1. Bericht: Oktober 20042. Bericht: Februar 2005 |
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1. Bericht: Oktober 2004
nun nach fast drei Monaten mein erster Zwischenbericht.
Nach meiner Eingewöhnungsphase, die vor allem von Heimweh und auch schon einer Darminfektion sowie einer schönen Grippe gepraegt war, fühle ich mich meinen Herausforderungen gewachsen. Ich habe mich soweit an fast an alles gewöhnt (lokalbedingte Umstände wie Wetter, Zeit und Menschen).
Die Arbeit in der Fundación hat auch ihren alltäglichen Rythmus gefunden, wenn es auch nicht immer einfach war, ist! Wirklich zufrieden bin ich nicht. Wir wohnen ca. 1 Stunde Busfahrt von der Arbeit entfernt in einem Mehrfamilienhaus, das wir uns mit Bewohnern sämtlicher Nationalitäten teilen. Die Eingewöhnungsphase in der Fundación selbst widersprach sich in ihren Tätigkeiten des öfteren mit dem was ich mir so vorstellte. Das heißt das Teppiche schruppen sowie 7Stunden Mauer-verspachteln nicht ganz immer dem entsprachen was ich erwartete.
Was eigentlich alles nicht so erschwerend gewesen wäre, wenn man sich damit hätte identifizieren können. Die Art und Weise jedoch wie man gelegentlich miteinander umgeht innerhalb dieser Einrichtung widerspricht nicht nur meinen Vorstellungen sondern gänzlich dem was ich bisher in meinen 21 Jahren relativer Lebenserfahrung an Umgangsformen lernte und erlebte.
Generell möchte ich bei der Gelegenheit erwähnen, dass ich mich in meiner Gutmütigkeit desweilen doch ein wenig ausgenutz fühlte, was sich durch die Anwesenheit der zu betreuenden Kinder und dem damit verbundenen Arbeitsalltag nun geändert hat.
Das ist es was mir hauptsächlich die Arbeit und vor allem die damit verbundene wichtige Identifikation mit ihr so problematisiert. Bei den Gesprächen mit Edda und Benjamin stellte sich heraus das die zwei ebenfalls mit dem einen oder anderen so ihre Probleme haben und es uns bezüglich der Gesamtsituation recht ähnlich ergeht.
Nun möchte ich nicht den Eindruck von Resignation oder ähnlichem erwecken, der Kopf ist noch oben und ich versuche nach wie vor den Anforderungen und Erwartungen seitens der Administration aber VOR ALLEM der Kinder gerecht zu werden! Nach einem obligatorischen Gespräch mit der Direktorin bzgl. der Gestaltung unserer Arbeitspläne ergab sich für mich der Plan folgendermaßen: Neben dem allgemeinen Aufpassen auf die ganz Kleinen, gebe ich Englisch- sowie Sportunterricht mehrmals pro Tag.
Desweiteren helfe ich beim Mittagessen beim Verteilen und gelegentlich auch beim füttern, wenn die Kleinen mal nicht so wollen wie sie sollen ;).
Ich muss jedoch ehrlich zugeben dass eben die Erfahrungen, die nun nicht zu den schönsten gehörten, doch auch ein wenig an meiner Motivation nagen. Ich denke das ist durchaus verständlich!?
Ansonsten nutzen wir die Möglichkeiten, die uns die freien Tage bieten, Ecuador in seiner Faszination und allen Seiten kennenzulernen.
Resumierend lässt sich sagen, das sich diese Reise/ dieses Abenteuer bis jetzt sehr abwechslungsreich gestaltet in all ihren/ seinen Eigenheiten. Dazu gehört vor allem die Erfahrung das das Leben in über 13.000 Kilometern Entfernung seinen säkundär-trivialen Lauf ebenso nehmen kann an einem Montag Morgen um 6 Uhr wie in Berlin! Aber auch das es mich mit seinen zwei Seiten der Medaille sehr stark prägt mehr den jeh, so weit entfernt von Freunden und Familie.
En este sentido muchos saludos,
y hasta la proxima.
Sebastian
2. Bericht: April 2005
nun sind es bereits sechs Monate, die vergangen sind und die Dinge nehmen, selbstverständlich auch hier, ihren Lauf. Nach anfänglichen Schwierigkeiten bzgl. der Eingewöhnungsphase und leider auch in der Arbeit kann ich nun erfreulicheres berichten.
Mal von der allgemeinen Verbesserung meines physischen Befindens abgesehen ist nun auch seit einiger Zeit ein angenehmes Arbeiten in der Fundción möglich. Durch Gespräche in denen auch konstruktive Kritik geübt wurde, sowohl seitens der Administration, als auch meinerseits veränderte sich vieles zum Positiven bzgl. der Arbeitsgestaltung und, erfreulicher Weise auch, des Umgangs untereinander. Auch wenn es etwas mehr Zeit bedurfte, ist es doch die Hauptsache das man nun positiv denkend der Zukunft entgegnet, in einem angenehmen Arbeitsklima.
So gestaltet sich mein Arbeitsplan sehr interessant, da ich durch neue Tätigkeiten die Möglichkeit ergreife viele Dinge, mit Spaß, zu erlernen. Gerade durch meinen Wechsel in eine andere Arbeitsgruppe mit Kindern, im Alter zwischen Zwei und Drei Jahren, widme ich mich neuen Herausforderungen. Denn nicht immer ist es eine Leichtigkeit die Geduld zu haben für die Streiche der Kleinen und eine geistige Brücke zu bauen, um nachzuvollziehen was denn in so einem kleinen Kopf manchmal vorgeht.
Ich bin natürlich nicht allein, sondern Tía Angelita steht mir mit Rat und Tat zur Seite erklärt mir die Dinge, die mir fremd erscheinen und arbeitet auch so mit mir zusammen, mit dem Ziel den Kindern alles Notwendige des alltäglichen Lebens näher zu bringen und begreiflich zu machen.
So sind wir beispielsweise gerade dabei die Wochentage zu personifizieren, vielmehr entspricht genau diese Tätigkeit meinem Aufgabenbereich. Durch das Zeichnen von Figuren, die jeweils einen entsprechenden Tag der Woche repräsentieren. Dabei stellte sich für mich heraus, das es eine innere Erfüllung ist zu erleben wie das, was man anfertigt und weitergibt angenommen und auch angewandt wird, denn die ersten Sätze, die diese Kleinen Menschen beherrschen stammen auch von mir.
Diese kleinen Erfolgserlebnisse bestätigen mich in meiner Arbeit und erhalten so die Widergewonnene Freude über diese neue Art meiner Beschäftigung. Neben dem Anfertigen von Basteleien und Zeichnungen, die auf die bereits beschrieben Art und Weise ihren pädagogischen Zweck erfüllen sollen helfe ich nach wie vor beim Mittagessen. Beim Austeilen als auch beim füttern der Kinder, die dazu nicht selbstständig in der Lage sind.
Bei dieser Gelegenheit möchte ich erwähnen, das durch den Verlauf meiner Arbeit in der Fundación sich auch meine persönliche Einstellung gegenüber den speziellen Kindern geändert hat. Der absolut gleichberechtigte Umgang mit allen Kindern, sei es beim Füttern oder auch beim Begleiten auf dem Weg zur Toilette nahm mir die Berührungsängste, die ich vorher aus Unerfahrenheit noch hatte.
Zusammenfassend lässt sich sagen, das die Dinge einen sehr angenehmen Lauf nehmen und ich mich nicht nur durch die bereits erwähnten Erfolgserlebnisse mit den Kindern bestätigt fühle, sondern auch durch ein positives Feedback seitens meiner Kollegen.
Ich bin sehr froh darüber, das bereits der Beginn dieses Jahres solche Verläufe verzeichnen lässt und freue mich auf die noch bevorstehende Zeit.
In diesem Sinne liebe Grüße nach Deutschland und gehabt euch wohl.
Sebastian