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Berichte von Matthias Prommersberger

1. Bericht

2. Bericht

 

 

Benjamin Steinhauer

 

1. Bericht

So, jetzt ist es endlich soweit, der langersehnte Bericht ist da. Ich finde es immer schwer, wenn man in einem anderen Land ist und dort schon eine gewisse Zeit lang lebt, alles, mag es auch noch so uninteressant für mich mittlerweile sein, zu erfassen. Aber ich versuche es einfach mal. Also, als erstes zu meiner Wohnsituation. Wir besitzen eine wunderschöne WG, mit Dachterrasse, ein großes Wohnzimmer und jeder sein eigenes Zimmer….und was man halt noch so braucht in einer WG. Im Moment wohnen wir nur zu viert, Arne (unser Captain) , Joa (aus Ecuador), Flo und ich. Unser 5. im Bunde hat sich jetzt in einer Gastfamilie eingenistet und genießt dort den Luxus des bekocht Werdens und des Wäsche Waschens. In Sachen häuslicher Arbeit hat sich auch eine gewisse Routine eingespielt. Wir kochen eigentlich immer ganz gut, wechseln uns ab, dass heißt derjenige der kocht ist von den Abspülarbeiten befreit. Naja, meine anfängliche Begeisterung endlich mein eigenes Geschirr in meiner eigenen Wohnung abzuwaschen ist ein bisschen abgeflaut.

So, jetzt zur Arbeit. Unsere Arbeit ist ziemlich im Norden von Quito, was bedeutet, dass wir ca. eine halbe Stunde mit dem Bus in die Arbeit fahren müssen. Was am Anfang ein höchst spannendes Unternehmen war, da ich immer noch davon überzeugt bin, dass die Busfahrer hier ihre Führerscheinprüfung in Verbindung mit einer Crash- Car- Rallye bestanden haben. Inzwischen wird die Zeit im Bus genutzt den fehlenden Schlaf nach zu holen oder um zu lesen. Die ersten 2 Wochen in der Fundación waren ziemlich entspannt, da die Kinder noch nicht da waren und wir in anderen Bereichen aushelfen mussten. Ich habe die knappe erste Woche in der Küche gearbeitet, was zwar nicht immer so appetitlich war, aber mir jetzt einen Sympathiewert bei der Köchin gewährleistet, was bei der Essenssituation in der Fundación nicht von Nachteil ist.
Die 2. Woche haben wir uns darum gekümmert, dass die Klassenzimmer wieder ein bisschen auf Vordermann kommen und haben kräftig Tapeten abgezogen, geschliffen, verspachtelt und gemalert. Und schließlich ging es endlich los. Wir wurden unseren Gruppen und unseren Tías (Tanten), welche die Verantwortung für die Kinder haben zugeteilt. Ich arbeite in der Gruppe „Aprestamiento“ zusammen mit behinderten Kindern von 13 bis 21 Jahren. Die Behinderungen sind meistens Autismus bis hin zu körperlichen Behinderungen.

Am Anfang hatte ich ein bisschen Angst und wusste nicht ganz wie ich mit den Kindern umgehen sollte, was sich aber schon am ersten Tag als unbegründet herausstellen sollte, da meine Kinder sehr die körperliche Wärme suchen…Wenn man den ganzen Tag von diesen Kindern umgeben ist, muss man sich unweigerlich von der Begeisterung für eigentlich total langweilige Sachen anstecken lassen. Ich bin auch davon überzeugt, dass es sehr wichtig und gut wäre für jeden Menschen sich einmal längere Zeit mit behinderten Kindern auseinander zusetzten. Da die meisten meiner Kinder nicht sprechen können oder nur in einem sehr eigenen Akzent, war die Kommunikation zu Beginn etwas verwirrend für beide Seiten. Doch inzwischen funktioniert alles gut. Wir versuchen den Kindern die Zahlen beizubringen, die Farben, oder einfach nur daran zu arbeiten, dass ein Kind es vielleicht dieses Jahr schafft alleine und ohne Hilfe zu gehen. Natürlich ist es auch manchmal echt anstrengen mit diesen Kindern zu arbeiten. Wenn sie zum Beispiel nicht hören möchten und man gerade damit beschäftigt ist einem Kind sich beim umziehen oder aufs WC gehen zu helfen, kann einen das schon manchmal zu Weißglut bringen. Aber ein einziges Lächeln, Lachen oder eine Umarmung lassen diese Schwierigkeiten schnell vergessen.

So, nun zum Reisen. Ecuador ist ein ziemlich kleines Land, dass jedoch sehr viel Landschaftliches zu bieten hat. Zum einen gibt es Galápagos Inseln, die Costa (Küste), die Sierra (Gebirge/Quito) und den Oriente (Dschungel)… Man kann überall mit dem Bus hinfahren und man kann sagen, dass eine Stunde Busfahrt ca. einen Dollar kostet. Ich war schon im Oriente, an der Costa und in der Sierra wohne ich. Quito liegt auf 2880 m, was man die ersten Wochen in den Muskeln spürt und in der Nacht an der Kälte. Ja, hier am Äquator kann es empfindlich schnell kalt werden. Aber auch kein Wunder bei einer Wohnhöhe wie auf der Zugspitze…

Ich denke mal, dass wir unser Leben sehr genießen. Ich bin jetzt 2 Monate hier und war schon Raften, geil Radlfahren, Canyoning, Surfen und was man alles so macht in einem Land wo man alle Möglichkeiten hat seine Adrenalinbedürfnisse zu befriedigen. Heute ist Sonntag und wir hatten die Ehre mit den Kindern vom Waisenhaus zu arbeiten…aber es hat sich gelohnt!! Wir sind mit der ecuadorianischen Luftwaffe ein paar Mal über Quito gekreist. Ja, dass war jetzt so im Prinzip alles wesentliche was ich hier so mache und erlebe, aber ich kann es natürlich nicht so genau beschreiben wie es wirklich ist. Aber ich denke ein gewisser Eindruck wurde gegeben.

Viele Grüße aus Quito

Mati

Ach ja, und die Mädchen hier können tanzen….mannmannmann….

 

2. Bericht

Ich bin jetzt knapp ein halbes Jahr in Ecuador…und es gibt immer noch sehr viel zu erleben und zu entdecken. Weihnachten und Silvester sind jetzt hinter uns. Es ist schon ein komisches Gefühl, wenn eine Weihnachtsfeier nach der anderen in der Fundación stattfindet und man bei 30° in der prallen Sonne sitzt und man einen Weihnachtsmann bewundern muss wie er es in seiner Verkleidung so lange aushält. Ist ungefähr so wie wenn man ein schönes Sommerfest genieß und plötzlich ein Weihnachtsmann hinter der Bühne hervorspringt um lustig zu sein und die Stimmung zu steigern. Da wundert man sich nicht, dass keine wirkliche Weihnachtsstimmung aufkommt…

Weihnachten haben wir ganz familiär (nur wir 4) in unserer Wohnung mit Glühwein und den geschickten Plätzchen verbracht. Danach ging’s auf Reisen, an die Küste. Ich glaube ich werde nicht mehr so oft Silvester an der Pazifikküste feiern. Wir haben in Latroncal, im Südwesten Ecuadors, das neue Jahr mit viel Lärm und brennenden Puppen verbracht. Hier gibt es nämlich den Brauch an Silvester das alte Jahr in Form von Puppen, gefüllt mit Böllern und Krachen zu verabschieden. Hatte etwas von einem Bürgerkrieg, wenn man die ganzen Feuer auf der Strasse sieht und die Raketen explodieren.

Wir haben uns auch eine Camioneta (Pic-Up) gekauft…Baujahr ´76, unsere alte „La Wutz“. Mittlerweile kennen wir so den ganzen Motorinnenraum und sind schon fast Mechaniker…es gibt immer was zu reparieren. Eines Tages beschlossen wir an die Küste zu fahren und die Freiheit zu genießen, nicht von Bussen abhängig zu sein. Ein Problem gab es nur: Wegen dem großen Höhenunterschied und unserer etwas betagten „La Wutz“ ist eine Dichtung im Motor gerissen und nach ein paar Kilometern die wir mit Wasser  im Motor gefahren sind, ging auf einmal nichts mehr. Wir 3 ( Flo, Arne und ich ) in der Pampa irgendwo an der Küste und 4 Kilometer bis zum nächsten Dörfchen. Da hilft nur die gute alte Muskelkraft. Und nach einigen gefühlten 100 km und ungezählten Flüchen haben wir es endlich geschafft. In San Jose de Chamanga rollen wir ein und fragen uns zum nächsten Mechaniker durch. Es gibt genau zwei Automechaniker, der eine ist verreist der andere zu besoffen. Zum Glück ist ein Kleinmotorenmechaniker, welcher nur Motorsägen repariert bereit sich den Motor mal anzuschauen. 2 lange Tage später ist das Auto wieder repariert, wie sich ganz zum Schluss herausstellen sollte von einem Tierarzt…aber jetzt haben wir Freunde in Chamanga! Als wir wieder glücklich in Quito angekommen sind haben wir beschlossen unser Auto La Wutz de Chamanga zu benennen…

Auch wenn man in diesen Momenten ein bisschen nervös wird, weil man nicht weiß was genau passieren wird und man dieses Auto einfach nur verbrennen will, muss man zwangsweiße im Nachhinein darüber lachen. An die Küste fahren wir seitdem nur noch mit dem Bus. Ich arbeite immer noch mit meiner Gruppe und obwohl es sehr viel anstrengende Arbeit ist genieße ich die Arbeit. Ich bewundere meine Kinder immer mehr, auch wenn sie in den Augen eines „normalen“ Menschen vielleicht hilfsbedürftig sind, kann man eine Menge von ihnen lernen. Ich frage mich auch nach 5 Monaten noch wie man sich für die kleinsten Kleinigkeiten  so freuen kann. Meine Kinder sind fast immer glücklich und es vergeht kein Tag ohne einen Lachkrampf.

So viel aus dem schönen Ecuador
Mati