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Tätig sind dort ca. 35 Mitarbeiter, inklusive Küche, Hausmeister und Büropersonal. Derzeit befinden sich in der Fundación nur ca. 20 Kinder, welche aus dem dazugehörigen Waisenhaus stammen, das sich ca. 10 min entfernt befindet. Beinahe alle dieser Kinder haben eine Behinderung irgend einer Art. Ca. weitere 100 Kinder befinden sich derzeit noch in den Sommerferien und werden am 07. September hinzukommen.
Die Kinder befinden sich immer von 9 Uhr bis 16 Uhr in der Fundación und kommen dann zurück in das Waisenhaus, bzw. zu ihren Familien. Die Kinder werden dann je nach Alter und Behinderung auf ihre Räume bzw. Klassen aufgeteilt. Was ich bisher gemacht habe war in der ersten Woche vor allem die Betreuung der Kinder aus dem Waisenhaus. Diese sind in der Ferienzeit auf zwei Gruppen aufgeteilt, einmal die PC-Kinder (das steht für paralisis cerebral und heißt Gehirnlähmung), das ist dann schon einer schwerere Behinderung, hier meist jüngere Kinder. Die zweite Gruppe ist zusammengewürfelt aus allen älteren Kindern mit nicht ganz so schweren Behinderungen egal ob körperlicher oder geister Art.
In der ersten Woche habe ich vor allem mit dieser Gruppe zusammengearbeitet. Arbeiten, dass heißt dann in den Ferien hauptsächlich mit den Kindern spielen. Dazu kommen sämtliche Nebenjobs, wie Kinder anziehen, mit ihnen aufs Klo gehen, in den Rollstuhlheben und wieder heraus, Kindern helfen, die nicht selbständig essen können usw.. Allem in allem ist man dann mit diesen „Nebenjobs“ mehr ausgelastet, als mit dem Spielen oder dem Erlernen der Zahlen und solcher Dinge. Das liegt natürlich auch daran, dass die Gruppenanzahl ca. bei 15 Kindern liegt und ich dann des Öfteren auch alleine war. Diese ersten Zeit war doch auch, vielleicht nicht schwierig, aber es stellten sich mir einfach auch viele Fragen entgegen. Was kann jedes Kind, wo muss man mithelfen, wie darf man das Kind anfassen, worauf muss man besonders achten? Ein weiteres Problem ist, dass ich einfach die Sprache noch nicht beherrsche und somit häufig auch nicht ausdrücken kann was ich denn gerade fragen will. Hinzu kommt auch Berührungsangst und auch teilweise Ekel. Man wird von einem sabbernden Kind umarmt, man füttert ein Kind und sieht dabei zu, wie der Großteil wieder aus dem Mund herausfließt. Aber dieses Unbehagen ist eben auch etwas, sich das stetig immer mehr abbaut, da man einfach auch lernt damit umzugehen und die Kinder auch als Menschen ansieht, ohne irgendwelche Abstriche zu machen. In aller erster Linie wird mir aber auch immer wieder klar, dass es das alles wert ist, in dem ich merke, wie schnell und wie herzlich man in die Gruppe mit aufgenommen wird. Jeden Tag aufs neue, man gehört sofort dazu, und da ist es egal, ob man jetzt die Sprache kann oder nicht. Einmal setzte sich ein älterer, taubstummer Junge plötzlich neben mich, nachdem er längere Zeit auf der Toilette gewesen war. Er klopfte mir auf den Oberschenkel, aber ich wusste nicht so recht was er wollte und konnte ja auch nicht mit ihm reden. Nach einiger Zeit stand ich auf und ging mit ihm in die Toilette, da ich dacht, irgendetwas hat nicht funktioniert. Doch dann nahm der Junge seine Zahnbürste und das einzige was ich tun musst war, ihm die Zahnpasta auf der Bürste aufzubringen, damit er sich die Zähne putzen konnte. Einfach so, mitten am helllichten Tag und auch nicht nach dem Mittagessen oder so! Solche Erlebnisse vergisst man dann doch nicht so schnell denke ich. Und es wäre oft sehr interessant zu wissen, was wohl gerade in den Köpfen der Kinder abläuft.
Ein paar Tage später sind wir dann mit den Kindern in einem überfüllten Kleinbus, inklusiver Rollstühle auf dem Dach in ein Schwimmbad gefahren. Zuerst alle anziehen und abduschen, dann, wenn nötig aus dem Rollstuhl herausnehmen und in das Wasser heben. Von Schwimmen konnte keine Rede sein, man hält die Kinder über Wasser und versucht, dass sie mit Handbewegungen mithelfen, bzw. watet im Wasser auf und ab. Sehr anstrengend, aber den Kindern hat es Spaß gemacht, und das ist ja die Hauptsache.
Am letzten Montag hatten wir „Betriebsausflug“ nach Santo Domingo ohne Kinder, der drittgrößten Stadt Ecuadors. Am nächsten Tag habe ich eine Tía (Tante, Kinderbetreuerin) gefragt, warum sie denn nicht dabei war, als Antwort kam: „Ich habe kein Geld.“ Gesamte Ausgaben 10 $.
Den Rest der Woche haben wir die Fundación wieder auf Vordermann gebracht, während die Kinder im Casa Hogar (dem Waisenhaus) geblieben sind. Wände neu gestrichen, Spielzeug geputzt, Bretter ausgesägt, Teppiche gereinigt usw. Eine Woche lang Reinemachen.
Das war jetzt einmal so ein erster Eindruck von dem was ich hier so mache. Auch möchte ich es nicht vergessen, noch das Spendenkonto der Ecuador-Connection anzugeben, falls jemand Lust bekommen hat, hier ein wenig Geld zu spenden, dass dann auch ankommt. Das Ganze geht auch über die Homepage: http://ecuador-connection.org/ möglich, die auch ansonsten recht informativ ist.
Sparkasse München
Stichwort: "Spende an die Ecuador Connection e.V."
BLZ: 701 500 00
KTN : 85 24
Hallo,
ich dachte ich meld mich mal wieder.
Nachdem ich euch bei dem letzten Schreiben ziemlich viel lesen hab lassen, mach ich es euch dieses mal einfacher. Ach ja, noch eine Anmerkung, falls sich jemand gewundert hat (was ja vorgekommen sein soll!), warum ich bei einem Foto in der letzten Mail so komische Sachen anhabe.
Ich verspüre auf jeden Fall nicht plötzlich den Wunsch plötzlich weiblich zu wirken, nein, dass rührt daher, dass wir uns einfach in dieser Arbeitswoche jeden Tag Gewand aus den Säcken mit Kleiderspenden gesucht haben.
Jetzt aber zu Canoa.
Hinfahrt mit 11 Std. Hinfahrt über Pedernales, inklusive einer ca. 3 stündigen Pause auf geschätzten 4000 m aufgrund einer Baustelle. Ziemlich kalt mit kurzer Hose bei einem ungeheizten Bus! Ankunft einer kleinen, sehr überschaubaren, Canoa direkt am Meer:

Wie man auch an diesem Bild sofort erkennt ist der Fremdenauflauf von einheimischen und internationalen Touristen eher gering. Es war wirklich gar nichts los. Uns gehörte der ganze Strand. Was in erster Linie auch daran lag, das eine Woche zuvor die Ferien in Quito zu Ende gingen. Ein Hotel an der Strandpromenade gesucht. Unsere Wahl ist auf das Hostal Coco Loco gefallen (8 $ die Übernachtung inkl. DU und WC).

Der Nachteil den man wohl immer hat, hier am Meer, ist, dass aus dem Wasserhahn praktisch reines Salzwasser fließt. Das heißt dann duschen und Zähneputzen mit Salzwasser, was doch ein wenig gewöhnungsbedürftig ist. Meine ersten Surfversuche habe ich hier auch gemacht (Reiseführer: „Surfer schwören auf den gleichmäßig abrollenden Wellengang“). Es hat noch nicht so wirklich geklappt, aber ich hab ja noch Zeit. Der Strand ist ewig lang und sehr flach:


Das Wasser war ist sehr warm, ich würde sagen, so ca. 26°C. Wie man an den Bildern erkennen kann, war es bewölkt (immer!), und auch ein leichter Wind ging. Die Temperaturen reichten aber auf jeden Fall aus.
Hier noch die Aussicht von unserem Haus aus:

Sonntag in der Nacht zurück, in 6 Std. (es geht ja doch schneller!). Drei Stunden schlafen und ab in die Arbeit. Das Ganze für insgesamt 120 $ (Busfahrt, Unterkunft, 2 mal am Tag Essengehen und sämtliche Nebenkosten wie Alkohol und Surfen). Gerne immer wieder!
Ok, das war´s mal wieder.
Schöne Grüße aus Quito
Florian
Mittlerweile bin ich schon fast 5 Monate da. Jetzt ist es seit längerer Zeit (schon beinahe endlich) wieder ein bisschen ruhiger. Anfang Dezember waren die „Fiestas de Quito“ (Feiern zur Gründung von Quito: 475 Jahre). Darunter hätte ich mir ein wenig mehr vorgestellt. Gut ja, auf Grund der Nähe zur Stierkampfarena war bei uns vor der Haustüre praktisch eine Woche lang die Straße mit Autos und Betrunkenen verstopft. Desweiteren wurden Tag für Tag im Stadion ein halbes Dutzend Stiere umgebracht, dieses Spektakel wollte ich mir rein als Neugierde eigentlich auch einmal anschauen, dann hat es sich aber nicht ergeben (die Tickets sind auch sehr teuer, so dass man gerne 100 $ ausgeben kann, wenn man möchte) und ich hab auch nicht das Gefühl etwas wesentliches verpasst zu haben. Abends finden dann Straßenfeste statt, teilweise auch mit Live Musik, an denen sich die Quiteños versammeln und Canelazo trinken, ein heißer Saft mit Alkohol, ein bisschen ähnlich wie Glühwein, auf jeden Fall aber sehr gut. Zu erwähnen bleibt noch der riesige Alkoholkonsum, so hat der Besitzer unserer Stammtienda (kleiner Tante Emma Laden, den es an jeder Ecke gibt) extra seine Regale umgestellt, um mehr Bierkästen unterzubringen. Wahrscheinlich macht er in dieser Woche 1/5 des Jahresumsatzes.
Dann die Vorweihnachtszeit. Zweimal waren wir auf eine sogenannte Novena eingeladen. Bei diesem Brauch wird 9 Tage vor Weihnachten jeden Tag ca. eine Stunde der Rosenkranz gebetet, verbunden mit der Reise nach Betlehem. Während wir dann so in dem Raum saßen und dem Genuschel zuhörten (wie das halt in Deutsch genau so ist) musste ich über den Weihnachtsbaum staunen und allgemein über die Liebe zu Kitsch die hier vorherrscht. Die Bäume die ich besichtigen durfte funkelten und blitzten alle in verschiedenen Farben und auch sämtlicher anderer Weihnachtsschmuck braucht keine Angst haben nicht gesehen zu werden. Auch an der Fundación ging dieses Ereignis natürlich nicht spurlos vorbei. Dreimal kamen verschiedenen Gruppen ins Haus, einmal ein College, einmal Leute einer Bank und einmal ein Tanzverein. Immer umgeben mit einem Programm mit Kuchen und Getränken, gab es dann für die Kinder Spielsachen oder Kekse. Die Kinder hat das immer riesig gefreut, wenn ihr Name aufgerufen wurde und sie nach vorne gehen durften um ihr Geschenk abzuholen, egal ob sie jetzt eine Puppe oder einen Tüte mit Kekse bekommen haben. Wir drei Volontäre haben den 24. dann mit einem Pärchen aus der Arbeit in einem nahegelegenem großen Naturpark verbracht, mit mitgebrachtem Essen und Trinken und allem, was sehr gemütlich und auch schön war. Der 25. war dann ganz ruhig zu Hause und am 26. haben wir uns dann aufgemacht auf längere Reise. Zuerst ging es in die Provinz El Oro (steht für Gold, da es auch zahlreiches Goldvorkommen in der Region in Minen gab und immer noch gibt) aus der der Großteil der Bananen Ecuadors stammen. Mit dem Bus fährt man stundenlang nur durch Bananenplantagen. Dort in der Hauptstadt dieser Gegend Machala und dem dazugehörigen Hafen Puerto Bolívar (von dem aus die Bananen in die ganze Welt verschifft werden, damit sie dann meine Mutter zu Hause in Wolkersdorf in ihrem Laden verkauft), haben wir 4 Nächte verbracht. In dieser Welthauptstadt der Bananen, von der wohl noch nicht viele etwas gehört haben, werden die Bananen teilweise sogar in den Tiendas verschenkt, wenn sie z.B. aus irgendeinem Grund nicht mehr den Richtlinien der EU entsprechen. Nach dieser Zeit im überheißen Machala inklusive besichtigen eines Goldgräberstädtchen und Baden im Meer sind wir dann weiter nach La Troncal, wo wir Sylvester zugebracht haben. Das war für uns sehr ruhig, aber mehr musste ich auch nicht haben. Einen lustigen Brauch den wir bestaunen durften und den es in ganz Ecuador gibt, ist das Verkaufen und Kaufen von bunten Pappmaschepuppen. Diese Puppen reichen von ganz normalen Tieren über Spongebob, Michael Jackson und Hulk (auch hier macht sich der Kitsch wieder bemerkbar). Um Mitternacht werden sie dann auf der Straße angezündet (man meint man befindet sich im Krieg bei den ganzen Feuern auf der Straße) und es knallt auch noch schön, denn im Inneren befinden sich ein Menge Böller. Nach einem kurzen Aufenthalt in Guayaquil sind wir dann wieder zurück nach Quito gefahren, wo es dann auch wieder zurück an die Arbeit ging.
In der Fundación läuft es weiterhin eigentlich sehr gut. Auch wenn es immer noch jeden Tag aufs neue anstrengend ist, was sich wohl auch nicht ändern wird. Mittlerweile haben wir noch ein neues Kind mit in meine Gruppe bekommen. Sie ist jetzt in gewisser Weise mein neuer Problemfall, aber auch das dürfte sich in einiger Zeit legen, wenn sie sich daran gewöhnt hat, wie das Ganze hier läuft. Denn es scheint in ihrer alten Gruppe durfte sie den ganzen Tag nur spielen, so dass sie jetzt einiges nachholen muss, was wir mit den Kindern bereits schon durchgenommen haben, wie einige Zahlen und Farben. Und auch die Autorität die neben dem Spaß doch auch herrscht scheint das Mädchen mit der piepsigen Stimme (so dass ich sie oft nicht verstehe) zuerst etwas verstört zu haben. Immer wieder überrascht bin ich von David (hat Autismus), über den ich bereits schon einmal geschrieben habe. Er hat in der letzten Zeit einen richtig großen Fortschritt gemacht. Er ist jetzt endgültig in der Gruppe angekommen und es ist um einiges leichter ihn dazu zu bewegen die gestellten Aufgaben auch zu Ende zu führen. Auch mit den anderen Kindern kommt er jetzt ganz gut klar, so hat er in der ersten Zeit beinahe nur mit Gabi, dem Kind, das im Rollstuhl sitzt, gespielt oder hat sich alleine mit irgendetwas abgegeben, ist das nun mehr ausgeglichen und er ist integriert. Seine Kommentare die er immer so von Zeit zu Zeit von sich lässt, sind weiterhin meist sinnlos, aber sie bringen uns jetzt meist einfach zum Lachen und beinahe scheint es, als würde gerade deswegen den Mund aufmachen.
Jetzt möchte ich mich noch für die eingegangenen Spenden bedanken und hoffe ich konnte wieder ein wenig einen Eindruck davon vermitteln, wie mein Leben hier so verläuft und wie das Leben allgemein hier gelebt wird.
Schöne Grüße aus Quito
Florian