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Berichte von Niklas Hitz

1. Bericht: November 2007

2. Bericht: Dezember 2007

3. Bericht: April 2008

4. Bericht: August 2008 (Abschlussbericht)

Benjamin Steinhauer

 

Probearbeit bei CRA

1. Bericht: November 2007

Alles fing damit an, dass sich unsre Zivivorgänger letztes Jahr auf dem Samstagsmarkt von Otavalo ein schönes Bild für ihre Zimmer kaufen wollten. Leider war der Preis für sie nur ein bisschen zu hoch, so dass sie wie so oft erzählten, sie wären nur arme Volontäre mit wenig Geld. So kam man ins Gespräch und der Händler erzählte, dass er in Ibarra auch in einem Projekt arbeiten würde und sie ihn doch mal besuchen sollten. So kam unsre Organisation mit dem Circulo de Recreation y Aprendizaje in Kontakt. Nach einigen Besuchen in Ibarra kehrten dann unsre Vorgänger nach Deutschland zurück mit dem Plan auch nach Ibarra Zivis zu schicken. Nach dem das Projekt mittlerweile vom deutschen Staat genehmigt ist, sollen nun also die ersten Zivis im August 2008 nach Ibarra geschickt werden. Um das Projekt näher kennen zu lernen und zu schauen, welche Probleme theoretisch auftreten könnten sollten dann jeweils 2 von uns eine Woche bei CRA probearbeiten.

CRA, das ist ein Projekt der Stadt Ibarra, das auch vom Staat unterstützt wird und insgesamt aus 37 Zentren in der Stadt und in Gemeinden im Umkreis besteht. Das Programm ist für Kinder von 3-5 Jahren gemacht, die also noch nicht in die Schule gehen. Bei CRA sollen sie dann schon mal einfache Dinge, wie die Wochentage lernen oder einfach auch nur, was ein Fernseher ist. Außerdem werden ihnen Geschichten erzählt zu denen sie dann Bilder ausmalen müssen. Am Ende dürfen sie dann alle noch zusammen spielen, bevor sie noch ein Mittagessen bekommen, das jede Woche von einer anderen Familie zubereitet wird.

Ein sehr interessanter Teil des Projekts war für mich, dass man es mit Kindern aus verschiedenen Kulturkreisen zu tun hat. Einige Zentren liegen nämlich im Chota-Tal, in dem fast nur Afroecuadorianer leben, andere liegen mitten in der Stadt und wieder andere liegen an den Hängen der umliegenden Bergen, in denen dann Indigena-Kinder betreut werden.

Aber erstmal fing unsre Woche damit an, dass der Montag frei war, weil am Wochenende vorher Wahlen in Ibarra waren. So sind Jonas und Ich erst am Montagabend nach Ibarra gefahren. Dort konnten wir die Nacht bei Diego verbringen, dem Händler bei dem unsre Vorgänger damals ihre Bilder kaufen wollten. Am Dienstagmorgen sind wir dann zusammen mit ihm zum Büro von CRA gefahren, das sehr zentral in der Innenstadt von Ibarra liegt. Dort wurden wir sehr freundlich von den Mitarbeitern empfangen, unter anderem auch von Camila, die Jonas dann für den Rest der Woche begleitet hat. Nach einem kurzen, aber netten Gespräch mit einer möglichen Spanischlehrerin für die zukünftigen Zivis hat Camila uns dann zu sich zum Mittagessen eingeladen. Dann wars auch schon Zeit in die Gemeinden zu fahren. Also sind wir mit Camila zu einem der Busterminals gefahren, wo ich dann Cecilia getroffen hab, bei der ich den Rest der Woche gewohnt hab und mit der ich auch 3 Zentren besucht hab. An diesem Nachmittag gings erstmal nach San Clemente. Das ist eine Ansammlung von einigen verstreuten Häusern, die ca. 25 Min. vom Stadtzentrum am Hang des Imbambura liegen. Das Dorf wird eigentlich nur von Indigenas bewohnt, die von Stickarbeiten, ein bisschen Ackerbau und vom Eco-Tourismus leben. Der Raum, in dem Cecilia mit den Kindern arbeitet ist nur sehr klein und es gibt nicht einmal die wesentlichsten Bastelutensilien, wie Scheren, Kleber und Stifte. Dafür hat es den Kindern riesigen Spaß gemacht, als wir nach der Arbeit auf dem Dorfplatz mit ihnen gespielt haben. Nach getaner Arbeit sind wir dann wieder nach Ibarra gefahrne, wo mir Cecilias Ehemann Eduardo erst noch die schöne Altstadt gezeigt habt, bevor wir zu Abend gegessen haben.

Mittwochmorgens haben sich dann wieder alle Mitarbeiter im Büro getroffen, um die wöchentliche Besprechung abzuhalten. Dabei wird festgelegt, was die Betreuer in der nächsten Woche den Kindern beibringen sollen. Bei uns war zusätzlich noch die Planung der Weihnachtsfeier ein ganz wesentlicher Punkt. Dabei soll dann jede Betreuerin mit ihren Kindern eine Nummer vorführen. Nachmittags sind Cecilia und Ich dann nach San Cristobal alto gefahren. Von der Struktur ist es ähnlich aufgebaut, wie San Clemente, allerdings liegt es etwas näher an Ibarra und wird nicht nur von Indigenas bewohnt. Außerdem ist das Zentrum auch viel besser mit Material ausgestattet und Cecilia hat einen viel größeren Raum zur Verfügung. Bevor wir mit dem Programm angefangen haben, hatte ich noch kurz Zeit ein paar Kinder kennen zu lernen und mit ihnen Fußball zu spielen. Nebenbei wurde ich auch noch von einer Jugendlichen, die Cecilia öfter mal ein bisschen bei der Arbeit hilft zu einer Besteigung des Imbambura eingeladen. Leider war in der Woche keine Zeit mehr dafür, so dass ich das Angebot wohl ein anderes Mal wahrnehmen werde.

Nachdem wir fast ne halbe Stunde im strömenden Regen auf unsren Bus gewartet hatten und uns bei Cecilia kurz ausgeruht hatten, mussten wir auch schon wieder los, weil sich alle Mitarbeiter zum Basketballspielen getroffen haben. CRA hat nämlich eine Frauen- und eine Männermannschaft, die in so einer Art Liga gegen andere Mannschaften aus Ibarra spielen. Wer grad nicht spielt kommt trotzdem um die anderen anzufeuern. Bei der Gelegenheit haben Jonas und Ich einen richtigen guten Eindruck, von dem guten Arbeitsklima bekommen, das bei CRA herrscht.

Donnerstags war ich dann gar nicht im Büro, sondern bin direkt mit Cecilia nach San Cristobal bajo gefahren. Diesmal haben wir allerdings kein Programm mit den Kindern gemacht, sondern eine Reunion mit den Müttern abgehalten, um ein paar wichtige Dinge zu besprechen. Es ging unter anderem darum, dass für einige Kinder der Weg zu dem Raum, den CRA benutzt, sehr weit ist und des deswegen eventuell ein zweites Zentrum aufgemacht werden soll. Bei dieser Gelegenheit konnte ich mich dann auch kurz vorstellen. Die restliche Zeit hab ich dann mit den Kindern auf dem Spielplatz verbracht. Nachmittags stand dann keine Arbeit mehr an, so dass Cecilia und Eduardo mir die Statue von San Miguel gezeigt haben, die auf einem Hügel über der Stadt steht. Außerdem sind wir einmal um die Lagune Yaococha gefahren und haben dann noch die Eltern von Eduardo besucht. Nach dem Abendessen waren wir dann noch bei der Familie von einer von Cecilias Schwestern zu Gast, was für mich leider weniger erfreulich war. Der Ehemann war nämlich leider der Ansicht, dass Hitler ein bewundernswerter Mann war, da er sich von ganz unten sehr zielstrebig und ehrgeizig bis nach ganz oben gekämpft hat. Um richtig mit ihm zu diskutieren war mein Spanisch leider noch nicht ausreichend, so konnte ich ihm nur klar machen, dass ich die Sache etwas anders sehe. Leider gibt es hier in Ecuador noch viele Menschen mit dieser Einstellung.

Freitag war dann noch mal volles Programm für mich. Vormittags war wieder Reunion für alle Mitarbeiter von CRA, während der Jonas und Ich noch mal kurz Zeit hatten durch Ibarra zu laufen. Zum Mittagessen war ich dann allerdings zu Eduardos Eltern eingeladen, während dem ich mich dann einige Zeit nett mit Eduardos Vater unterhalten konnte. Relativ bald mussten Cecilia und Ich dann allerdings wieder los, weil wir nachmittags wieder in San Clemente sein mussten. Diesmal kannten mich die Kinder ja schon, weswegen ein paar Jungs gleich mal mit mir Fußball spielen wollten. Als Programm haben wir dann eigentlich hauptsächlich die Nummer für das Weihnachtsfest mit den Kindern geprobt. Cecilia plant nämlich mit ihnen ein Weihnachtslied in Quichua zu singen, was für mich dann sehr interessant zum anhören war.

Als wir wieder am Terminal in Ibarra ankamen, hat uns dann schon Eduardo mit ihrer 19-jährigen Tochter Liz erwartet, die normalerweise in Quito studiert und mich unbedingt kennen lernen wollte. Von da aus gings direkt weiter zu einer Cousine von Liz, deren Familie ich natürlich auch kennen lernen musste. Nächster Halt war dann das Haus von einer anderen Schwester von Cecilia, in dem auch ihr Vater wohnt. Die hatte ich schon an meinem ersten Tag in Ibarra kurz kennen gelernt, weswegen ich mich noch von ihnen verabschiedet hab. Letzter Stopp waren dann noch mal die Eltern von Eduardo, ebenfalls um mich von ihnen zu verabschieden. Danach hatten wir noch kurz Zeit fürs Abendessen bevor ich mich mit Jonas getroffen habe. Wir wollten nämlich noch zu Diego, um bei ihm zu übernachten und am nächsten Morgen mit ihm nach Otavalo zu fahren.

Letztendlich konnte ich in Ibarra einige interessante Erfahrungen sammeln und wurde zusätzlich noch von allen Teilen der Familien von Cecilia und Eduardo, und natürlich auch von ihnen persönlich zu Weihnachten und Sylvester eingeladen.

 

 

Dezemberbericht

2. Bericht: Dezember 2007

Schon meinen 4. Monat bin Ich hier in Ecuador, um meinen Zivi zu machen und im Vergleich zu Deutschland hat sich seitdem Einiges für mich verändert. Zuerst einmal habe Ich noch nie alleine gewohnt und, auch wenn Ich eigentlich schon in Deutschland recht selbstständig war, hat man hier einfach noch mehr Verantwortung. Man muss sich um Miete, Strom, Wasser und Essen kümmern und dazu auch noch schauen, dass man sich noch in seiner eigenen Wohnung wohl fühlt.

Dazu kommt noch, dass man mit 3 Leuten zusammen wohnt, die man vorher so gut wie nicht kannte und an die man sich erstmal gewöhnen und mit ihnen zurecht kommen muss. Sind das noch Sachen, die auch die meisten Zivis in Deutschland betreffen, kommt eben hier in Ecuador noch eine neue Sprache und eine ganz andere Kultur dazu. Nach 3 Monate kann ich mich mittlerweile mit den meisten Leuten unterhalten, am Anfang steht man allerdings oft nur daneben oder versucht sich eben mit Händen und Füßen zu verständigen.

Und zuletzt ist da eben noch die Arbeit, bei der man sich in ein neuen Tagesablauf einfinden, die Kinder erst kennen lernen und auch mit dem einem oder anderem schwierigen Kollegen auskommen muss. Letzteres trifft aber glücklicherweise auf die meisten nicht zu, so dass die Anderen und Ich uns auch hin und wieder, wenn es die Zeit zulässt, mit Mitarbeitern außerhalb der Arbeit treffen.

Das sind also die Sachen, mit denen man am Anfang erstmal zurecht kommen muss, was aber eigentlich kein Problem ist solang man offen und ein bisschen daran interessiert ist Spanisch zu lernen. Vor allem bei der Arbeit muss man sehr oft Wörter nachfragen oder sich genauer erklären lassen, um was man genau gerade gebeten wird. So ist mir auch der Kontakt mit den Kindern anfangs schwer gefallen, da ich in einer Kindergartengruppen mit Kindern zwischen 2 und 5 Jahren arbeite und die Kindern oft noch Wortsilber oder gleich ganze Wörter vernuscheln.

Hat man sich erstmal eingewöhnt und versteht genug, ist auch das kein Problem mehr und man hat die Möglichkeit jedes Kind genauer kennen zu lernen. So weiß man auch besser, wie man in bestimmen Situationen reagieren muss, was einem insgesamt die Arbeit erleichtert.  

Hat man sich erstmal in der Fundacion zurecht gefunden und kann seine ersten Sätze Spanisch zusammen basteln, bleibt noch die kulturelle Hürde. Zuerst einmal muss man sich damit abfinden, dass Versprechungen nicht so genau genommen werden können. Wenn man sich mit jemandem treffen will, heißt das mit einem Spielraum von mehr oder weniger einer Stunde. Arbeiten können sich auch mal mehrere Tage verschieben oder Termine immer wieder verschoben werden. Die Leute meinen das nicht böswillig, aber so sind einfach die Gewohnheiten. Alles wird eher langsam angegangen, so dass bloß nicht zu viel auf einmal gemacht wird.

Was mich persönlich viel Zeit gekostet hat und mich größtenteils immer noch stört, ist die Rücksichtslosigkeit der Ecuadorianer beim Bus fahren, das heißt wenn es um Sitzplätze oder einfach nur um einen Ort zum festhalten geht. Manchmal kommt einem das so unverschämt vor, dass man sich echt zurückhalten muss, um nicht aus zurasten. Eigentlich passt dieses Verhalten auch gar nicht zu den ansonsten sehr freundlichen und höflichen Menschen, aber es ist halt doch eine Tatsache mit der man öfter konfrontiert wird und mit der man sich mehr oder weniger abfinden muss.

Zuletzt sollte man sich auch darüber im klaren sein, dass man auf Grund seiner Hautfarbe immer als Tourist behandelt werden wird, egal wie lang man schon in Ecuador ist oder, wie gut man Spanisch spricht. So ist es ganz normal, dass man für alle Sachen mehr zahlt, als ein Ecuadorianer. Oft ist es zwar noch möglich den Preis zu verhandeln, aber vor allem bei Taxifahrten wird man immer mehr bezahlen, als den Normalpreis.

Eine Sache, die eigentlich nicht mehr direkt zur Kultur gehört, aber den Alltag doch sehr beeinflusst, betrifft die Tagesdauer. Die Sonne geht eigentlich das ganze Jahr über um halb 7 unter, so dass man, wenn man um 5 Uhr von der Arbeit nach Hause kommt, nicht mehr viel Zeit hat um irgendwas größeres zu erledigen. Außerdem schließen die meisten normalen Geschäfte schon um 6 Uhr. Zum Glück sind aber kleinere Läden, Internetcafés und Apotheken normalerweise bis 10 Uhr nachts offen.  

Was Ich des weiteren sehr interessant an Ecuador finde, ist, dass man hier alle möglichen Nationalitäten antrifft. Mit seinen verschiedenen Attraktionen im Amazonasgebiet, im Andenhochland und an der Küste hat das Land schon einmal sehr viel zu bieten. Kombiniert mit den niedrigen Kosten für Busfahrten und Übernachtungen und mit, im Vergleich zu andren Ländern Lateinamerikas, kurzen Strecken, ist es einfach perfekt für Backpacker. Deswegen trifft man immer wieder auf Leuten aus der eigenen Altersgruppe oder zumindest kaum älter als 25. So lernt man nicht nur Ecuador kennen, sondern erfährt auch viel über andere Länder. Außerdem schließt man Kontakte, die bei zukünftigen Reisen, die man vielleicht in der Zukunft vorhat, sehr nützlich sein können.

Natürlich sind die Reisebedingungen nicht nur für Andere günstig, sondern auch für einen selber. Mit dem Bus ist man schon innerhalb von 7 Stunden an der Küste und alle wichtigen Ziele erreicht man eigentlich in 10 bis 12 Stunden. Wenn man also Freitagsnacht hin- und Sonntagnacht zurück fährt, kann man 2 erholsame Tage am Strand verbringen, eine neue Stadt kennen lernen oder, falls man auch mal was anstrengendes machen will, einen der Andenriesen besteigen. Der einzige Nachteil dabei ist allerdings, dass diese Nachtfahrten, wenn man sie mehrere Wochenenden hintereinander macht, sehr schlauchen können. Aber ausruhen kann man sich ja wann anders.

In den 3 Monaten, hab ich so schon verschiedene Teile Ecuadors bereist, was immer sehr abwechslungsreich war und eigentlich hab ich mich immer, wenn ich mal in Quito war eher gelangweilt.   

Zusammengefasst kann ich sagen, dass man sich hier in Ecuador nach 3 Monaten recht gut ein leben kann. In der Arbeit kennt man die meisten Kollegen und Kinder und hat zu einigen auch engeren Kontakt, bei den Kindern hauptsächlich zu denen aus der eigenen Gruppe. Außerdem reicht die Zeit, um die wichtigsten kulturellen Unterschiede zu kennen und nicht ständig in Fettnäpfchen zu treten. Dabei hilft auch verschiedene Teile von Ecuador zu bereisen, weil man dabei erst feststellt, dass es zwischen Ihnen auch in der Bevölkerung große Unterschiede gibt.

Im großen und ganzen kann man sagen, dass der Zivi sehr viel Spaß macht, denn Ich denke sowohl, was die Arbeit betrifft, als auch das Land, ist für jeden was dabei, man muss nur offen für Neues sein.

 

 

Zwischenbericht

3. Bericht: April 2008

4 Monate sind jetzt seit meinem letzten Bericht vergangen. 4 Monate, in denen ich viel erlebt habe, in denen sich einige Sachen geändert haben und Andere wiederum fast überhaupt nicht. Angefangen mit dem Leben in der WG, über die Arbeit in der Fundacion, bis hin zu einigen Erfahrungen ausserhalb Quitos.  

Ende Dezember ist ja traditioneller Weise die Zeit der Familie. Einerseits ist man aus Deutschland gewöhnt, dass man in der kalten Jahreszeit eher zu Hause bleibt und so die ganze Familie öfter zusammen ist, andererseits findet mit Weihnachten auch das Fest statt, das für die Familie den grössten Stellenwert hat. Nun kann man zwar in Quito , und auch nicht in den anderen Städten Ecuadors, nicht wirklich von einer kalten Jahreszeit sprechen, allerdings von einer sehr verregneten, was einen doch des öfteren mal in der Wohnung festhält.

Weihnachten und Neujahr waren bestimmt der eine Grund, warum wir von Ende Dezember bis Mitte Januar Besuch von den Familien meiner 3 Zivikollegen hatten. Der Andere war, dass für Ole und Joss Anfang Januar ihre Zeit in der Fundacion zu Ende ging. Letztendlich sind zwar beide noch etwas länger als bis Januar geblieben, der Joss sogar bis Anfang April, trotzdem war für beide klar, dass ihr Abschied von Ecuador nahe war.

Durch die familiäre Stimmung hatten wir dann auch ein schönes Weihnachtsfest, mit sehr gutem Essen . Und, nachdem auch die restlichen Tage sehr angenehm und unterhaltsam verliefen, fühlte sich die WG mitte Januar, als dann alle wieder abgereist waren, fast ein bisschen leer an.  

Dem wurde aber Abhilfe geschaffen, da ja wie gesagt der angesprochene Ziviwechsel bevorstand. Für Jonas, Joss und mich bedeutete das zwei neue Mitbewohner und Arbeitskollegen, die man zwar schon mal auf dem Vorbereitungsseminar gesehen hatte und mit denen man sich auch in der Zeit von August bis Dezember per Email ausgetauscht hatte, mit denen man nun aber für ein halbes Jahr zusammen leben würde.

Wenn ich nun auf die letzten vier Monate zurückschaue, kann ich nur sagen, dass wir die Anfangsphase der Gewöhnung gut und schnell überwunden haben und relativ schnell zu einer gut funktionierenden WG geworden sind, in der zwar nicht immer alles klappt, aber in der sich meiner Meinung nach trotzdem jeder wohl fühlt. Auch wenn wir alle unterschiedliche Interessen haben, konnten wir trotzdem viel zusammen unternehmen. Ob wir jetzt in Quito zusammen im Kino oder bei einem Konzert waren, einfach nur zusammen gekocht haben, Wanderungen durch die Natur Ecuadors unternommen oder neue Orte kennen gelernt haben; jeder konnte sich immer auf die Anderen verlassen und wir hatten und haben immer noch viel Spass zusammen.  

Durch die Ankunft von Max und Sascha haben sich auch in der Fundacion ein paar Sachen verändert. Zu erst einmal mussten die beiden alle Mitarbeiter und, was noch wichtiger war, die Kinder kennen lernen. Zwar haben beide am Anfang schon etwas Spanisch beherrscht und auch schnell Fortschritte gemacht, trotzdem waren wir vor allem in der Anfangsphase gefordert, ihnen in schwierigen Situationen zu helfen. Aber du grundliegenden Sachen kennt man relativ schnell und nach den ersten zwei Monaten kommt man mit seinen Spanischkenntnissen schon irgendwie durch.

Für mich selber hat sich in der Fundacion dagegen nicht besonders viel verändert. Ich arbeite immer noch in der Kindergartengruppe mit den 2-3 Jährigen. Allerdings hat im Dezember ein Mädchen aus meiner Gruppe die Fundacion verlassen, um auf eine spezielle Schule für Sehbehinderte zu wechseln. Dafür sind 3 neue Kinder von den Babys in meine Gruppe gekommen, die alle recht zackig auf den Beinen sind. So habe ich zwar etwas mehr Arbeit, aber der Tagesablauf ist ungefär der gleiche geblieben. Manchmal bin ich dann schon etwas frustriert, jeden Tag das Gleiche zu machen, aber glücklicherweise gibt es dann auch immer Tage, an denen wir etwas spezielles mit den Kindern unternehmen. So waren wir Ende März auch einen Tag mit den Kindern im Zoo, was für sie ein absolutes Highlight war. Vor allem von den Hasen im Streichelzoo waren sie absolut begeistert. Ausserdem ist zwar die Arbeit häufig die gleiche, aber die Kinder sind jeden Tag anders. Mal gut, mal schlecht gelaunt, glücklich oder traurig. In jeder dieser Situationen muss man versuchen Ihnen so gut wie möglich zu helfen, wodurch jeder Tag dann doch wieder zu einer neuen Herausforderung wird.

So viel Spass man auch immer mit den Kindern hat, irgendwann braucht jeder einmal eine Pause, um Kräfte zu regenerieren und mal etwas Abstand von der Arbeit zu gewinnen. So habe ich mir Anfang März 3 Wochen Urlaub genommen, um mit meinem Bruder durchs Land zu reisen und ihm einige schöne Ecken von Ecuador zu zeigen. Es war schön einfach mal wieder nichts tun zu müssen und entspannen zu können. Die ständige Arbeit ist eine relativ große Umstellung, da man in Deutschland von den vielen Schulferien doch sehr verwöhnt ist.

Gut getan hat auch wieder mal jemanden aus der Familie zu sehen und nicht nur per Telefon zu kommunizieren. Man merkt erst wie wichtig Freunde und Familie für einen sind, wenn man sie für längere Zeit nicht sieht. So war es dann auch schön, dass wir zusammen meinen Geburtstag feiern konnten. Nach den drei entspannenden Wochen konnte ich dann auch wieder mit neuer Kraft an die Arbeit gehen. Für mich hat mittlerweile der letzte Abschnitt meines Zivildienstes in Ecuador begonnen. Am Anfang kommt einem ein Jahr sehr lang vor, aber von den elf Monaten, bleiben mir jetzt nur noch drei, bevor ich mich von der Fundacion verabschieden werde. Ich hoffe, dass ich bis dahin die Zeit noch genießen kann.

 

 

Abschlussbericht

4. Bericht: August 2008

Mein letzter Arbeitstag liegt jetzt mittlerweile schon mehr als einen Monat zurück. Da ich noch einige Urlaubstage übrig hatte, konnte ich mir den kompletten Juli frei nehmen und die Zeit zum Reisen nutzen. Ich denke dadurch konnte ich mittlerweile auch etwas Abstand gewinnen, so dass es mir jetzt vielleicht etwas leichter fällt auf das Jahr zurückzublicken. Meine Schwerpunkte will ich dabei zu erst einmal auf die Arbeit und das Leben in Quito legen, aber auch die politische Entwicklung Ecuadors erwähnen.  

Als Ich im August letzten Jahres anfing in der Fundacion zu arbeiten war erstmal alles ziemlich neu für mich . Zum Einen musste ich mich vom Schulalltag auf einen Arbeitsalltag umstellen, der zwar nicht unbedingt viel länger ist, aber doch unterschiedliche Anforderungen an einen stellt. Ist man in der Schule mal müde oder hat einen schlechten Tag, passt man halt mal nicht auf. In der Fundacion sollte einem das nich passieren. Man arbeitet zwar so gut wie nie alleine, hat aber trotzdem eine grosse Verantwortung für die Kinder und nicht immer nur für die Eigenen.

Desweiteren bereitet einem vor allem am Anfang die Sprachbarriere Schwierigkeiten. Glücklicherweise ist Spanisch eine Sprache, deren Grundbausteine man, wenn man will, relativ schnell lernen kann. So ist man wenigstens nach kurzer Zeit nicht mehr ganz so hilflos, wie am Anfang noch. Trotzdem kann man auch nach einem Jahr nicht jeden Gedanken so ausdrücken, wie man gerne würde. Letztendlich ist es zwar kein Problem zu erklären, was man meint, doch das braucht im allgemeinen etwas mehr Zeit, als man normalerweise während der Arbeitszeit hat.

Zuletzt war auch der Umgang mit den Kindern in gewisser Weise neu für mich . Ich hatte zwar schon vorher mit kleineren Kindern gearbeitet. Allerdings ist es ein grosser Unterschied ob man ein- bis zweimal die Woche für zwei Stunden mit ihnen arbeitet oder fünf, manchmal sechs Tage für acht Stunden. Man baut eine viel engere Beziehung  zu Ihnen auf und wird zu einem wichtigen Teil in ihrem leben, zu einer Person die sie fast häufiger sehen, als ihre eigenen Eltern. Deswegen muss man viel mehr auf sie eingehen, ein gutes Verhältnis zu Ihnen aufbauen, aber gleichzeitig auch eine gewisse Autorität bewahren.

Sobald man sich einmal eingewöhnt hat, läuft eigentlich alles ziemlich glatt. Man weiss in etwa, wie man mit welchem Kind (oder Mitarbeiter, die auch sehr schwierig sein können) umgehen muss, was zu welcher Tageszeit gemacht werden muss und an welchen Tagen es in der Fundacion ein besonderes Programm gibt.

Der einzig wirklich negative Punkt für mich war, dass von der Fundacion bei manchen Gelegenheiten ausgenutzt wurde, dass wir kostenlose Arbeitskräfte sind. In ein paar Fällen mussten wir Arbeiten erledigen, die vorher nicht ausreichend geplant wurden und bei denen nach der Hälfte fest gestellt wurde, dass es nicht so funktioniert, wie die Fundacion sich das vorgestellt hatte. Also mussten wir nochmal komplett neu anfangen. Wenn sie dafür qualifizierte Arbeitskräfte hätte bezahlen müsse, wären die Projekte meiner Meinung nach besser durchgeplant gewesen. Davon abgesehen hab ich mich allerdings immer sehr wohl in der Fundacion gefühlt und auch ein gutes Verhältnis zur Chefetage gehabt.

Abgesehen von der Arbeit gab es natürlich auch noch ein Leben ausserhalb der Fundacion, auch wenn das eigentlich nur nach 17 Uhr und an Wochenenden stattfand. Die meiste Zeit habe Ich wohl damit verbracht in die verschiedensten Gegenden von Ecuador zu fahren, um das Land von allen Seiten kennen zu lernen. Einige Höhepunkte dabei waren: die Wanderung um die Lagune Quilotoa, die Besteigung des Cotopaxis, unsere 3 Tage Regenwaldtour, der Inkatrail zusammen mit meinen Zivikollegen, mein Tauchkurs und der Karneval in Ambato. Ecuador ist ein wunderschönes und vor allem vielseitiges Land, das meiner Meinung nach jedem etwas zu bieten hat.

Aber auch in Quito war des öfteren einiges los. Man trifft Reisende aus allen Ländern der Welt und so hatten wir nicht selten eine sehr internationale Truppe in unserem Wohnzimmer sitzen. Zu Gelegenheiten, wie dem Unabhängigkeitstag und den Fiestas de Quito wurden zusätzlich auch noch kostenlose Konzerte und andere Kulturveranstaltungen innerhalb der ganzen Stadt angeboten. 
Und selbst, wenn wir gerade einmal nichts zu tun hatten, hat uns regelmäßig unsere Wohnung auf Trab gehalten. Strom- und Wasserausfälle, kaputte Kabel, durchgeschmorrte Sicherungen, undichte Rohre; irgendwas war immer zu tun. Aber immerhin weiss Ich jetzt, wie man ein paar dieser Sachen repariert.   

Zu Quito möchte Ich abschliessend sagen, dass die Stadt zwar viele interessante Seiten zu bieten hat, für mich aber nicht der richtige Ort zum Leben wäre. Einer der Hauptgründe dafür ist der Smog. Nach einer Woche in Quito ist man wirklich froh, wenn man die Hauptstadt verlassen und endlich wieder mal frische Luft atmen kann. Desweiteren bin ich einfach kein Großstadtmensch.

Ein wichtiges Thema, während meines Jahres in Ecuador , war auch die politische Veränderung, die sich in der Zeit vollzog. Seit Anfang 2007 hat Ecuador eine linke Regierung, die sich zum Ziel gesetzt hat, das Geld innerhalb des Landes gerechter zu verteilen. Kurz nach meiner Ankunft gab es deswegen eine Volksabstimmung, ob eine verfassungsgebende Versammlung einberufen werden soll. Nachdem die Ecuadorianer mit grosser Mehrheit dafür gestimmt und gleichzeitig auch die Abgeordneten gewählt hatten, hat sich diese Versammlung, in der das linke Lager mit einer großen Mehrheit vertreten ist, an die Arbeit gemacht. Gleichzeitig hat sie aber auch die Arbeit des Parlaments übernommen, das zuvor vor allem von den rechten Parteien kontrolliert wurde. Nach etwa einem Jahr Arbeit und verschiedenen Manipulationsversuchen der rechten Parteien, hat die verfassungsgebende Versammlung jetzt Anfang August einen Verfassungsvorschlag vorgelegt. Ob diese Verfassung von den Ecuadorianern angenommen wird, entscheidet ein Referendum im September.

Ein ereignisreiches Jahr liegt hinter mir, in dem ich viel erlebt und gelernt habe. Mittlerweile sind schon die nächsten zwei Zivis in Quito angekommen und haben mit der Arbeit begonnen. Ich dagegen werd noch eine Weile in Südamerika bleiben, um ein paar der anderer Länder kennen zu lernen.