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Antonia - 1. Bericht

Mein Freiwilligendienst startete im November:

Ich bin früh morgens am Flughafen in Düsseldorf gestartet und bin dann in Madrid auf Tabita gestoßen. Ich glaube, ich kann für uns beide sprechen, dass wir sehr glücklich waren, dass wir diese lange Reise zusammen machen konnten. Wir haben auch sofort geklickt und uns super verstanden. Insgesamt hatten wir auch schon vor Beginn unseres Freiwilligendienstes regelmäßig Kontakt, da wir beide für unser Visum zum Konsulat mussten, weil wir erst später volljährig geworden sind.

Das ist auch der Grund, weshalb wir nicht mit Hanna und Elena im August nach Ecuador geflogen sind, weil wir zu diesem Zeitpunkt noch nicht volljährig waren. Insofern waren wir beide froh, als wir erfahren haben, dass wir gemeinsam in unseren Freiwilligendienst starten und nicht alleine zu einer bestehenden Gruppe dazukommen. Das wäre bestimmt herausfordernder gewesen.

Während unseres gemeinsamen Fluges von Madrid nach Quito haben wir uns immer wieder gefragt, was uns wohl erwarten würde, wenn wir ankommen. Um ehrlich zu sein, hatte ich im Flieger immer noch nicht realisiert, dass ich jetzt für zehn Monate in Ecuador leben würde.

Wir wurden dann vom Flughafen abgeholt und sehr liebevoll von Mirco in Quito in Empfang genommen.

Die nächsten Tage haben wir dann mit Diego, unserem Mentor, verbracht. Er hat uns ein bisschen die Stadt gezeigt, aber wir haben ehrlicherweise leider auch viel Zeit damit verbracht, unsere Cédula zu bekommen, was leider bis heute immer noch nicht geklappt hat.

Als wir dann im Bus nach Ibarra saßen, ist die Aufregung nochmal gestiegen, weil wir uns gefragt haben, wie die Stadt und das Haus sein würden, wo wir unsere nächsten zehn Monate verbringen würden.

In Ibarra wurden wir sehr herzlich von Claudia, Elena und Hanna in Empfang genommen, und ich habe mich gefreut, endlich das Haus zu sehen. Die ersten Wochen in Ibarra fand ich sehr aufregend, weil alles anders und neu war. Zum Beispiel habe ich die Häuser Bellavista und Ceibos besucht, wo Elena und Hanna arbeiten.

Am aufgeregtesten war ich natürlich, als ich zum ersten Mal in Yuyu, das Haus, in dem ich arbeite, war, aber diese Aufregung wurde mir sofort genommen, als wir begrüßt wurden und sich alle Kinder vorgestellt hatten. Ich habe mich direkt willkommen und wohl gefühlt.

Die ersten Tage in Yuyu waren schon etwas herausfordernd, weil man ganz viel auf einmal zum ersten Mal gemacht hat. Die grobe Alltagsstruktur kam mir auch schon aus den anderen Casas bekannt vor, aber die Einzelheiten sind dann doch in jedem Casa unterschiedlich. Außerdem konnte ich zu Beginn die Namen der Kinder noch nicht ganz ihren Gesichtern zuordnen. So kam es auch einmal beinahe dazu, dass ich fast ein fremdes Kind von der Schule abgeholt hätte. Beim genaueren Hinsehen ist mir dann doch aufgefallen, dass ich das Kind ja gar nicht kannte und das richtige Kind schon bei mir war.

Nach und nach habe ich dann alle Routinen und Wege zur Schule oder zu Therapien gelernt, wodurch die Arbeit im Casa viel einfacher wurde.

Bevor ich nach Ecuador geflogen bin, habe ich für fünf Wochen einen Intensiv-Sprachkurs in Spanien gemacht, was ich auf jeden Fall auch so wieder machen würde. Vor allem, weil ich vorher kein Wort Spanisch konnte. Im Nachhinein hat mir das, glaube ich, meinen Start in Ibarra wesentlich erleichtert, da so die Kommunikation ein wenig einfacher war. Mein Spanisch war keinesfalls gut, aber ich konnte mich verständigen. Durch die Arbeit im Casa, die Kinder und den Spanischunterricht habe ich schnell viel dazugelernt, was mich echt glücklich macht. Denn zu Beginn war es schon etwas frustrierend, nur einfache Sätze im Präsens zu können. Ich bin sehr zuversichtlich, dass sich mein Spanisch in den kommenden Monaten nochmal verbessern wird. Besonders der Spanischunterricht wird, glaube ich, auch wesentlich dazu beitragen, denn bei der Arbeit spreche ich zwar viel Spanisch, aber durch den Unterricht lerne ich mehr Grammatik, was mir hilft, die Sprache besser zu verstehen.

Obwohl wir beim Vorbereitungsseminar über die Sicherheitslage in Ecuador gesprochen hatten, konnte ich mir die Lage vor Ort vor meiner Abreise nicht richtig einschätzen. Als wir dann angekommen sind, hat uns Diego erstmal ein bisschen einen Schrecken eingejagt, als er über die Sicherheitslage gesprochen hat. Ich würde sagen, dass ich deshalb auch vielleicht die ersten paar Stunden unterwegs in Quito ein bisschen eingeschüchtert war. Dieses Gefühl ging aber auch schnell vorüber, sobald ich bemerkt hatte, dass eigentlich alles gut ist, wenn man ein paar Regeln befolgt. Dazu gehört es beispielsweise, den Rucksack in der Metro vorne zu tragen, nur offizielle Taxen zu nehmen und abends möglichst nicht mehr alleine draußen rumzulaufen. In Ibarra fühle ich mich auch nochmal sicherer als in Quito, und ich habe auch schon mit vielen Leuten gesprochen, die sagen, dass Ibarra eine ziemlich ruhige und sichere Stadt ist.

Insgesamt kann ich sagen, dass ich mich in den ersten drei Monaten gut in Ecuador eingelebt habe und einen neuen Alltag hier gefunden habe.

Wir haben auch schon kleine Wochenendtrips gemacht, unter anderem nach Cayambe, Baños und natürlich mehrere Male nach Quito zu Mirco. So konnte ich schon einiges von Ecuador sehen – allerdings hauptsächlich nur die Sierra. In den kommenden Monaten möchte ich auf jeden Fall noch mehr vom Land sehen, gerade weil Ecuador so vielfältig ist.

Das Leben in der WG finde ich sehr schön und gefällt mir gut. Zu Beginn des neuen Jahres hat sich die Dynamik der WG nochmal verändert, als Fiona und Simon angekommen sind und die WG von vier auf sechs Personen gewachsen ist. Seitdem sind wir als Gruppe richtig zusammengewachsen, was, glaube ich, daran liegt, dass wir sehr viel zusammen machen. Wir gehen jede Woche zusammen zum Salsa, manchmal auch zum Boxen und essen jeden Tag gemeinsam zu Abend. Besonders unsere gemeinsamen Abendessen finde ich sehr schön, weil wir dann immer von unserem Tag erzählen, der bei allen immer ein bisschen unterschiedlich ist. Außerdem finde ich es sehr wertvoll, die Möglichkeit zu haben, meine Gedanken und Gefühle mit Leuten zu teilen, die in einer ähnlichen Situation sind. Gerade bei so einer besonderen Erfahrung, einem Freiwilligendienst in einem mir vorher unbekannten Land, ist es sehr schön, die anderen zu haben, die einen nochmal ganz anders verstehen können als beispielsweise Freunde von zu Hause.

Abschließend möchte ich nochmal erwähnen, wie dankbar ich für diese letzten drei Monate bin und die Erfahrungen, die ich machen durfte. Ich bin gespannt, was noch auf mich zukommt, und freue mich schon auf die kommende Zeit hier in Ecuador.