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Berichte von Torben Heldberg

1. Bericht: April 2010

 

 

 

Benjamin Steinhauer

1. Bericht: April 2010

Die Fundacion Cristo de la Calle in Ibarra hat das Ziel, Kindern in sozialen Notlagen zu helfen.  Zum einen unterstützt die Fundacion Kinder innerhalb ihrer Familien, zum Beispiel wenn die Eltern oder Verantwortlichen große finanzielle oder gesundheitliche Probleme haben. Zum anderen betreibt die Fundacion aber auch Häuser, in denen Kinder, die gegenwärtig oder generell keine andere Zufluchtsmöglichkeit haben, unterkommen (aufgenommen werden und betreut werden). In einem dieser Häuser, von denen die Fundacion vier besitzt, wohne ich und arbeite ich.

In jedem Haus arbeitet und wohnt eine Educatorin und, je nachdem wie viele vorhanden, ein Volontär. Durchschnittlich leben in jedem Haus ca. sieben bis acht Kinder jeglichen Alters, zum Teil mit Behinderungen. Mein Haus liegt auf dem Gelände eines Schwimmbades im Stadtviertel Yuyucocha, dass die Fundacion als Gelderwerb betreibt. In diesem Haus leben derzeit acht Kinder, behütet und betreut von der Educatora Liliana und ihrem Ehemann John Jairo sowie mir als Volontär.

Die Kinder befinden sich im Alter zwischen 2 und 16 Jahren, sind teilweise Vollwaisen und damit für immer in der Obhut der Fundacion. Andere hingegen sind, da ihre Eltern zurzeit im Gefängnis sind, nur für einen bestimmten Zeitraum in der Fundacion. So leben in meinem Haus drei Geschwister, deren Mutter derzeit im Gefängnis sitzt, aber in unmittelbarer Zukunft dieses verlassen wird. Pamela, die Älteste, ist 16,  Juan Carlos acht und Francelli sieben. Sie sind seit einem Jahr in der Fundacion und werden diese, sofern alles gut verläuft bereits in einem Jahr wieder verlassen. Übrigens haben sie noch eine 14 jährigen Bruder Luis, der sich gegen das Leben in der Pflegefamilie entschieden hat und derzeit bei einer bereits erwachsenen Schwester lebt. Hier wird er aber auch durch die Fundacion unterstützt.


Ein weiteres Geschwisterpaar in unserem Haus sind Jonathan und Christian, deren Mutter bereits seit einigen Jahren im Gefängnis einsitzt und dieses auch in den nächsten Jahren nicht verlassen wird. Jonathan ist 13 und Christian 12. Die Mutter eines weiteren Geschwisterpaares ist eine stadtbekannte Alkoholikerin, die sich einfach nicht um ihre Kinder kümmern kann und Hilfe von außen aggressiv ablehnt. Jhostin ist drei und Yerli zwei. Die Fundacion hat mittlerweile das Sorgerecht für diese beiden Kinder übertragen bekommen . Die Educatora meines Hauses und ihr Ehemann sind dabei die beiden zu adoptieren. Alle Väter der bisher genannten Kinder sind entweder verschwunden oder nicht bekannt.

Abschließend lebt noch der sieben jährige Jefferson in meinem Haus. Von Jeffersons Eltern fehlt jede Spur, sie werden als tot vermutet und Jefferson gilt offiziell als Vollwaise. Wahrscheinlich aufgrund von Drogenkonsum der Mutter während ihrer Schwangerschaft mit Jefferson, ist Jefferson stark körperlich und geistig behindert. So kann er mit sieben Jahren nur einige wenige Worte notdürftig aussprechen, benutzt immer noch eine Windel und kann erst seit ca. 18 Monaten unsicher  gehen.
Zusätzlich zu Jefferson haben auch die anderen Kinder noch körperliche oder geistige Benachteiligungen. So hat Juan Carlos eine starke Lernbehinderung und Jhostin ist seit der Geburt fast taub, spricht daher mit 4 Jahren noch kein einziges Wort.

Die Lebensbedingungen in den Häusern der Fundacion sind auf durchschnittlichem ecuadorianischem Niveau. Gegenüber deutschen Verhältnissen bedeutet dieses schon eine erhebliche Umstellung. So gibt es zum Beispiel kein warmes Wasser, keine Waschmaschine, keinen Backofen und keine Mikrowelle. Auch beim Essen muss man sich umstellen, denn die Versorgung besteht hauptsächlich aus Lebensmittelspenden an die Fundacion, die natürlich qualitativ nicht besonders hoch sind und auch nur ein bis zweimal die Woche Luxusartikel wie Fleisch enthalten. Die Volontäre sind in hauptsächlich Hilfen für die Educatoras und unterstützen diese dabei den Alltag in den Pflegefamilien zu meistern.

So ist es zum Beispiel meine Aufgabe jeden morgen um 5 Uhr die Kinder zu wecken, die kleineren Kinder zu waschen und anzuziehen, sowie beim Verteilen des Frühstückes zu helfen. Das tägliche Aufstehen um fünf Uhr morgens ist notwendig, da alle Kinder das Haus vor sieben verlassen müssen. Mit dem Verlassen des Hauses beginnt auch für mich der Hauptteil meiner Arbeit. Meine Aufgabe ist es, den schwerstbehinderten Jefferson bei seinem Tagesablauf zu unterstützen. Ich begleite ihn zu den verschiedenen Therapien, wie zum Beispiel Sprachtherapie, Krankengymnastik oder auch zur Pferdetherapie. Um seine soziale Entwicklung zu fördern, wird Jefferson in einen gewöhnlichen Kindergarten geschickt. Da er aber einen Großteil der Aufgaben aufgrund seiner Behinderung nicht alleine bewältigen kann, unterstütze ich ihn hier und versuche ihn nach Möglichkeit zu integrieren.

Im Kindergarten arbeite ich normalerweise von halb 8 Uhr morgens bis ein Uhr nachmittags. Danach geht es nach Hause zum Mittagessen. Abschließend beende ich meine Arbeitstag meistens damit den älteren Kindern in meinem Haus bei den Hausaufgaben zu helfen und habe dann meistens gegen vier Uhr nachmittags Feierabend. Es ist aber auch zu erwähnen, dass aufgrund der Vielfalt der täglich möglichen Aufgaben niemals von einem geregelten Arbeitstag gesprochen werden. Es kann von Tag zu Tag zu Änderungen kommen und es ist niemals sicher, dass ich erst oder schon um vier Uhr Feierabend mache. So kommt es auch oft vor, dass ich von der Fundacion für andere oder besondere Aufgaben aus meinem Alltag geholt werde. Diese können dann Besuche bei von der Fundacion unterstützten Familien sein, aber auch Hausmeisteraufgaben in einem der vielen Gebäude der Fundacion. Aufgrund der beschriebenen Vielfalt, der familiären Atmosphäre und aber auch der großen Verantwortung und dem Vertrauen der Fundacion kann ich abschließend sagen, dass ich mich bei meinem Dienst in Ibarra wohl fühle und mir die Arbeit für die Fundacion wirklich Spass macht!