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Zwischenbericht
Seit 8 Monaten bin ich nun schon in Quito. Eine lange, kurze Zeit. Eine Zeit, voller Erlebnisse und Eindrücke. Eine Zeit mit tollen Momenten und vielen Veränderungen. Eine Zeit in der ich ein Zuhause gefunden habe!
Voller Hoffnungen, Erwartungen, Befürchtungen und Neugier landetet ich in Quito. Das Gepäck unglücklicherweise noch in Amsterdam, den Kopf noch halb im zurückgelassenem Deutschland.Die ersten Wochen waren etwas ganz besonderes. Etwas Unsicher bewegte ich mich in dieser fremden aber faszinierenden Welt. Jeder Tag brachte Neuigkeiten. Ich lernte neue Menschen kennen, erkundete Quito mit seinen zahlreichen Seiten, gewöhnte mich an die Arbeit in der Fundacion und bereiste immer mehr Orte in Ecuador. Ausgeschlossen und fremd kam ich mir vor kaum eines spanischen Wortes mächtig. Doch dieses schleichend voranschreitende Lernen der neuen Sprache war der Schlüssel immer tiefer in die neue Welt, die andere Kultur und die Denkensweise der Menschen vorzudringen. Nach und nach fühlte ich mich immer wohler und das Abenteuer Ecuador wurde allmählich Alltag, die Ecuador-Connection WG und Ecuador mein Zuhause.
Das Ziel in der Gruppe ist es den Kindern zu ermöglichen sich in ganz alltäglichen Situationen weitgehend selbstständig zu verhalten. So lernen sie sich alleine Umzuziehen und die Zähne zu putzen, zu essen ohne gefüttert zu werden, alltägliche Gegenstände zu erkennen und ihre motorischen, teilweise auch ihre sprachlichen Fähigkeiten zu verbessern.
Fortschritte zu erkennen viel daher vor allem am Anfang sehr schwer. Oft war ich verzweifelt wenn keines der Kinder gehorchte, war ungeduldig wenn ich Jefferson bei jedem Papierschnipsel, den er in einen auf ein Blatt Papier gezeichneten Ball kleben sollte, neu Auffordern musste, war unglücklich dass keinerlei Fortschritt zu erkennen war, war gelangweilt wenn ich nichts zu tun hatte und fühlte Ekel, wenn ich Davids Windeln voll Durchfall wechseln musste.
Es gab also immer wieder Momente in denen ich mich fragte warum ich diese Arbeit machte, wenn ich den Kindern doch gar nicht helfen konnte. Wo war der Sinn?
Der hat sich auch jeden Fall gezeigt! Bei Marias ersten Worten, bei Jeffersons verbesserter Motorik, bei Carolinas zunehmender Aufmerksamkeit, bei den tollen Bastelergebnissen von David und Wellingtons Lebensfreude.
Vor allem aber ist mir bewusst geworden wie wichtig die intensive Bindung zu den Kindern ist. Wie sehr sie sich über ein Lob oder eine Umarmung von mir freuen, wie gerne wir zusammen lachen und wie wichtig ich den Kindern bin, aber auch wie wichtig sie mir sind! Die Zeit in der Fundacion ist also ein ständig anhaltender Lernprozess, sowohl auf Seiten der Kinder , als auch für mich! Geduld und Ausdauer lernte ich auf eine ganz andere Weise, genauso wie sich immer wieder selbst zu motivieren und Eigeninitiative zu zeigen, für diese anspruchsvolle und schöne Aufgabe. Jetzt bleiben mir nur noch etwa 2 Monate in der Fundación und diese Zeit werde ich sicherlich genießen.
Das zweite große Kapitel in Ecuador ist für mich das Reisen.
Ecuador ist wohl das Land in Südamerika, in dem man am leichtesten die 3
verschiedenen Gebiete kennen lernen kann. Nur wenige Busstunden voneinander
entfernt liegen Costa, Sierra und Oriente. Küste, das Andenhochland und der
Regenwald. An zahlreichen Wochenenden packten wir mit der WG unsere Sachen und
zogen los, um uns am Strand zu entspannen, die eindrucksvollen Landschaften der
Anden zu bestaunen und Berggipfel zu erklimmen oder Abenteuer im Dschungel zu
erleben.
Zu den wohl beeindruckensten Erlebnissen gehört die Besteigung des 5900m hohen Vulkans Cotopaxi. Ein 5 Stunden langer an den letzten Kräften zehrender Aufstieg im Eis wurde mit diesem atemberaubendem Glücksgefühl belohnt, welches sich einstellte, als man auf dem Gipfel angekommen plötzlich König der Welt war.
Auch im Dschungel gab es unvergessliche Stunden. Die Lagune Limoncocha zählt zu diesen eindrucksvollen Erlebnissen. Aus einem kleinen Einbaumboot Krokodile beobachten und Piranhas fischen, oder im Dschungel Affen, Schlangen und Mammutbäume bestaunen war ein unvergessliches Abenteuer.
Zu den schönsten Erlebnissen gehört auch die einwöchige Reise auf die Galápagosinseln. Den Beinamen „Paradies“ tragen diese verzauberten Inseln nicht umsonst. Intensive Augenblicke mit den zutraulichen Seehunden, Schnorcheln und Tauchen mit Schildkröten, Rochen und Haien und auf seltsame Weise schöne, aber karge und unwirkliche Vulkanlandschaften haben einen tiefen Eindruck auf mich gemacht.
So herrlich das Reisen auch ist, hat es auch eine etwas unangenehme Seite. Ecuador ist eben ein Entwicklungsland und der Großteil der Menschen hat kein Geld zum Reisen. Mit einem schlechten Gewissen erzählt man, was alles erlebt und kennengelernt wurde, während die Arbeitskollegen und Freunde wieder in Quito geblieben sind. Nach wenigen Wochen kannte ich in Ecuador somit schon viele Orte mehr, als die meisten Ecuadorianer.
Außerdem möchte man sich ja auch in der Kultur des Landes
einfinden, wenn sich dafür entscheidet ein Jahr dort zu
verbringen. Auf Reisen
jedoch bleibt man Tourist und wird immer wieder als
„Gringo“ abgestempelt. Auch in Quito stößt man
immer wieder auf das gleiche
Problem. Als großer, weißer und blonder Europäer
sticht man überall heraus und
wird als „Mister, Mister“ oder „Gringo“
angesprochen.
In der Ecuador- Connection WG ist der Alltag weniger
ecuadorianische, dafür eher international. Mit unserm „Couchsurfing“ Projekt,
haben wir oft Gäste aus allen Teilen der Welt, was interessante Gespräche und
einen großen Erfahrungs- und Erlebnissaustausch vorprogrammiert. Die Angst daher nicht genügend am ecuadorianischem Leben
teilnehmen zu können, war ab und zu auch da. Spanisch lerne ich auf jeden Fall
langsamer, da ich viel englisch und deutsch spreche. Wenn man aber nicht den
ganzen Tag in der Wohnung verbringt hat man genügend Möglichkeiten auch in die
ecuadorianische Gesellschaft einzutauchen!
Viele Hoffnungen und Erwartungen sind jetzt erfüllt und trotzdem ist alles ganz anders als ich es mir vorgestellt habe. Meine verbleibende Zeit in Quito ist nun recht absehbar, aber ich freue mich darauf diesen großen wirklich gewordenen Traum noch einige Zeit genießen zu können und mein Leben in Ecuador weiterzuleben.
Ibarra
Wie in der Woche vor uns Joss und Ole, sollten anschließend Niklas und ich dort Probearbeiten, um Informationen für die EC und die neuen Zivis zu sammeln, um diesen den Einstieg so leicht wie möglich zu machen. In dem Projekt werden Kinder von 3-5 Jahren in den sozial schwächsten Gebieten der Region Ibarra betreut, unterstützt und gefördert. In 38 verschiedenen Gemeinden profitieren die Kinder von der Gemeinschaftsarbeit zwischen den Pädagogen von CRA und den Eltern der Kinder.
Ich arbeitete den Großteil meiner Zeit in der kleinen Gemeinde Carpuela. Dort angekommen hatte ich das Gefühl eine kleine Weltreise gemacht zu haben und irgendwo in Afrika gelandet zu sein. In Capuela wohnen ausschließlich Afroecuadorianer. Camita ist die CRA Mitarbeiterin in Carpuela, die dort für 3 Gruppen zuständig ist. Zweimal am Tag, einmal Vormittags, einmal Nachmittags ist jeweils eine Gruppe dran.
Die Arbeit dort mit den Kindern hat viel Spaß gemacht. Mit viel Gesang, kleinen Auflockerungsspielchen und kurzen Pausen, hatten die Kinder zwischen den eigentlichen Aufgaben immer wieder Zeit auszuruhen, zu spielen und zu toben. Zusammen mit einigen Eltern und Camita half ich bei den Bastel- und Malarbeiten und fehlte natürlich auch nicht bei Sing- oder Tanzspielen. Bei Fußball, Fangen und anderen Spielen vor und nach der eigentlichen Betreuungszeit hatten die Kinder jedes mal viel Spaß.
Für jede Gruppe ist eigentlich ein Zeitraum von 3 Stunden eingeplant. Da die Kids aber frühestens eine halbe Stunde nach eigentlichem Beginn kamen und in der letzten halben Stunde gegessen wurde, war die Zeit mit den Kindern immer recht knapp. Allerdings denke ich dass die künftigen Zivis bei CRA, diese kurze Zeit sehr effektiv nutzten können, wenn sie eigne Ideen haben und selbst kleine Projekte mit den Kindern starten. Die Möglichkeiten sich selbst dort einzubringen und nicht nur als Unterstützende Kraft mitzuwirken sind riesig. Einmal in der Woche treffen sich alle Mitarbeiter von CRA im Büro, um die kommende Woche zu planen und Fragen zu klären. Dort eigene Vorschläge zu präsentieren wird von den Mitarbeitern sicher freudig aufgenommen.
Der Zusammenhalt zwischen den Mitarbeitern ist groß und das Arbeitsklima immer freundlich und sehr angenehm. Sicher liegt das auch an dem gemeinsamen Fußball, Volleyball und Basketballspielen aller CRA Mitarbeiter. Mehrmals in der Woche trainieren sie zusammen und spielen sogar auf kleinen Turnieren oder Freundschaftsspielen gegen andere Mannschaften. Außer Carpuela habe ich nur noch eine andere Gemeinde in Ibarra kennengelernt, wo die Arbeit im Prinzip recht ähnlich war: Viel Gesang und Bastelarbeiten(wir haben aus Plastikbechern und Seilen, Telefone gebaut). Krankheit und einigen Missverständnisse trübten die zweite Hälfte der Woche etwas. Weitere Gemeinden konnte ich dann leider auch nicht mehr kennenlernen. Dennoch konnte ich eine abwechslungsreiche Woche erleben, einmal aus dem Fundacionsalltag ausbrechen und ein neues und interessantes Projekt kennenlernen. Ausserdem hatte ich ein zweites mal die Möglickeit in einer ecuadorianischen Familie zu wohnen( Ich war bei Camita und ihrer Familie untergebracht). Gelohnt hat sich die Woche auf jeden Fall. Nochmals dort hinfahren werde ich sicherlich.