitet von Musik. Manchmal besuchen wir dabei auch einen Spielplatz. In diesem Teil meiner Arbeit wünsche ich mir manchmal noch etwas mehr pädagogische Anleitung. Gleichzeitig versuche ich jedoch, selbst kreativ zu sein und mit einer offenen und spielerischen Haltung zu arbeiten. Häufig hilft es mir, mein eigenes „inneres Kind“ einzubeziehen, um mehr Freude und Abwechslung in den Alltag der Klienten zu bringen.
Neben meiner Arbeit interessiert mich besonders die indigene Kultur Ecuadors. Viele Menschen hier haben indigene Wurzeln, und ihre Traditionen prägen bis heute einen wichtigen Teil der Gesellschaft. Ich merke immer wieder, dass ich darüber noch viel mehr lernen möchte.
Besonders spannend finde ich die unterschiedlichen Lebensweisen, Traditionen und die enge Verbindung zur Natur, die in vielen indigenen Gemeinschaften eine große Rolle spielt. Auch die traditionellen Kleidungen, die man in manchen Regionen noch im Alltag sieht, zeigen, wie stark diese kulturellen Wurzeln noch präsent sind.
Für mich persönlich ist es interessant zu sehen, wie vielfältig Südamerika ist und wie viele unterschiedliche Kulturen hier zusammenleben. Gleichzeitig merke ich, dass ich bisher nur einen kleinen Teil davon kennengelernt habe. Gerade deshalb würde ich in der zweiten Hälfte meines Freiwilligendienstes gerne noch mehr über indigene Gemeinschaften erfahren und ein tieferes Verständnis für ihre Geschichte und ihre Lebensweise entwickeln.
Diese Neugier gehört für mich ebenfalls zu meiner Zeit hier: nicht nur zu arbeiten, sondern auch zu versuchen, die Menschen und ihre Kultur besser zu verstehen.



















